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Fahrradkette reinigen und pflegen: So geht’s!

Fahrradkette reinigen und pflegen: So ge...

23.04.2021 - Update: 16.06.2021

Fahrradkette reinigen und pflegen: So geht’s!

Die Fahrradkette ist das Bauteil am Fahrrad, das am meisten beansprucht wird. Auf die filigranen Glieder wirken beim Treten schließlich riesige Kräfte. Um die Abnutzung so gering wie möglich zu halten, ist das regelmäßige Reinigen und Pflegen der Kette unerlässlich.

Hörst du es beim Treten von unten Quietschen oder Reiben, ist es höchste Zeit, einen Blick auf die Fahrradkette zu werfen. Wir zeigen dir, wie du deine Fahrradkette gründlich reinigst und welche Fehler du dabei vermeiden solltest.

Verschleiß prüfen

Bevor es an das Reinigen deiner Kette geht, solltest du prüfen, ob sich die Länge der Fahrradkette durch die Nutzung verändert hat. Zwischen den einzelnen Kettengliedern entsteht durch die Belastung von Antrieb und Schaltung ein kleiner Bewegungsspielraum, die Bolzen zwischen den Kettengliedern dehnen sich auf, was die Fahrradkette verlängern kann.

Diese Längung siehst du mit bloßem Auge meist nicht, deshalb ist es sinnvoll, mit einer Verschleißlehre den Abstand der Kettenglieder zu prüfen. Die Verschleißlehre ist ein vordefiniert langes Metallstück, das, wenn die Kettenlänge stimmt, zwischen den Gliedern einrastet. Du erhältst es in jedem Fahrradshop.

Zögerst du den Tausch der Fahrradkette zu lange hinaus, schmirgelt sich die gelängte Kette die Zähne von Kettenblatt und Kassette zurecht und eine neue Kette springt ab. Also lieber rechtzeitig tätig werden, denn Kurbelgarnitur und Ritzelpaket sind deutlich teurer als eine Kette.

Wie viele Kilometer du mit einer Kette radeln kannst, hängt davon ab, wie du schaltest, bei welcher Witterung du unterwegs bist und auf welchem Untergrund, wie hochwertig die Kette ist - und wie gut du sie pflegst.

Manche müssen nach 1.000 Kilometer runter vom Rad, andere halten gut 3.000 Kilometer und mehr. Spätestens, wenn sich die Kette um 0,75 bis 0,8 Prozent gelängt hat, solltest du sie austauschen.

Wozu reinigen und nicht einfach ölen?

Nach Fahrten im Gelände oder bei Regenwetter lagert sich ein Schmutzfilm auf deinem Fahrrad und besonders auf deiner Fahrradkette ab. Das passiert übrigens nicht nur bei Mountainbikes, sondern auch bei herkömmlichen Fahrrädern und Pedelecs, die du auf geteerten Straßen bewegst.

Staub, gestreutes Salz und schmutziges Wasser greifen die Kette ebenso an wie Waldboden. Schmierst du die Kette, ohne sie davor zu reinigen, wandert der Schmutz tiefer in die Glieder und macht die Fahrradkette unbrauchbar.

Vorbereitungen für das Reinigen der Fahrradkette

Die gründliche Reinigung deiner Fahrradkette geht einfach und schnell, wenn du dabei sorgfältig vorgehst und einige Dinge beachtest. Lasse die Kette auf Kettenblatt und Ritzel liegen, sie zu demontieren wäre unnötiger Aufwand, der es dir nicht leichter macht. Lege sie für die Reinigung stattdessen einfach auf einen mittleren Gang, damit sie beim Kurbeln gut läuft.

Bringe dein Fahrrad in eine für dich günstige Position. Am einfachsten sind die Fahrradkette, das Ritzel und das Kettenblatt zu erreichen, wenn du das Fahrrad auf Sattel und Lenker also auf den Kopf stellst. Vergiss nicht, Halterungen am Lenker abzumontieren und ein Handtuch unterzulegen, damit dein Rad unbeschädigt bleibt.

Falls du einen Montageständer hast, kannst du das Rad auch in selbigen spannen. Beachte aber, dass du Carbonbauteile (z. B. Sattelstütze) nicht fest klemmen solltest. Lege zumindest eine Polsterung (Lappen etc.) um das Bauteil und ziehe nicht zu fest zu.

Handschuhe sind für die Reinigung nicht unbedingt erforderlich, aber können verhindern, dass du dich beim Reinigen oder Ölen schmutzig machst.

Drei Tools für die Reinigung:

  • Zahnbürste
  • Kettenreiniger
  • Lappen

Dann kann es losgehen!

So bekommst du deine Kette sauber

1. Schmutz entfernen

Mit dem Reinigen der Fahrradkette beginnst du am besten, indem du den gröbsten Schmutz trocken entfernst. Du brauchst dafür kein spezielles Equipment. Bürste einfach mit einer alten Zahnbürste locker über die Kette. Für das Entfernen von tiefer liegendem Schmutz kannst du einen Zahnstocher verwenden.

Wenn du schon freie Sicht auf die Unterseite deines Bikes hast, wirf ebenso einen Blick auf den Umwerfer, das Kettenblatt und das vordere Ritzel. Es ist die perfekte Gelegenheit, um auch diese Bauteile zu reinigen.

