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Radfahren im Winter: Wie mache ich mein Bike winterfest?

Radfahren im Winter: Wie mache ich mein ...

23.04.2021 - Update: 16.06.2021

Radfahren im Winter: Wie mache ich mein Bike winterfest?

Mit dem Einbruch des Winters stehst du vor der Entscheidung, ob du dein Fahrrad einmotten oder für die kalte Jahreszeit umrüsten möchtest. Wir haben die wichtigsten Maßnahmen rund um das Einlagern deines E-Bikes und Aufbewahren deines Akkus bereits in einem Artikel zusammengefasst. Wenn selbst bei Eis und Schnee im Winter Fahrradfahren möchtest, findest du hier alle Informationen, um dein Rad winterfest zu machen.

Fahrradlicht in der Winterzeit

Werden die Tage kürzer, steigt auch die Gefahr, als Radfahrer von anderen Verkehrsteilnehmern in Dämmerung und Dunkelheit übersehen zu werden. Besonders Berufspendler haben im Winter ein erhöhtes Unfallrisiko.

Dabei ist es ganz leicht, dein Fahrrad oder E-Bike mit der passenden Beleuchtung auszurüsten. Dank gesetzlicher Änderungen sind seit 2013 akku- und batteriebetriebene Lampen offiziell erlaubt. Du brauchst also keinen Dynamo mehr, sondern kannst die Beleuchtung bei Bedarf aufstecken.

Akku- und batteriebetriebene Beleuchtung

LED-Frontscheinwerfer und LED-Rücklichter sind unkomplizierte und weitestgehend wartungsfreie Beleuchtungsmöglichkeiten, die mit Akku oder Batterie laufen. Waren früher nur fest verbaute Lampen mit Dynamo offiziell zugelassen, kannst du heute auch abnehmbare Lampen verwenden, die oft in die Jacken- oder Trikottasche passen.

Allerdings müssen solche Lampen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Um StVZO-konform zu sein, müssen sie eine dieser drei Energiequellen nutzen:

  • Lichtmaschine mit einer Nennleistung von min. drei Watt und einer Mindestnennspannung von sechs Volt
  • Batterie mit Nennspannung von min. sechs Volt
  • wiederaufladbarer Energiespeicher

Außerdem muss das Licht vorn weiß strahlen und eine Leuchtkraft von zehn Lux haben, hinten muss der Strahler rot sein und mindestens 250 Millimeter über der Fahrbahn am Rad sitzen.

Stiftung Warentest hat 19 akkubetriebene LED-Scheinwerfer getestet und kam zu dem Ergebnis, dass auch im unteren Preissegment gute Lampen für dein Fahrrad zu finden sind. Den Akku kannst du übrigens in vielen Fällen bequem an einer Steckdose oder einem USB-Anschluss aufladen.

Ebenso gibt es verschiedene Lösungen, die speziell dein E-Bike sicher durch den Verkehr bringen, und sich z. B. über den Bike-Akku betreiben lassen. Aber auch beim Pedelec kannst du grundsätzlich ebenfalls Stecklichter verwenden.

Dynamo-Beleuchtung

Seitenläufer-Dynamos sind während der kalten Jahreszeit nicht zu empfehlen. Bei Nässe und Schnee rutschen sie am Reifen deines Rads durch und erzeugen nicht genügend Strom. Reicht die Leuchtkraft deiner Lampe nicht aus, läufst du Gefahr, zwischen den hellen Scheinwerfern der Autos zu verschwinden.

Außerdem geht das Licht in den meisten Fällen aus, sobald zu stehen bleibst. Radfahrer, die trotzdem nicht zum Akku greifen möchten, können mit einem Nabendynamo fahren, der auch bei Regen und Wind fest am Reifen sitzt.

Hinweis: Jedes Frontlicht und Rücklicht muss über eine Zulassung vom Kraftfahrtbundesamt verfügen. Ob dein Fahrradlicht zugelassen ist, erkennst du an der sogenannten K-Nummer, die darauf zu finden sein sollte. Das ist eine gewellte Linie mit einer Nummerfolge, die mit einem großen K beginnt.

Fahrradreifen im Winter

Wer sich das Radfahren auch im Winter nicht nehmen lassen möchte, sollte die Reifen seines Fahrrads an die neuen Gegebenheiten anpassen. Grundsätzlich kann jedes Fahrrad auch im Winter genutzt werden, solange die Reifen mit der Kälte klarkommen.

