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Lastenrad: welches passt zu mir?

Lastenrad: welches passt zu mir?

23.04.2021 - Update: 16.06.2021

Lastenräder sind vielseitig und können im Alltag oft das Auto ersetzen, vor allem, wenn du in der Stadt wohnst. Du kannst ein sogenanntes Cargobike nutzen, um deine Kinder von der Schule abzuholen, um auch größere Einkäufe und Getränkekisten nach Hause zu bringen oder um deinen Vierbeiner auch dann mitnehmen zu können, wenn die Strecke für ihn zu weit oder zu gefährlich zum Laufen ist. Und: Du schonst damit die Umwelt.

Für wen ist ein Lastenrad interessant?

Wie jede andere Fahrradgattung auch, ist ein Cargobike nicht für jeden die richtige Wahl. Wer auf dem Land lebt, wo der Arbeitsplatz oder der nächste Supermarkt viele Kilometer entfernt liegt, oder wem es um sportlich-schnelles Vorankommen auf dem Rad geht, der wird mit einem Lastenrad nicht glücklich werden. Ein guter Begleiter kann es aber sein für:

Familien

Das Lastenfahrrad ist ein tolles Familienrad. In manchen Modellen können bis zu vier Kinder mitfahren. Genug Platz, um den Nachwuchs damit komfortabel in den Kindergarten, die Schule oder zum Sport zu bringen. Ohne lästige Parkplatzsuche und umweltschädliche Abgase. 

Umweltschützer und Visionäre

Lastenfahrräder senken die mit der Autonutzung verbundenen Klimagasemissionen, da sie emissionsfrei fahren. Außerdem trägst du mit der Nutzung eines Cargobikes dazu bei, die negativen gesundheitlichen Auswirkungen von Schadstoffen in der Luft einzudämmen und die Luftqualität zu verbessern. Wer in eine nachhaltige Zukunft investieren möchte, ist mit diesem Bike an der richtigen Adresse.

Stadtbewohner

Stadtbewohner sind mit einem Lastenrad oft schneller unterwegs als mit dem Auto. Sie können auf Radwege ausweichen und können Einbahnstraßen oft gegen die Fahrtrichtung be- und lästige Staus umfahren. Auch die Parkplatzsuche gestaltet sich selbst in der Innenstadt mit einem Cargobike deutlich entspannter als mit einem Pkw.

Mehr darüber, für wen sich ein Transportrad lohnt und wie viel Geld du jedes Jahr gegenüber einem Pkw damit einsparen kannst, erfährst du in unserem Vergleich zwischen Lastenrad und Auto.

Lastenrad-Modelle

Lastenrad ist nicht gleich Lastenrad. Es gibt verschiedene Modelle, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Ein Überblick über die gängigsten Varianten.

Trike

Das Trike hat seinen Namen seinen drei Rädern zu verdanken: zwei vorn, eins hinten. Zwischen den beiden Vorderrädern befindet sich eine Kiste, in der sich Einkäufe transportieren lassen.

Long John oder Frontloader

Dieses zweirädrige Cargobike zeichnet sich durch einen verlängerten Radstand aus. Der Abstand von der Aufstandsfläche des Vorderrades und der des Hinterrades ist also größer. Zwischen Lenker und dem nach vorn gerückten Vorderrad befindet sich eine Ladefläche. Diese liegt auf dem verlängerten Unterrohr auf, das zur Gabel führt und bis zum Vorderrad hinausragt. Das Vorderrad ist oft kleiner als das Hinterrad.

Backpacker oder Longtail

Der Backpacker ist länger als das Standardbike und mit einem stabilen Gepäckträger für Lasten ausgestattet. Der Radstand ist nach hinten verlängert. Dadurch ist die Ladefläche hinter dem Sitz - und größer als bei einem herkömmlichen Bike. 

Bäcker- oder Postfahrrad

Hier befindet sich ein extra stabiler und meist etwas größerer Gepäckträger hinter dem Sitz oder vor dem Lenker. Auch gibt es Postfahrräder, die sowohl vorn als auch hinten mit einem Gepäckträger ausgestattet sind.

