Werkstatt & Wartung

Fahrradschlauch wechseln: So schaffst du es

Fahrradschlauch wechseln: So schaffst du...

24.04.2021 - Update: 16.06.2021

Fahrradschlauch wechseln: So schaffst du es

Aufpumpen zwecklos. Der Fahrradschlauch ist defekt. Ein Platten kommt immer zum falschen Zeitpunkt. Doch besonders ärgerlich ist er, wenn die nächste Werkstatt zu weit entfernt zum Schieben ist oder geschlossen hat. Dann musst du selbst ran, wenn die Fahrt damit nicht beendet sein soll.

Einen Schlauchwechsel durchzuführen, ist mit unseren Tipps und dem richtigen Werkzeug nicht schwer. Wir zeigen dir Schritt für Schritt, wie du den Schlauch ganz leicht austauschen kannst.

Fahrradschlauch wechseln: So geht’s!

Um einen Fahrradschlauch zu wechseln, benötigst du folgendes Werkzeug:

  • Ersatzschlauch
  • Reifenheber
  • Luftpumpe
  • Ggf. Gabel-/Maulringschlüssel (meist einer mit einer Schlüsselweite von 15 Millimetern), Inbus- oder Knochenschlüssel

Ersatzschlauch und Luftpumpe sind Pflicht. Auch Reifenheber sind zu empfehlen, um den Reifen von der und anschließend wieder auf die Felge zu bekommen. Theoretisch ist ein Schlauchwechsel zwar auch ohne entsprechende Werkzeuge möglich, allerdings brauchst du dafür mehr Kraft - und manche Mäntel sind ziemlich störrisch.

Ob du einen Schlüssel benötigst, hängt davon ab, wie das Laufrad im Rahmen befestigt ist. Steckt ein Schnellspanner drin, lässt es sich ohne weiteres Werkzeug ausbauen. Hält eine Steckachse das Laufrad im Rahmen, musst du zunächst die Mutter und die Sicherung lösen, um es demontieren zu können.

Fahrradschlauch wechseln, Schritt 1: Laufrad demontieren

Um den Fahrradschlauch zu wechseln, musst du zunächst das betroffene Laufrad demontieren. Stelle das Fahrrad hierzu auf Lenker und Sattel oder hänge es in einen Montageständer ein (Vorsicht, Carbonrohre/-sattelstützen nicht klemmen!), damit die Laufräder frei zugänglich sind.

Öffne den Schnellspannhebel oder löse die Steckachsenmuttern, um die Schrauben zu entfernen, mit der das Laufrad in der Gabel befestigt ist. 

Beim Hinterradausbau: Kette und Bremse lockern

Hat dein Hinterrad einen Platten, musst du zunächst die Kette lockern. Dann tust du dir mit dem Aus- und Wiedereinbau leichter.

Schalte dazu hinten in den höchsten Gang, damit die Kette auf das kleinste Ritzel wandert. So weißt du später auch gleich, wo du die Kette beim Einbau hinlegen musst.

Wir empfehlen dir außerdem, die Kette auch vorn auf das klein(st)e Kettenblatt zu setzen. Das gibt ihr mehr Spielraum und erleichtert dir den Aus- und Einbau des Hinterrads noch mal ein wenig.

Je nachdem, mit welcher Bremse dein Fahrrad ausgestattet ist, kann es notwendig sein, diese zu öffnen oder auszuhängen, bevor du das Hinterrad herausnehmen kannst. Felgenbremsen stehen zu eng, um Laufrad samt Reifen hindurch zu bugsieren. 

Das Öffnen geht bei manchen Modellen (z. B. von SRAM, Shimano) mittels eines kleinen Hebels am Bremskörper, andere (bspw. Campagnolo) haben einen kleinen Riegel am Bremsschaltgriff, bei manchen musst du auch eine Schraube lösen (z. B. Cantilever-Bremsen) oder den Bremszug aushängen (bspw. V-Brakes).

Bei Scheibenbremsen kannst du dir diesen Schritt sparen. Lege aber ein Stück dünnen Karton oder eine spezielle Transportsicherung für Scheibenbremsen in den Bremssattel. Sonst könnte er sich zuziehen und die beiden Flächen sind dann nur sehr schwer wieder auseinanderzubekommen.

