Bekleidung

Funktionswäsche – alles, was du wissen musst

Funktionswäsche – alles, was du wissen m...

28.04.2021 - Update: 16.06.2021

Funktionswäsche – alles, was du wissen musst

Was ist Funktionskleidung?

Funktionskleidung wird immer für einen bestimmten Zweck konzipiert und kommt in den verschiedensten Bereichen zum Einsatz: als medizinische Kleidung im OP, Schutzkleidung im Labor oder eben als Sportbekleidung. Hier übernimmt Funktionswäsche als Kleidungsschicht direkt auf der Haut die Aufgabe der Feuchtigkeits- und Temperaturregulierung. Sie ist nicht nur für professionelle Radsportler gedacht, auch Alltagsfahrer und Pendler profitieren von einem angenehmen und trockenen Klima.
Funktionswäsche besteht meistens aus Kunstfaser oder Merinowolle, beide Materialien bringen Vor- und Nachteile mit sich: 

Kunstfaser

Kunstfasern wie Polyester, Polyamid oder Polypropylen sind atmungsaktiv und wasserabweisend. Als erste Schicht bietet Funktionswäsche aus Kunstfaser zwei entscheidende Vorteile: Sie transportiert Feuchtigkeit zuverlässig nach außen und trocknet zügig. Darüber hinaus nutzen sich die strapazierfähigen Kunstfasern nicht so schnell ab wie Wolle. Was die Geruchsbildung betrifft, kann Funktionswäsche aus Kunstfaser jedoch nicht mit geruchshemmenden Naturmaterialien wie Merinowolle mithalten.

Merinowolle

Merinowolle riecht neutral, bietet eine gute Wärmeisolation, nimmt Feuchtigkeit auf und leitet diese an äußere Schichten weiter. Ist die Faser nass, bleibt sie warm, womit sich Merinowolle besonders für das Radfahren an kalten und nassen Tagen eignet. Das Naturprodukt ist zudem schmutzresistent und wirkt auf natürliche Weise antibakteriell.
Im Vergleich zur Kunstfaser ist Merinowolle jedoch empfindlicher und teurer und benötigt etwas mehr Zeit zum Trocknen.

Worauf solltest du beim Kauf achten?

Hautgefühl und Passform

Da Funktionsunterwäsche direkt mit der Haut in Berührung kommt, sollte sich der Stoff angenehm weich anfühlen, nicht reiben oder kratzen. Außerdem sollte sie passen, zwar eng anliegen, aber nicht zwicken.

Funktionseigenschaften

Eines muss Funktionswäsche im Winter immer: dich warm und trocken halten, egal bei welchem Schmuddelwetter und wie schnell oder langsam du unterwegs bist. Bei besonders kalten Temperaturen machen langärmelige Unterhemden und lange Unterhosen Sinn.

Verarbeitung

Grundsätzlich solltest du auf eine hochwertige Verarbeitung achten. Nahtlos verarbeitete Kleidungsstücke (Seamless Underwear) oder solche mit flachen Nähten schonen die Haut und verhindern ein Reiben und Scheuern. Das gilt besonders für gepolsterte Funktionsunterhosen, wie sie Mountainbiker unter ihren weiten Shorts tragen – sie sollten möglichst ohne Nähte auskommen und so unnötige Druckstellen verhindern. Auch Sport-BHs müssen Feuchtigkeit zuverlässig nach außen transportieren. Dünne Netzstoffe im Bereich zwischen und über den Schalen oder am Rücken verbessern den Luftaustausch.

Der Umwelt zuliebe: Merinowolle oder Kunstfaser?

Wenn du Wert auf eine umweltschonende Herstellung legst, solltest du beim Kauf auf qualifizierte Label achten. Grundsätzlich lässt sich nicht sagen, ob Kunstfaser oder Merinowolle nachhaltiger ist. Um Funktionswäsche aus Kunstfasern herzustellen, kommen oft verschiedene Chemikalien zum Einsatz, und auch der hohe Energiebedarf ist nicht zu vernachlässigen. Aber auch Merinowolle hat Nachteile: Sie erfreut sich immer größerer Beliebtheit, was dazu führt, dass Merinoschafe in Massen gehalten und durch Züchtung „optimiert“ werden. Worauf du daher unbedingt achten solltest, ist ein Hinweis, dass die Merinowolle ohne „Mulesing“ hergestellt wurde. Als „Mulesing“ bezeichnet man das Entfernen von überschüssigen Hautfalten rund um den Schwanz von Schafen – und das ohne Betäubung. Häufig wird dieses Verfahren in Australien und Teilen Neuseelands angewendet, um die Tiere vor einem Fliegenbefall zu schützen. Mulesing ist für die Tiere sehr schmerzhaft.
Was auf jeden Fall nachhaltig ist: Wenn du deine Funktionswäsche gut pflegst und möglichst viele Jahre lang benutzt, anstatt dir ständig neue Sachen zu kaufen.