Vor- und Nachteile der Modelle

Typ Vorteile Nachteile
Trike hohe Ladekapazität
hohe Tragfähigkeit
Stabilität und Sicherheit beim Fahren
höheres Gewicht
sehr breit, was sich in Kurvenfahrten bemerkbar macht
schwierig aufzubewahren
Long John oder Frontloader hohe Ladekapazität
hohe Wendigkeit
Fahrverhalten unterscheidet sich kaum vom Standardbike
höheres Gewicht
sehr lang
schwierig aufzubewahren
Backpacker oder Longtail geringes Gewicht
hohe Wendigkeit
Fahrverhalten unterscheidet sich kaum vom Standardbike
ähnelt dem Standardbike optisch am stärksten
geringere Ladekapazität
Bäcker- oder Postfahrrad hohe Wendigkeit
oft die preisgünstigste Möglichkeit
Fahrverhalten unterscheidet sich kaum vom Standardbike
mittlere Ladekapazität
je nach Beladung gestalten sich Fahrten bergauf schwierig

Was gibt es in der Praxis zu beachten?

Ein Cargobike unterscheidet sich nicht nur optisch von einem normalen (Stadt-)Rad, sondern auch in puncto Zuladung und deren Sicherung, der sicheren Unterbringung kleiner Passagiere und dem Fahrverhalten. Das musst du wissen:

Zuladung und Sicherung

Zur Sicherheit solltest du das vom Hersteller angegebene Maximalgewicht nicht überschreiten. Außerdem solltest du darauf achten, die Transportgüter angemessen in der dafür vorgesehenen Kiste oder auf dem Gepäckträger zu verstauen und zu sichern, etwa mit Gurten oder einer zusätzlichen Abdeckung. So kannst du deine Fracht sicher ans Ziel bringen und andere Verkehrsteilnehmer schützen.

Mitnahme von Kindern

Auf Lastenrädern können bis zu vier Kinder mitfahren. In der Transportbox sollten Kinder bequem und sicher sitzen. Die Deutsche Verkehrswacht rät: „Sichere dein Kind bei jeder Fahrt mit einem Dreipunkt-Gurt. Du kannst dadurch vermeiden, dass es unerwartet aufsteht und sich verletzt.“

Fahr- und Lenkverhalten

Wie sich das Lastenrad fahren lässt, ist stark von seinen Proportionen und seinem Gewicht abhängig. Das Transportgut wirkt sich auf die Gewichtsverteilung aus.

Prinzipiell beeinflusst das erhöhte Gewicht das Fahr- und Bremsverhalten. Unter Beladung ist der Bremsweg länger, wobei sich Unterschiede vor allem dann bemerkbar machen, wenn du eine hohe Last mitführst.

Ein höheres Gewicht spiegelt sich auch in einem größeren Kraftaufwand beim Treten wider. Ist dein Fahrrad schwer beladen, macht sich dieser insbesondere beim Start an der Ampel bemerkbar.

Ein Trike ist breiter, der Frontloader wiederum deutlich länger als das Standardbike, weshalb es beim Fahren und Lenken ein paar Dinge zu beachten gibt.

Aufgrund der Überlänge ist der Wendekreis bei einem Frontloader und einigen Longtails deutlich größer als gewohnt. Beim Trike ist das Lenken allgemein schwieriger – als würde man ein Motorrad gegen ein Auto tauschen, das sich eben nicht ganz so gut in die Kurve legen kann. Als zweirädrige Varianten sind der Backpacker und das Postfahrrad wendiger, dafür ist die Ladekapazität geringer.

Welche Kriterien sollte ich beim Kauf beachten?

Ladekapazität und Fahreigenschaften

Vor dem Kauf solltest du dir überlegen, was du mit deinem Bike befördern willst.