Wenn die Straßen frei sind, macht es dabei einen Unterschied, ob du mit einem Rennrad, einem Mountainbike oder eine E-Bike unterwegs bist. Für das Radfahren im Alltag, wo du es durchaus auch einmal mit einer geschlossenen Schneedecke oder Eisflächen zu tun hast, gibt es neben Allround-Reifen auch Winterreifen sowie Reifen mit Spikes.

Für den Allround-Einsatz deines Fahrrads lohnt es sich, Reifen mit griffigem Lamellenprofil und gegebenenfalls aus einer Gummimischung zu kaufen, die ihre Gripeigenschaften erst bei Kälte so richtig zeigt.

Das Profil sorgt auch im Winter für den nötigen Halt. Liegen Schnee und Matsch auf der Straße, ist es außerdem ratsam, etwas Luft aus den Reifen zu lassen, um die Kontaktfläche zu vergrößern. Auf der Felge solltest du aber natürlich nicht herumrollen, das macht das Laufrad kaputt.

Winterreifen zeichnen sich durch ein tieferes Profil und größere Rutschfestigkeit aus. Wer nicht das gesamte Rad umrüsten möchte, oder selten bei Nässe aufs Bike steigt, kann auch nur den Vorderreifen wechseln und damit sein Fahrrad winterfest machen.

Denn dadurch, dass auf dem Hinterrad mehr Gewicht lastet, hat es auch besseren Grip. Nur beschleunigen solltest du dann behutsam, damit das Laufrad nicht durchdreht oder wegrutscht.

Reifen mit Spikes bieten Radfahrern im Winter auf Eis satte Kontrolle, machen auf eis- und schneelosen Oberflächen aber (nervige) Laufgeräusche. Die kleinen Stifte ragen 1,5 Millimeter aus dem Gummi und das ist bei Fahrradreifen, anders als bei Autoreifen, erlaubt. Du musst lediglich darauf achten, dass diese Reifen auch mit deinen Felgen kompatibel sind. Hersteller wie Schwalbe haben einige Reifen dieser Art im Angebot.

Tipp: Radfahren mit Spikes erfordert ein wenig Vorbereitung. Bevor du mit Spikes auf Schnee fährst, musst du die Reifen 30 Kilometer auf Asphalt einfahren, damit die Spikes an der richtigen Stelle eingebettet werden.

Schutzbleche bei Schnee

Wer sein Fahrrad zum Pendeln im Winter nutzt, möchte auch bei Schnee und Matsch sauber vom Fahrrad steigen. Während der warmen Jahreszeit können besonders bei regennasser Fahrbahn ebenso Dreck und Schmutz direkt vor dem Fahrradfahrer in die Luft fliegen. Ein Schutzblech hat also das ganze Jahr über Vorteile.

Fest montierte Schutzbleche sind für den Alltagsbetrieb deines Fahrrads die erste Wahl. Die meisten E-Bikes und Cityräder kommen mit einem Schutzblech, sportlicher orientiert Fahrräder müsst du oft aufrüsten.

Wenn am Rahmen oder an der Gabel Befestigungsmöglichkeiten vorhanden sind, lohnt es sich, in ein fest montiertes Schutzblech zu investieren, das nah am Reifen liegt. Das hintere Schutzblech ist etwas länger als das vordere und benötigt meist zwei Kontaktstellen zum Rahmen. Sitzt das Blech zu locker und berührt bei Erschütterungen den Reifen, kannst du Schutzblechstreben anbringen.

Sportliche Fahrradfahrer bevorzugen flexible Stecksysteme, die sie je nach Bedarf wieder abnehmen können. Besonders bei Mountainbikes und Rennrädern erfreut sich diese Lösung großer Beliebtheit.

Wenn dein Fahrrad keine Möglichkeit bietet, ein Schutzblech fest zu montieren, kann ein flexibles Stecksystem dich ebenso vor Schmutz schützen. Abnehmbare Schutzbleche lassen sich werkzeuglos montieren.

Tipp: Damit ein Schutzblech seiner Funktion nachkommt, muss es um einige Millimeter breiter als der Reifen sein und den Mantel links und rechts überdecken. Ein 55 Millimeter Schutzblech sollte man bis zu einer Reifenbreite von maximal 50 Millimetern verwenden.

Fahrradkette im Winter

In einem unserer Artikel haben wir uns bereits der Pflege von Fahrradketten gewidmet, denn natürlich solltest du die Kette das ganz Jahr über reinigen und schmieren. Bei Kälte und Nässe wird die Kette aber besonders beansprucht und kann bei mangelnder Pflege Schaden nehmen. Gestreutes Salz setzt sich im Winter zwischen den Gliedern fest und du solltest es regelmäßig entfernen.