Schritt 2: Luft ablassen

Es ist leichter, Mantel und Schlauch zu entfernen, wenn die Luft komplett aus dem Reifen gelassen ist. Wie du sie ablässt, ist vom verbauten Ventil abhängig. Es gibt hauptsächlich drei Varianten.

Bei einem französischen Ventil (auch Sclaverand- oder Presta-Ventil) oder einem Dunlop-Ventil kannst du die Luft ohne weiteres Werkzeug ablassen. Beim Auto- oder Schrader-Ventil benötigst du einen dafür vorgesehenen Pumpenkopf, einen Metallstift oder einen ähnlichen Gegenstand, um die Luft aus dem Reifen zu bekommen.

Französisches Ventil oder **Sclaverand-Ventil**

Diese Variante kommt häufig bei Rennradschläuchen zum Einsatz. Hier drehst du die Ventilkappe ab, lockerst die Rändelmutter durch Drehen und drückst dann auf den Ventilkopf, damit die Luft entweicht.

Fahrrad- oder Dunlop-Ventil

Bei einem Fahrradventil (Dunlop-Ventil) wird die Ventilkappe abgedreht und die Überwurfmutter gelockert, um Luft abzulassen.

Auto- oder Schrader-Ventil

Das Auto- oder Schrader-Ventil ist häufig an MTB-Schläuchen zu finden. Um die Luft abzulassen, nimmst du die Ventilkappe ab und drückst den Stößel im Inneren des Ventils mit geeignetem Werkzeug herunter. Das kann ein für Schrader-Ventile geeigneter Pumpenkopf, ein Manometer oder ein Metallstift sein.

Schritt 3: Reifenmantel und Schlauch entfernen

Nun wird der Reifenmantel von der Felge getrennt. Hierfür verwendest du am besten zwei Fahrradreifenheber. Wir empfehlen, Metallwerkzeuge zu vermeiden und nach Möglichkeit auf Reifenheber aus Kunststoff zurückzugreifen, um Mantel und Felge nicht zu beschädigen.

  • Führe den ersten Heber neben dem Ventilloch zwischen Mantel und Felge und lass das erste Stück des Mantels durch die Hebelwirkung herausspringen. Den ersten Heber lässt du an Ort und Stelle.
  • Dann setzt du den zweiten Heber ein Stück daneben an und fährst mit ihm einmal rund um den Reifen. Alternativ kannst du den zweiten Heber auch immer ein Stück versetzen, ihn wieder nach unten drücken, versetzen usw. Im Notfall kannst du den Reifen auch mit den Händen abziehen – das kostet dich allerdings einiges an Kraft. 
  • Danach kannst du den Fahrradschlauch herausziehen und den Mantel von der Felge nehmen. Tipp: Lass den Reifen auf einer Seite in der Felge, dann geht das Wiederaufziehen einfacher und schneller.
  • Den Mantel und das Felgenbett solltest du auf Steine, Dornen und andere Fremdkörper untersuchen und diese entfernen, damit der neue Fahrradschlauch nicht bereits nach kurzer Zeit wieder kaputtgeht. 

Schritt 4: Schlauch in den Mantel legen

Dieser Schritt kostet beim ersten Schlauchwechsel oft etwas Zeit und Nerven. Wir empfehlen dir, dich an einem geeigneten Youtube-Video zu orientieren.