  • Fahrverhalten: Je größer und schwerer, desto deutlicher unterscheidet sich das Lastenfahrrad vom Standardbike. Das Fahrverhalten verändert sich, die benötigte Kraft nimmt zu, die Parkplatzsuche ist schwieriger.
  • Nutzen: Grundsätzlich entscheidet das Transportgut darüber, welches Fahrrad für dich geeignet ist. Wer bequem drei oder vier Kinder mitnehmen möchte, braucht ein Lastenfahrrad mit einer geräumigen und gemütlichen Kiste. Hier eignen sich insbesondere Trikes und Frontloader. Das Postfahrrad ist hingegen nicht geeignet. Der Warentransport lässt sich wiederum mit allen Varianten gut bewerkstelligen.
  • Anstiege: Längere steile Anstiege sind (nicht nur) unter hoher Beladung kaum zu bewältigen. Für alle, bei denen es öfter mal bergauf und -ab geht, ist ein E-Lastenrad eine Überlegung wert.

Flexibilität

Willst du mit deinem Bike fast alles transportieren können, sind Varianten mit viel Stauraum und einer hohen Ladekapazität besser geeignet. Allerdings sind sie auf anderen Ebenen deutlich weniger flexibel: Je sperriger das Bike, desto schwieriger lässt es sich in den Fahrradkeller verfrachten, mal eben in der Stadt abstellen oder in anderen Verkehrsmitteln mitnehmen.

Besonders flexibel ist das sogenannte Convercycle – ein faltbares Fahrrad, das sich mit einem Handgriff von einem Citybike in ein Lastenrad und wieder zurückverwandeln lässt. Dieses wandelbare Bike hat mit je nach Modell knapp 2.000 bis gut 3.000 Euro jedoch seinen Preis. Preislich ähnlich liegen die Räder von XYZ Cargo, die sich mit sich änderndem Bedarf umbauen lassen.

E-Antrieb

Wer regelmäßig schwere Güter transportiert, kommt mit einem Elektromotor deutlich schneller voran. Ein E-Bike mit Mittelmotor macht es einfacher, bergauf zu fahren, da es den größten Drehmoment liefert. Der Verschleiß ist hier jedoch höher als bei anderen Motoren, da der Mittelmotor die Kette etwas stärker belastet.

Der höhere Preis für ein Pedelec ist natürlich nicht zu vernachlässigen. Wenn du mit einem Bike eher kurze Strecken zurücklegst oder du nur ab und zu deinen Hund mitnehmen oder Einkäufe nach Hause fahren möchtest, kannst du getrost zu einem herkömmlichen Lastenfahrrad greifen. 

Wie viel kostet ein Lastenrad?

Die Preise für Lastenfahrräder variieren stark und sind von der Art, den Ausstattungsmerkmalen und technischen Aspekten abhängig. Die günstigsten Cargobikes sind für einen Preis ab 600 Euro erhältlich. Dabei handelt es sich meist um Postfahrräder mit einem zusätzlichen Gepäckträger vor dem Lenker.

Wer auf der Suche nach einem Trike oder Frontloader mit hoher Ladekapazität ist, muss mit einem Preis von 1.000 bis 2.000 Euro rechnen. E-Lastenräder mit einem leistungsstarken elektrischen Antrieb sind ab 2.000 Euro zu haben.

Lohnt sich die Investition?

Es handelt sich zwar um viel Geld, dennoch lohnt sich die Investition in manchen Fällen. Wenn du darüber nachdenkst, das Auto in Zukunft stehen zu lassen, kannst du pro Jahr fast 6.000 Euro an laufenden Kosten sparen, wie unser Vergleich zwischen Lastenrad und Auto zeigt.

Dennoch sollte die Umstellung gut überlegt sein. Wenn du dir unsicher bist, ob sie sich lohnt, kannst du das Lastenfahrrad zunächst über Bikesharing-Angebote ausleihen und testen.

Förderungen für Lastenräder

Grenzwertüberschreitungen von Schadstoffen sind noch immer aktuell. Es erkennen aber immer mehr Städte das Potenzial von (E-)Cargos und die Zahl der Förderprogramme für Lastenräder wächst. Das Förderprogramm des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) legt seinen Fokus auf den gewerblichen Nutzen. Privatpersonen sind von diesem Programm ausgenommen.

