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Musik hören auf dem Fahrrad: Was ist erlaubt?

Musik hören auf dem Fahrrad: Was ist erl...

26.04.2021 - Update: 16.06.2021

Musik hören auf dem Fahrrad: Was ist erlaubt?

Die Lieblingsmusik per Handy auf die Ohren, rauf aufs Rad und los geht die Fahrt. Schließlich bekommt man bei guter Musik auch schnell gute Laune und die Fahrt macht gleich doppelt so viel Spaß.

Doch darf man auf dem Fahrrad überhaupt Musik hören oder telefonieren? Gibt es Ausnahmen? Wer haftet, wenn mit Stöpseln in den Ohren und/oder Handy in der Hand ein Unfall passiert? Wir geben dir Antworten auf die wichtigsten Fragen und zeigen auf, mit welchen Bußgeldern du gegebenenfalls rechnen musst.

Darf ich auf dem Fahrrad Musik hören?

Über die Frage, ob Musik hören auf dem Fahrrad erlaubt ist, kursieren viele Meinungen und Gerüchte. Die einen sagen, es sei mit einem Kopfhörer im Ohr erlaubt, andere wiederum sind der Meinung, es sei ganz verboten. Richtig ist: Die Lautstärke ist entscheidend!

Wer über Handy Musik oder Podcasts auf dem Fahrrad hört, muss seine Umgebung wahrnehmen und zum Beispiel auf Sirenen von Polizei, Krankenwagen oder Feuerwehr jederzeit reagieren können.

Solange dein Gehör nicht beeinträchtigt ist, darfst du also beruhigt auf dem Rad leise Musik hören. Ob In- oder Over-Ear-Kopfhörer spielt dabei keine Rolle.

Wichtig ist, dass du akustische Signale wahrnehmen kannst. Eine Noise-Cancelling-Funktion sollte am Kopfhörer daher nicht vorhanden sein. Bedienen darfst du die Kopfhörer nur über eine Sprachsteuerung, da beide Hände am Lenker zu halten sind. Lautsprecher darfst du unter den gleichen Voraussetzungen ebenfalls auf dem Rad mitnehmen.

Kannst du im Verkehr wegen Musik und Kopfhörern jedoch nicht auf Warnsignale oder das Klingeln anderer Leute reagieren, droht dir möglicherweise ein Bußgeld in Höhe von 15 Euro, da die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet ist und du eine Gefährdung darstellst.

Eine Gefährdung liegt beispielsweise dann vor, wenn hinter dir jemand klingelt und du nicht reagieren kannst, weil die Musik lauter ist als der Klingelton. Gleiches gilt auch, wenn du Auto-Hupen oder die Aufforderungen über den Lautsprecher des Polizeiwagens nicht hören kannst und daher nicht reagierst.

Bei lauter Musik vom Handy ohne Gefährdung musst du trotzdem noch mit einem Bußgeld von 10 Euro rechnen. Zwar ist es schwer, ohne Gefährdung nachzuweisen, dass der Geräuschpegel auf den Ohren zu laut ist. Es handelt sich aber dennoch um eine Ordnungswidrigkeit, und im Zweifel liegt es an dir, nachzuweisen, dass die Musik eben doch nicht zu laut war.

Sollte es zu einem Unfall kommen, während du Musik mit großer Lautstärke hörst, kann es passieren, dass du eventuelle Ansprüche auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld verwirkst.

Außerdem kann dir, trotz der für Autos generell geltenden Betriebsgefahr, die volle Schuld zugesprochen werden. Diese gilt normalerweise laut § 7 StVG für Kfz und bedeutet, dass der Halter eines Fahrzeuges für Schäden, die anderen Personen durch dieses entstehen, voll haftet. Auch wenn er den Schaden nicht einmal selbst verursacht hat.

Darf ich mein Handy auf dem Fahrrad benutzen?

Viele werden es kennen: Man möchte schnell los, muss noch was Wichtiges besprechen und versucht daher, die WhatsApp-Nachrichten einfach auf dem Bike zu beantworten. Wer hierbei jedoch mit dem Handy in der Hand erwischt wird, dem kommt diese Art der Kommunikation teuer zu stehen.

Nach dem aktuellen Bußgeldkatalog (2020) kostet es 55 Euro, wenn man verbotenerweise ein Smartphone auf dem Fahrrad benutzt. Dies gilt für das Texten ebenso wie fürs Musik auswählen oder Telefonieren mit dem Handy in der Hand. Auch wenn du das Handy in der Hand hältst, um zu navigieren, musst du dich auf ein Bußgeld in Höhe von 55 Euro gefasst machen. 

Du merkst, wichtig ist, wo sich die Hände während der Fahrt befinden – und die gehören an den Lenker. Beide. Ein Smartphone in der Hand lenkt dich nicht nur ab, sondern verhindert auch, dass du, wenn nötig, schnell auf den Straßenverkehr reagieren kannst.

Auch an einer roten Ampel ist es im fließenden Straßenverkehr nicht erlaubt, mal eben schnell das Smartphone herauszuholen, um etwas einzutippen oder auszuwählen. Am besten hältst du dafür an und steigst ab.

Telefonieren und Musik hören auf dem Fahrrad: Was ist erlaubt? 

Wie auch bei der Musik gilt: Du darfst mit Kopfhörern oder über ein Headset telefonieren, wenn du trotz der Lautstärke deine Umgebung wahrnehmen und auf den Straßenverkehr reagieren kannst.

Wichtig ist, dass du das Gerät vollständig in der Tasche lässt. Schnell einen Kontakt auswählen oder etwas antippen darfst du nicht. Über Sprachassistenten kannst du jedoch zum Beispiel Anrufe annehmen.

Wenn du dein Smartphone als Navi verwenden möchtest, darfst du es an einer Halterung am Lenker anbringen. Sei aber auch hier besonders vorsichtig, da der Blick aufs Display auch dann vom Verkehrsgeschehen ablenken kann, wenn das Smartphone in einer Lenkerhalterung steckt.

Die beste Option, wenn man unterwegs auf dem Fahrrad den Weg suchen, einen Anruf tätigen oder Musik hören möchte, ist, kurz anzuhalten, abzusteigen und das Handy dann erst zu bedienen. So kannst du dich voll und ganz auf den Straßenverkehr konzentrieren und bringst dich selbst und andere nicht in Gefahr.

Übersicht über die wichtigsten Bußgelder und Einschränkungen

  • laute Musik ohne Gefährdung: 10 Euro
  • laute Musik mit Gefährdung: 15 Euro
  • Unfall durch laute Musik: keine/geringere Ansprüche auf Schadensersatz, Schuld oder Mitschuld am Unfall trotz Kfz-Betriebsgefahr
  • Smartphone-Nutzung auf dem Fahrrad: 55 Euro