Wie oft soll ich meine Kette reinigen?

Theoretisch wäre es am besten, die Kette nach jeder Fahrt zu reinigen. Praktisch machen das aber die wenigsten. Die Kette hält den Dreck auch einige Zeit aus, während andere Komponenten des Fahrrads, die mit der Kette in Verbindung stehen, schneller Schaden nehmen. Wer das Fahrrad regelmäßig benutzt, sollte aber zumindest einmal pro Woche die Kette gründlich reinigen.

Welches Öl soll ich benutzen?

Es gibt eine Reihe von Herstellern, die Öle für nasse und kalte Verhältnisse auf den Markt gebracht haben. Mit einer Flasche kommst du problemlos durch den Winter. Wichtig ist, dass du kein Kettenöl für den Sommer anwendest, denn diese Öle sind für eine trockene und staubige Fahrbahn ausgerichtet.

Gefrorene Bremszüge und Schaltzüge

Nicht nur Autofahrer werden morgens von winterlichen Temperaturen geplagt, Fahrradfahrer haben ähnliche Probleme. Doch während Autobesitzer die Scheiben abkratzen und das Auto heizen können, musst mit dem Fahrrad sorgsamer umgehen.

Auch wenn das Fahrrad unter einem Unterstand steht und Schnee oder Regen nicht direkt ausgesetzt ist, können vor allem die Züge durch die Kälte vereisen.

Dann lassen sich die Bremshebel nicht mehr ziehen und die Gangschaltung steckt fest, bis das Fahrrad wieder in einer warmen Umgebung steht. In diesem Fall gibt es leider keine schnelle Lösung, denn kein Enteiser-Spray kommt an die Stellen heran, an denen die Züge gefroren sind. Du solltest das Fahrrad erst einmal in einen warmen Flur oder in die Wohnung stellen, um die gefrorenen Stellen aufzutauen.

Vorbeugend kannst du die Bowdenzüge mit säurefreiem Fett schützen, denn wo Fett ist, kann kein Wasser hin. Dafür muss kein teures Spezialfett an die Züge, sondern nur ein wenig Vaseline. Wenn du schon die Züge aus den Hüllen ziehst, kannst du bei dieser Gelegenheit auch die Hüllen auf Löcher, die Feuchtigkeit eindringen lassen, überprüfen.

Fährst du mit hydraulischen Bremsen, musst du dir keine Sorgen machen. Diese sind bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad einsatzbereit.

Tipp: Bei großen Temperaturschwankungen bildet sich Kondenswasser in den Hüllen, das gefrieren kann. Im Optimalfall stellst du dein Fahrrad in einer trockenen und gemäßigten Umgebung ab.

Gefrorene Fahrradschlösser

Fallen die Temperaturen tief unter den Gefrierpunkt, kann auch das Schloss an deinem Fahrrad einfrieren. Diesem Problem kannst du in der Regel mit Enteiser-Spray beikommen. Funktioniert auch das nicht, erhitze deinen Schlüssel etwas und führe ihn in das Schloss ein, damit es von innen warm wird. Diese Maßnahme solltest du aber nur in Ausnahmefällen ergreifen, da sie das Schloss beschädigen kann.

Sattelhöhe

Im Winter kann es sinnvoll sein, die Sattelhöhe beim Radfahren um etwa drei Zentimeter zu verringern. Kommt das Fahrrad bei starkem Wind oder rutischigem Untergrund ins Schlingern, hast du schneller Kontakt zum Boden und kannst einen Sturz abwenden.

Einen Ausgangspunkt für die Sattelhöhe kann die Fersenmessung schaffen. Sitzt du auf dem Sattel und trittst mit der Ferse auf das Pedal, sollte dein Knie durchgestreckt sein.

Nach der Fahrt ist vor der Fahrt

Beobachtungen der Branche zeigen, dass der Trend zum ganzjährigen Fahren steigt und immer mehr Fahrräder winterfest gemacht werden. Besonders Pendler sind auf ein fahrtüchtiges Bike im Winter angewiesen.

Kleine Maßnahmen wie das Fahren mit Minimaldruck und die Anschaffung passender Fahrradbeleuchtung können die Sicherheit beim Radfahren erhöhen und ein gutes Fahrgefühl bei widrigen Bedingungen schaffen.

Investitionen wie Winterreifen und Schutzbleche sorgen für Fahrspaß bei Schneematsch und Temperaturen jenseits des Gefrierpunktes und halten mehrere Jahre durch. Es lohnt sich auf jeden Fall, in die Ausrüstung deines Fahrrads zu investieren, denn der nächste Winter kommt bestimmt.