Sie werden jedoch bei den Förderprogrammen der Städte und Bundesländer fündig. Wer eine Förderung erhält und wie hoch diese ist, bestimmt das jeweilige Förderprogramm.

In Bayreuth oder Beckum können sich zum Beispiel sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen den Kauf eines Lastenrads fördern lassen. Bei normalen Lastenrädern liegt die Förderung maximal bei 500 Euro, bei E-Lastenrädern bei 1.000 Euro.

Je nach Bundesland und Stadt sind die Fördersummen oft schnell verbraucht. Die Initiatoren starten jedoch immer wieder neue Förderrunden. Es lohnt sich also, regelmäßig einen Blick auf die Förderprogramme der einzelnen Bundesländer und Landkreise zu werfen.

Das richtige Lastenrad für dich

Du hast Feuer gefangen und interessierst dich für ein Cargobike? Hier ein paar Beispiele aus den gängigen Lastenfahrrad-Kategorien.

Trike

Das Babboe Pro Trike-E richtet sich an Privatpersonen und Unternehmen, die ihre Waren nachhaltig transportieren wollen, und ist in zwei Varianten erhältlich: Das E-Bike kommt entweder mit einer Transportbox in Holzfarben und mit einem Ladevolumen von 265 Litern oder in Schwarz mit einem Ladevolumen von 300 Litern zu dir. 

Auch von Christiania Bikes gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit denen du Waren oder deine Kinder auf drei Rädern zum Ziel bringst. Das Modell Light kommt mit einer größeren Kiste, in der vier Kinder Platz haben, und kann zusätzlich zum Fahrer noch 100 Kilogramm tragen. Das Modell Short ist 25 Zentimeter kürzer, bietet Platz für zwei Kinder und ist etwas wendiger, das Christiania Bike no Box kommt auch auf drei Rädern, aber ohne Transportkiste zu dir - als Basis für deinen individuellen Aufbau.

Frontloader

Unter anderem stellen Bergamont, Cube oder Babboe Frontloader her. Leistungsstarke E-Cargos gibt es zum Beispiel bei Riese und Müller.

Das Cargobike Sport Dual Hybrid von Cube bringt wichtige Fracht mit einem starken Akku und Motor von Bosch und hydraulischen Scheibenbremsen sicher und schnell ans Ziel. Abzüglich des Eigengewichts kann das Fahrrad noch immer 172 Kilogramm mitnehmen.

Bei Babboe gibt es Cargo (E-)Bikes, die speziell für die Mitnahme von Kindern oder Hunden gemacht sind. Mit dem Babboe Mini-E kannst du ein bis zwei Kinder mitnehmen, mit dem City-E sogar drei, wobei dir eine elektrische Unterstützung die Fahrt erleichtert. Ausgerüstet mit einer kleinen Sitzbank und Sicherheitsgurten, bringst du deine Familie sicher und bequem überall hin.

Longtail

Das Tern GSD kann 200 Kilogramm tragen und platztechnisch zwei Kinder oder deinen gesamten Wocheneinkauf transportieren. Dabei unterstützen dich der kräftige Bosch-Motor aus der Cargo Line und, je nach Modell, ein bis zwei Akkus mit 500 Wattstunden. Das Besondere an diesem Bike ist, dass du es sowohl flach falten als auch senkrecht parken und damit leicht verstauen kannst.

Auch das Yuba Mondo kann sich mit seinem langen und stabilen hinteren Gepäckträger, auf dem laut Herstellerangaben bis zu drei Kinder oder zwei Erwachsene Platz haben, und einer Länge von 2,10 Metern wahrlich als Longtail bezeichnen. Es ist als Pedelec erhältlich, das mit einem 250-Watt-Motor und einem Akku mit einer Kapazität von 500 Wattstunden ausgerüstet ist, oder als herkömmliches Rad ohne Elektromotor.