  • Hast du den Reifen komplett abgezogen, setzt du zuerst nur eine Seite des Reifens wieder in das Felgenbett, sodass der Fahrradschlauch von der anderen Seite eingeführt werden kann. Hierzu drückst du eine Mantellippe rund um den Reifen unter das Felgenhorn. Hast du den Reifen nur halb demontiert, kannst du dir diesen Schritt sparen.
  • Dann nimmst du den neuen Schlauch und schraubst die abnehmbaren Komponenten des Ventils (Ventilkappe, Mutter, Sicherheitsring) ab, sodass du es in das Ventilloch an der Felge einfädeln kannst.
  • Nun pumpst du den neuen Schlauch gerade so weit auf, bis er eine kreisförmige Grundform annimmt. Viel hilft nicht immer viel: Wenn du zu viel Luft hineingibst, gestaltet sich der anschließende Einbau deutlich schwieriger. Der Schlauch sollte zwar rund sein, sich jedoch noch nicht ausdehnen. Stecke das Ventil durch die dafür vorgesehene Öffnung in der Felge.
  • Verfügt das Ventil über einen Sicherungsring, kannst du diesen nun befestigen, um dem Schlauch zusätzlichen Halt zu geben. Dann legst du ihn einmal rund um den Reifen auf das Felgenbett. Anschließend legst du den Fahrradschlauch zwischen Fahrradmantel und Felge. Achte darauf, dass der Fahrradschlauch seine Form behält und nicht knickt.
  • Nun setzt du die noch 'lose' Seite des Reifens auf das Felgenbett. Drücke danach ausgehend vom Ventilschaft nach und nach je einen weiteren Teil des Fahrradmantels zurück unter das Felgenhorn. Pass auf, dass du den Schlauch nicht klemmst! Kontrolliere das abschließend, indem du den komplett aufgezogenen Reifen rundum walkst, ihn also seitlich hin- und herbewegst, um zu sehen, ob der Schlauch zwischen Felge und Reifenwulst geraten ist. 

Tipp: Kommst du nicht voran, da die bereits hineingedrückten Teile wieder herausspringen? Versuche, dich nicht nur in eine Richtung zu bewegen. Befindet sich der Ventilschaft auf zwölf Uhr, setzt du die linke Hand auf elf Uhr und die rechte Hand auf 13 Uhr und drückst den Fahrradmantel dort hinein. Dann bewegst du dich symmetrisch, also mit der linken Hand je ein bis zwei 'Stunden' zurück und mit der rechten Hand ein bis zwei 'Stunden' vor.

  • Beim letzten Viertel kommst du meist ohne eine zweite Person, einen nicht zu unterschätzenden Kraftaufwand oder Reifenheber nicht weit. Setze den Heber so, dass er die Mantellippe greift, zwischen Fahrradmantel und Felge.
  • Ziehe dann die andere Seite des Hebers nach oben, quasi über den Mantel, um die Mantellippe unter das Felgenhorn zu stoßen. Eventuell brauchst du auch einen zweiten Reifenheber, um das letzte Stück Reifen mit beiden Händen bzw. Hebern über das Felgenhorn zu stemmen.
  • Ist der Fahrradmantel rundum eingerastet, drücke das Ventil einmal noch oben, in den Reifen hinein. Dadurch vermeidest du, dass sich der Schlauch im Felgenloch verklemmt und beim Aufpumpen kaputtgeht.
  • Pumpe den neuen Schlauch bis zum empfohlenen Reifendruck auf. Auf der Seitenwand des Reifens ist der maximale Reifendruck in Bar angegeben. Mit einem Manometer kannst du sehen, wie weit der Reifen mit Luft befüllt ist. Fahrradstandpumpen haben normalerweise eine integrierte Anzeige. Wir empfehlen, nach dem Aufpumpen erneut zu prüfen, ob der Fahrradmantel noch korrekt liegt.

Schritt 5: Laufrad montieren

Nun kannst du das Laufrad wieder montieren. Dieser letzte Schritt funktioniert im Prinzip wie der erste – nur eben andersrum. Zunächst solltest du prüfen, in welche Richtung das Laufrad eingesetzt werden muss. Auf dem Reifen ist oft die Abrollseite, die nach vorn zeigt, durch einen Pfeil gekennzeichnet.

Beim Vorderrad wird die Achse, die durch die Laufradnabe läuft, in die Ausfallenden der Gabel am Fahrradrahmen geführt. Sitzt das Laufrad in diesen Aussparungen, kannst du es mithilfe des Schnellspanners oder durch Montage der Sicherungen und Muttern wieder befestigen.

Das Hinterrad führst du mit der Kassette auf der rechten Seite, der Kettenseite, in Richtung Fahrradrahmen. Nun ziehst du den Schaltkäfig nach unten und legst den oberen Teil der Kette auf die Kassette.

Hast du vor der Demontage hinten in den höchsten Gang geschaltet, legst du die Kette wieder auf das kleinste Ritzel, also das äußerste Zahnrad. Dann bewegst du das Laufrad weiter in Richtung Rahmen, um die Achse in die dafür vorgesehenen Einsparungen zu befördern. Manchmal ist das etwas fummelig, lass dich nicht entmutigen.