2. Fahrradkette reinigen

Mit einem trockenen Lappen kannst du nun die verbliebenen Verschmutzungen lösen. Verwende einen alten Lappen, denn das Schmiermittel bleibt selbst nach dem gründlichsten Waschgang im Textil haften. Zieh den Lappen mehrere Male über die Fahrradkette.

Anschließend kannst du ein paar Tropfen Kettenreiniger auf den Lappen geben und damit nochmals die Kette streichen, um sie für das Ölen bereit zu machen.

Vorsicht bei stark entfettenden Reinigern, die in die Kettenglieder kriechen: Ist der interne Schmierfilm einmal weg, lässt er sich nur mit Mühe und dem kompletten Auseinandernehmen der Kette wieder herstellen.

3. Fahrradkette schmieren

Den aufwendigsten Teil hast du nun bereits hinter dir. Nach dem Reinigen geht es an das Schmieren deiner Fahrradkette. Ist deine Kette zu trocken, erhöht sich nämlich die Reibung auf den Zähnen der Antriebskomponenten und die einzelnen Kettenglieder sowie alle Bauteile, die durch die Kette verbunden sind, verschleißen schneller.

Vergisst du, regelmäßig zu schmieren, macht sich die Fahrradkette durch knatternde oder quietschende Geräusche bemerkbar und kann den schönsten Ausflug mit deinem Fahrrad zu einer nervigen Geduldsprobe machen.

Welche Schmiere?

Die passende Schmiere für dein Fahrrad ist im Handel als Spray oder in einem Tropfenapplikator erhältlich. Zum Ölen deiner Fahrradkette solltest du nur spezielles Kettenöl verwenden. Universale Öle haben nicht den passenden Rostschutz, gewährleisten nicht die nötige Haftung und liefern nicht die ideale Schmierfähigkeit.

Tipp: Wenn du dir für die Reinigung neues Kettenöl zulegst, kannst du dir überlegen, auf eine umweltfreundliche Alternative umzusteigen. Herkömmliches Kettenöl wird auf Mineralölbasis hergestellt, während es mittlerweile auch ökologische Alternativen dazu gibt.

In welcher Verpackung dein Öl auch kommt, wichtig ist, dass du beim Schmieren jedes Glied deiner Fahrradkette punktuell versorgst. Arbeitest du mit Spray, dann achte darauf, dass auf keinen Fall Öl an die Bremsen, die Bremsscheiben oder die Bremsflanken kommt. Das kann zu einem drastisch verlängerten Bremsweg und im schlimmsten Fall zu Unfällen führen.

Überschüssiges Öl kannst du nach 15 Minuten von der Fahrradkette wischen.

Tipp: Wenn du öfter und weniger schmierst, sparst du dir etwas Reinigungsarbeit, da sich auf der Schmiere weniger Staub und Dreck festsetzt.

Do’s und Dont’s bei der Kettenpflege

Im Internet kursieren viele Tipps, die deinem Rad schaden können. Vom Schmieren mit Speiseöl bis zum Reinigen mit Hochdruckstrahl finden sich unzählige unsinnige Empfehlungen. Wir haben die wichtigsten Do’s und Don’ts rund um die Pflege deines Fahrrads zusammengefasst

**Pflege** **Do** **Don't**
Reinigen Zahnbürste, Zahnstocher Hochdruckreiniger
Entfetten Trockener Lappen Wasser, Diesel, Benzin
Ölen Kettenöl Universalöl
Zusätzliche Hilfe Kettenreiniger Seifenlauge, Korrosionslöser

Läuft wie geschmiert – aber wie lange?

Das kommt letztlich auf die Beanspruchung deines Fahrrads an. Wer das ganze Jahr durch Wind und Wetter fährt, sollte zumindest einmal im Monat die Fahrradkette pflegen.

Spätestens wenn die Fahrradkette nicht mehr geräuschlos läuft, ist es an der Zeit, sich um sie zu kümmern. Eine Investition die sich lohnt, denn eine gut gereinigte und geschmierte Fahrradkette hält, wie oben bereits erwähnt, bis zu 3.000 Kilometer.

Wer rastet, der rostet

Wenn du dein Fahrrad jahrelang nicht benutzt hast oder ein altes Schätzchen aus Omas Garage wieder zum Fahren bringen möchtest, prüfe die Fahrradkette auf rostige Stellen. Gereinigt bekommst du solche Ketten mit Rostlöser, manchmal ist es aber auch besser, die Kette gleich ganz auszutauschen.

Außerdem lohnt es sich, das gesamte Fahrrad auf seine Fahrtauglichkeit überprüfen zu lassen, wenn der Antriebsstrang erst einmal korrodiert ist. Denn da sich Rost nicht von einem Tag auf den anderen bildet, steht das Rad vermutlich schon eine Weile herum, und das kann sich auch auf andere (sicherheitsrelevante) Bauteile wie Schrauben, Züge oder Sattelstütze/Vorbau auswirken. Bring es für einen eingehenden Check zum Fahrradshop deines Vertrauens!

Korrodierte Kettenelemente deuten dagegen darauf hin, dass deine Kette mangelnden Rostschutz aufweist und Gefahr läuft, bei intensiver Belastung zu reißen.

Läuft bei dir!

Die regelmäßige Wartung deiner Fahrradkette beugt nicht nur Korrosion, sondern auch dem Verschließ und der Neuanschaffung anderer Bauteile vor. Benutzt du die richtigen Produkte und gehst umsichtig vor beim Fahrradkette pflegen und reinigen, ist dein Bike für die nächsten Touren optimal gerüstet.