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Radfahren mit Hund: Die besten Tipps für Besitzer

Radfahren mit Hund: Die besten Tipps für...

24.04.2021 - Update: 16.06.2021

Radfahren mit Hund: Die besten Tipps für Besitzer

Hunde sind die geborenen Langläufer und treue Begleiter – auch am Fahrrad. Für dich, als Fahrradfahrer und Hundehalter gleichzeitig, kann eine Fahrt mit Hund zur Herausforderung werden. Du trägst die Verantwortung für das Tier, für andere Verkehrsteilnehmer und nicht zuletzt für dich. Bevor es mit der XL-Gassi-Runde losgehen kann, stellen sich einige wichtige Fragen. Welche gesetzlichen Regeln gilt es beim Radeln mit Hund zu beachten? Wie kann man den Vierbeiner an den Straßenverkehr und das Fahrrad gewöhnen? Welches Equipment wird benötigt?  

Wir geben einen Überblick und haben die Meinung des Berliner Hundeexperten Thomas Münch eingeholt. Er ist Sachverständiger für die Abnahme von Hundeführerscheinen und Wesenstests. Sein Portfolio besteht außerdem aus Hundetraining, Verhaltensberatung und Hundebetreuung.

Hund am Fahrrad: Ist das legal?

Ja, in Deutschland darf ein Hund vom Fahrradhalter mitgeführt werden. Laut § 28 StVO ist das Fahren mit Hund erlaubt, so lange das Tier von einer geeigneten Person begleitet wird und andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet.

Das gilt jedoch nicht unbedingt im Urlaub: Hier sind die gesetzlichen Bestimmungen des jeweiligen Landes zu beachten und vorab in Erfahrung zu bringen. In der Schweiz ist das Mitführen eines Hundes am Rad zum Beispiel grundsätzlich erlaubt, so lange er an der Leine geführt wird. In Österreich ist das Radfahren mit Hund jedoch gänzlich untersagt.

An der Leine, im Körbchen oder im Lastenanhänger?

Es gibt keine bundesweit geltenden Regelungen darüber, wie der Hund am Fahrrad geführt werden muss. An die Leinenpflicht musst du dich jedoch immer halten, unabhängig davon, ob dich dein Hund beim Spazieren oder Fahrradfahren begleitet. Ob und wann du deinen Hund an die Hundeleine nehmen musst, variiert je nachdem, wo ihr unterwegs seid.

Unser Tipp: Wirf einen Blick in die Bestimmungen deines Bundeslandes, um brenzlige Situationen im Vorhinein zu vermeiden. Hält man sich nicht an die Leinenpflicht, droht ein Bußgeld zwischen 50 und 5.000 Euro.

Kann ich mit jedem Hund Fahrradfahren?

Dein Vierbeiner muss für eine Radtour zwei Grundvoraussetzungen erfüllen: Sein Bewegungsapparat muss ausgewachsen sein und er muss gesund sein. Unterschiedliche Hunderassen variieren in ihrer Eignung, dich neben dem Rad zu begleiten. Während Labradore scheinbar nie genügend Auslauf bekommen können, halten kleine Hunde wie Bulldoggen nur schwer mit dem Tempo eines Fahrrads mit. Windhunde wiederum wurden für kurze Strecken auf schnellem Tempo gezüchtet und haben große Mühe, eine gleichmäßige Geschwindigkeit über längere Distanzen aufrecht zu halten. Halte im Zweifelsfall mit einem Hundetrainer oder deinem Tierarzt Rücksprache.

Das Alter deines Hundes spielt ebenso eine wichtige Rolle, wenn er dich am Rad begleiten soll. Alte und schwere Hunde sollten eher im Lastenanhänger mitgeführt werden. Welpen und sehr junge Hunde müssen erst einmal mit einem Fahrrad vertraut werden.

Du und dein Hund können es nicht erwarten, endlich durchzustarten? Im nächsten Absatz findest du Tipps, wie du junge Hunde auf eine Tour mit Rad vorbereiten kannst. 

Trockentraining ohne Fahrrad

In den ersten 18 Monaten ist die Wachstumsphase deines Hundes noch nicht abgeschlossen. Da in dieser Zeit die Gelenke anfällig für Verletzungen sind, sollten Radtouren noch vermieden werden. Kleine Hunde können aber schon auf das Fahrrad und die Kommandos vorbereitet werden. Dafür braucht es nur eine Hundeleine und etwas Geduld.