Danach fixierst du das Laufrad mithilfe des Schnellspanners oder befestigst die Sicherungen und Muttern mit dem Maulschlüssel. Anschließend schließt du die Bremse wieder.

Wichtig: Überprüfe, ob das Laufrad sicher im Rahmen sitzt und sich schleiffrei und gerade dreht. Hebe dazu das Fahrrad, je nachdem wo der Platten war, vorn oder hinten (an Lenker oder Sattel) an, und schlage mit der flachen Hand auf den Reifen. Das Laufrad sollte fest sitzen. Schiebe dann das Laufrad mit der Hand an, sodass es sich in der Luft dreht und horche und schaue, ob es geschmeidig rotiert.

Fahrradschlauch: wechseln oder flicken?

Nicht immer musst du den Schlauch direkt wechseln, damit du mit deinem Fahrrad wieder auf Achse sein kannst. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, die beschädigte Stelle stattdessen zu flicken. Wir verraten dir, wann sich welche Methode lohnt.

Schlauch wechseln

Es gibt Beschädigungen, die nicht geflickt werden können. Befindet sich das Loch in der Nähe des Ventils oder handelt es sich eher um einen langen, linienförmigen Riss als um ein Loch, muss der Schlauch ausgetauscht werden.

Hat er viele kleine Löcher, weil du zum Beispiel über Glassplitter gerollt bist, kommst du mit einem Flicken ebenfalls nicht weit. Auch in diesem Fall solltest du den Schlauch wechseln.

Unterwegs ist es ebenfalls meist praktikabler und schneller, den Schlauch zu ersetzen, als mit Flickzeug zu hantieren.

Obwohl der Schlauch vom Mantel geschützt wird, kann auch er aufgrund von Umwelt- und Witterungseinflüssen mit der Zeit porös werden. Sind viele kleine Risse erkennbar oder entweicht die Luft nach dem Aufpumpen nach und nach immer wieder, solltest du den Schlauch wechseln.

Schlauch flicken

Insgesamt ist es günstiger und umweltfreundlicher, die beschädigte Stelle zu flicken, als den gesamten Schlauch zu ersetzen. 

Hat der Schlauch nur ein einziges kleines Loch, kannst du dieses ganz einfach mithilfe eines Flicksets verschwinden lassen. Wurde der Fahrradmantel von spitzen Steinen oder Splittern befreit, der beschädigte Bereich vor der Reparatur gesäubert und der Flicken ordnungsgemäß angebracht, kannst du an deinem geretteten Fahrradschlauch noch lange Freude haben. 

Willst du den Schlauch stattdessen also lieber reparieren, haben wir in unserem Ratgeber eine einfache Anleitung und Tipps zum Flicken für dich.

Fahrradschlauch in der Werkstatt wechseln

Wenn es sich nicht um einen Notfall handelt und der nächste Fahrradhändler nicht zu weit entfernt ist, kannst du den Fahrradschlauch für einen günstigen Preis auch in der Werkstatt wechseln lassen. Hier zahlst du, je nachdem welches Fahrrad du fährst und ob es sich um das Vorder- oder Hinterrad handelt, etwa 15 bis 30 Euro.

Generell wird für ein Hinterrad meist mehr verlangt als für ein Vorderrad, da hier Kette, Schaltkäfig und Ritzelpaket 'mit zu manövrieren' sind. Auch sind Laufrad- und Schlauchwechsel bei einem Hollandrad mit fest verbautem Mantelschoner aufwendiger und damit kostspieliger als bei anderen Rädern.

Nimmst du die Reparatur selbst in die Hand, kommst du mit Materialkosten von etwa sieben Euro deutlich günstiger weg. Dennoch ist der Zeitaufwand beim ersten Versuch nicht zu unterschätzen.

Aber wir garantieren dir: Beim nächsten Mal gelingt der Wechsel schon schneller und einfacher! Willst du die nächste Reparatur möglichst lange hinauszögern, kannst du übrigens auch in sogenannte unplattbare Reifen mit maximaler Pannensicherheit und verlängerter Lebensdauer investieren.