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Fahrradsattel richtig einstellen

Fahrradsattel richtig einstellen

04.05.2021 - Update: 18.08.2021



Du hast ein neues Fahrrad und bist bereit für die erste Fahrt? Ein korrekt eingestellter Sattel bringt dich nicht nur bequem und sicher ans Ziel, sondern beugt auch Verletzungen und gesundheitlichen Schäden vor. Wir erklären dir, wie du deinen Sattel am besten anpasst und was du dabei beachten solltest.

Folgen eines falsch eingestellten Sattels

Ein falsch eingestellter Fahrradsattel kann ernstzunehmende Folgen für deine Gesundheit haben. Bei einem zu tief eingestellten Sattel wird das Knie zu stark angewinkelt, was zu Schmerzen führen kann. Außerdem werden deine Beine schneller müde, da sie mehr arbeiten müssen als nötig.

Bei einem zu hoch eingestellten Sattel wird die Beinmuskulatur dagegen zu wenig beansprucht, wodurch sich der Druck auf das Gesäß erhöhen kann und die Oberschenkel schneller zu Krämpfen oder Zerrungen neigen. Zusätzlich kann es passieren, dass das Becken seitlich abkippt, das beansprucht die Bandscheiben im Bereich der Lendenwirbel stark.

Hin und wieder kann es auch passieren, dass die Zehen beim Treten taub werden, da der Druckpunkt an den Füßen bei einem zu hoch eingestellten Sattel auf den Zehen liegt.

Außerdem kommt es auch auf die richtige Neigung des Sattels an. Wenn die Spitze zu weit nach unten zeigt, kann dies die Rumpf- und Armmuskulatur belasten. Andererseits kann ein nach hinten gekippter Sattel für Schmerzen in Rücken, Hüften und Füßen sorgen.

Fahrrad Sattel richtig einstellen – Schritt für Schritt

Für die optimale Einstellung des Fahrradsattels kommt es in erster Linie auf drei Komponenten an:

  • Sattelhöhe
  • Sattelneigung
  • Sattelposition

Das richtige Werkzeug

Bei der Ermittlung der richtigen Sitzhöhe auf dem Fahrrad spielt es keine Rolle, ob es sich um ein E-Bike, Mountainbike, Rennrad oder ein ganz normales Stadtrad handelt. Die Einstellung läuft immer gleich ab.

Für einige Räder benötigst du eventuell einen Inbusschlüssel, andere Bikes sind dagegen mit Schnellspannern ausgestattet, bei denen sich die Sattelstütze ohne Werkzeug lösen lässt.

Eine Wasserwaage ist zu empfehlen, um die Neigung des Fahrradsattels einzustellen. Wer keine zur Hand hat, kann auch eine App herunterladen, die das Smartphone kurzfristig zur Wasserwaage umfunktioniert. 

Um die richtige Sattelhöhe zu ermitteln, musst du dich auf dein Fahrrad setzen können. Es kann hilfreich sein, sich eine zweite Person zur Unterstützung dazu zu holen. Oder du suchst dir eine Wand oder an der du dich abstützen kannst.

Sattelhöhe einstellen nach der Fersen-Methode

Als erstes setzt du dich auf dein Fahrrad und stellst die Füße auf die Pedale. Das rechte Pedal sollte sich am tiefsten Punkt befinden. Nun stellst du die rechte Ferse auf das Pedal, sodass dein Knie noch leicht gebeugt ist. Wenn du das Pedal nicht erreichst, musst du deinen Fahrradsattel etwas tiefer einstellen. Mithilfe dieser Fersen-Methode kannst du ganz einfach die richtige Sattelhöhe ermitteln.

Sattelhöhe berechnen nach der Hügi-Methode

Die Hügi-Methode wurde vom Schweizer Wilfried Hügi in den 1980er-Jahren entwickelt, um mithilfe einer mathematischen Formel die beste Sitzposition zu bestimmen. Zunächst wird dabei die Beinlänge vom Fuß bis zum Schritt gemessen. Diese Zahl wird anschließend mit dem Faktor 0,885 multipliziert. Im Ergebnis erhältst du den optimalen Abstand von der Mitte des Tretlagers bis zur Oberkante des Fahrradsattels.

Für welche Methode du dich entscheidest, bleibt dir überlassen. Beide Methoden helfen dir bei der Einstellung der optimalen Sattelhöhe. Achte aber unbedingt auf die Maximalmarkierung, die an der Sattelstütze angebracht ist - und ziehe sie nie darüber hinaus aus dem Sattelrohr, da sonst die Sattelstütze abknicken und du dich schwer verletzen oder stürzen kannst.

Sattelneigung einstellen

Neben der Sattelhöhe spielt die Neigung des Fahrradsattels eine wichtige Rolle dabei, eine bequeme und gesunde Sitzposition auf dem Fahrrad zu finden. Gerade die Neigung entscheidet über die optimale Gewichtsverteilung auf dem Sattel.