Funktionswäsche im Winter – und was ziehe ich darüber an?

Im Winter fahren Radfahrer mit dem altbewährten Zwiebelprinzip am besten. So kannst du die Kleidung schnell anpassen und ein Kleidungsstück ausziehen, wenn es zwischendurch mal ein bisschen wärmer werden sollte. Wenn es sehr kalt ist, bietet sich ein Radunterhemd mit langen Ärmeln an. Darauf folgt ein langärmeliges Oberteil und, je nach Wind und Wetter, eine Softshell-, Hardshell- oder Regenjacke. An den Beinen halten dich eine lange Unterhose und eine lange Radhose warm, wobei für den sportlichen Einsatz eines von beidem mit einem Polster ausgestattet sein sollte. Bei Bedarf kommen dann noch Mütze, Handschuhe und Beinlinge oder Knielinge dazu.

Tipps zur richtigen Pflege 

Damit dir deine Funktionsunterwäsche und -bekleidung lange erhalten bleibt, solltest du bei der Pflege folgende Tipps beachten:

Der richtige Waschgang

Funktionswäsche kannst du meist bei 30 bis 40 Grad in der Waschmaschine reinigen. Manche Kleidungsstücke aus Polyester oder kombinierten Materialien vertragen sogar höhere Temperaturen, wie die Unterhemden und Unterhosen vonWoolpower, die Merinowolle, Polyester, Polyamid und Elasthan vereinen. Reine Merinowolle wäscht du am besten mit einem Feinwaschmittel bei 30 Grad, du solltest sie in der Waschmaschine nicht zu sehr schleudern lassen.

Weichspüler strapaziert die Kleidung und ist schlecht für die Umwelt

Gibst du deine Funktionsunterwäsche in die Waschmaschine, solltest du auf Weichspüler verzichten. Die meisten herkömmlichen Weichspüler enthalten Tenside, die wasser- und winddichte Membranen strapazieren und die Oberflächenspannung von Materialien wie Merinowolle reduzieren können. Damit nimmt Weichspüler auf Dauer nicht nur die Optik, sondern auch die Funktion deiner Sportkleidung ganz schön mit. Auch aus ökologischer und gesundheitlicher Sicht kannst du getrost auf Weichspüler verzichten, da sich die enthaltenen Duft- und Farbstoffe oft nicht aus den Abwässern herausfiltern lassen und einige der oft verwendeten Inhaltsstoffe im Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

Sanft trocknen

Jage deine Funktionswäsche nicht durch den Trockner, da das ihre Fasern unnötig strapaziert und die Atmungsaktivität verringern kann. Damit sie nicht an Funktion und Form verliert, lässt du deine Sportbekleidung am besten an der frischen Luft trocknen – im Schatten, da Sonneneinstrahlung schnell für unschöne Verfärbungen sorgt. Ob du deine Sportbekleidung und Funktionsunterwäsche an die Wäscheleine hängen oder auf den Wäscheständer legen solltest, ist von Kleidungsstück zu Kleidungsstück unterschiedlich und von den verwendeten Materialien abhängig. Achte hier am besten auf die Pflegehinweise des Herstellers.

Fazit

Funktionswäsche reguliert deine Körpertemperatur, lässt deine Haut atmen und leitet die Feuchtigkeit nach außen. An eisigen Wintertagen hält dich kuschelige Merinowolle oder isolierende Funktionswäsche aus synthetischen Fasern warm. Eine nahtlose Verarbeitung erhöht den Tragekomfort. Wer seine Funktionswäsche dann noch pfleglich behandelt, ist langfristig für alle Fälle gewappnet, kann auf dem Bike das ganze Jahr über sportlich unterwegs sein – und Wind und Wetter den Kampf ansagen!