Am besten sollte der Sattel möglichst waagerecht eingestellt sein. Individuell kannst du dann noch minimale Veränderungen vornehmen. 

Zur Ermittlung der Waagerechten, kannst du die bereits erwähnte Wasserwaage verwenden. Diese legst du am besten zuerst auf den Boden, um zu sehen, ob der Untergrund eben ist. Anschließend bringst du den Fahrradsattel in eine waagerechte Position, indem du die Schraube(n), die den Sattel mit der Sattelstütze verbinden lockerst. Danach nimmst du die Wasserwaage und legst diese einfach auf den Sattel und passt die Einstellungen entsprechend an.

Sattelposition einstellen

Anschließend geht es noch darum die richtige Sattelposition zu finden. Damit ist der Abstand vom Sattel zum Lenker gemeint. Nur so kannst du vernünftig in die Pedale treten. Hierfür bringst du die Tretkurbel in die Waagerechte, setzt dich auf das Fahrrad und nimmst die Hände so an den Lenker als würdest du losfahren.

Nun sollte der Fußballen auf Höhe der Pedalachse stehen und das Knie sollte am tiefsten Punkt leicht angewinkelt sein. Die Kniescheibe sollte nun im besten Fall durch die vordere Pedalachse laufen. Um diesen Punkt zu erreichen kannst du den Sattel leicht nach vorne bzw. hinten verschieben, bis alles passt.

Was muss ich bei Rennrädern, Mountainbikes und E-Bikes beachten?

Grundsätzlich ist die Einstellung der Sitzhöhe bei allen Rädern dieselbe. Egal ob Mountainbike, Rennrad oder E-Bike – du kannst die Fersenmethode oder Hügi-Formel gleichermaßen anwenden.

Auf dem Rennrad ist man beim Fahren meist sehr stark nach vorne über den Lenker gebeugt. Dadurch liegt besonders viel Körpergewicht auf der Sattelspitze. Die Sattelneigung kann somit präzise genutzt werden, um die richtige Sitzposition zu finden.

Gerade wenn du Mountainbike fährst, kann es nützlich sein, unterwegs häufiger die Sattelhöhe zu verändern. Während du auf einigen Passagen im Stehen fährst und somit besonders viel Bewegungsfreiheit brauchst, ist es sinnvoll, den Fahrradsattel etwas tiefer zu stellen. Eine hydraulische Sattelstütze , die sogenannte Dropper Post, kann dabei sehr hilfreich sein. So kannst du per Knopfdruck am Lenker oder Sattel ganz einfach die Sattelhöhe anpassen.

Auch wenn E-Bikes auf den ersten Blick sehr bequem erscheinen, solltest du bei dem Sattel nicht auf allzu stark gepolsterte Modelle zurückgreifen. Denn ein zu weicher Sattel kann die Blutzirkulation im Körper erschweren und dabei Muskeln und Sehnen reizen.

Erst Lenker- und Sattelhöhe, dann die Sattelneigung

Am Ende dieses Ratgebers solltest du wissen, dass die Sattelhöhe, die Sattelneigung und auch die Lenkerposition in direktem Zusammenhang miteinander stehen. 

Daher solltest du zunächst die Sattel- und Lenkerhöhe ermitteln und erst dann in das „Fine-Tuning“ der Sattelneigung übergehen. Diese sollte zunächst neutral ausgerichtet sein und wenn sich das unbequem anfühlt, kann man hier minimal nachjustieren, bis alles passt.

Ziel sollte es sein, dass der Großteil deines Körpergewichtes gleichmäßig auf den beiden Sitzknochen getragen wird, um den Rücken sowie die Gelenke zu entlasten.

Sobald dein Sattel korrekt eingestellt ist, fährt es sich gleich viel bequemer und leichter. Du kannst haltungsbedingten Schmerzen vorbeugen und wirst gleichzeitig viel mehr Spaß und Ausdauer auf dem Rad haben.

Nach ihrem Studium der Literaturwissenschaften widmet sich Luisa nun der Sonderpädagogik, wobei ihr Schwerpunkt auf der emotionalen und sozialen Entwicklung liegt. Ihrer Liebe zum Schreiben und zum Sport kann sie als Redakteurin für Bikes.de weiterhin nachgehen. Wenn sie nicht gerade am Studieren und Schreiben ist, trifft man sie zum Wandern, Joggen und Radfahren irgendwo im Wald an. Für Luisa ist das Fahrrad ein umweltfreundliches Fortbewegungsmittel, ein Sportgerät und ein tolles Fahrzeug, um Natur zu erleben und die Welt zu entdecken. Am liebsten ist sie mit ihrem Trekkingrad oder ihrem Mountainbike unterwegs.