So fokussierst du die Aufmerksamkeit deines Hundes für das Radfahren:

  • Nimm eine Leine mit einer Länge zwischen drei und fünf Metern und übe „bei Fuß“ zu laufen.
  • Versucht dein Hund, vorzulaufen, wechsle unterwegs die Richtung.
  • Geht der Hund wieder neben dir, lobe ihn für sein Verhalten.

Noch ein Tipp: Sobald der Hund das Nebenherlaufen beherrscht, kannst du Kommandos wie „Stopp“ und „Weiter“ einbauen. So gewöhnt er sich an deine Stimme und folgt später beim Radfahren auch ohne Leine.

Wie führe ich meinen Hund an das Fahrrad heran?

Thomas Münch ist Hundeerzieher und Sachverständiger für die Durchführung von Wesenstests bei Hunden in Berlin. Er sorgt dafür, dass die Kommunikation zwischen Fahrradhalter und Hund auch bei eigensinnigen Tieren gelingt. Bikes.de gewährt er einen Einblick in seine Arbeit und erklärt, wie man seinen Hund an ein Fahrrad gewöhnen kann.

Vorbereitung

Hunde haben ein sensibles Gehör und nehmen Frequenzen wahr, die der Mensch nicht hören kann. Möchtest du deinen Hund an das Geräusch des Fahrrads gewöhnen, reicht es, einen Spaziergang mit ihm zu machen und dabei das Rad zu schieben. Achte darauf, dass dein Hund anfangs rechts von dir geht. Links von dir schiebst du das Bike

Training

Um Ablenkung durch den Straßenverkehr zu minimieren, eignet sich ein Hof, ein Parkplatz oder ein ruhiger Waldweg bestens, um zum ersten Mal zu fahren. Wichtig ist, dass genügend Platz zur Verfügung steht, um den Hund nicht in eine Stresssituation zu bringen. Für den nächsten Schritt bleibst du noch immer zwischen Hund und Fahrrad, stellst dich aber mit einem Fuß auf ein Pedal und trittst mit dem anderen Fuß am Boden ab.

Los geht's!

Achte immer darauf, ob dein Hund Anzeichen von Stress zeigt! Wenn er die Ohren zurücklegt, oder hektisch zu hecheln beginnt, warst du wohl etwas zu ehrgeizig. Am besten, du unterbrichst die Übung und kümmerst dich erst einmal um ihn. Beginne dann wieder mit einer Übung, die dein Hund schon problemlos draufhatte.

Dein Hund meidet das Fahrrad oder stellt dich vor andere Herausforderungen? Ein Kurs in einer Hundeschule in deiner Nähe oder Einzeltrainings mit einem Hundetrainer sind immer eine gute Investition.

Wie führe ich meinen Hund am Fahrrad?

Auch wenn dein Hund sich an das Rad gewöhnt hat, bedeutet eine befahrene Straße eine Stresssituation. Selbst auf bekannten Strecken kann der Straßenverkehr spontane Reaktionen auslösen.

In unserer Checkliste findest du drei Tipps, die dir in unvorhersehbaren Situationen Handlungsspielraum schaffen können:

**1\. Führe deinen Hund immer rechts, damit vorbeifahrende Autos keine unmittelbare Gefahr darstellen.**
**2. Verbinde die Leine nicht mit deinem Lenker oder mit deiner Hand, um die Sturzgefahr zu minimieren.** So kannst du im Zweifel immer loslassen.
**3\. Prüfe während der Fahrt die Beschaffenheit des Weges, da dein Hund nur beschränkt ausweichen kann.**

Die richtige Ausstattung

Die passende Ausrüstung liefert dir die größtmögliche Sicherheit und unterstützt deinen Vierbeiner, auch wenn seine Kräfte schwinden.

Leine

Die Hundeleine ist nicht immer nur unliebsame Pflicht. Sie kann ein gutes Mittel sein, um den nonverbalen Kontakt zwischen Hund und Fahrradhalter aufrecht zu halten und bietet ihm Sicherheit und Führung.

Vorteil: Eine Hundeleine ist günstig und kann schnell angelegt und abgenommen werden.
Nachteil: Zieht der Hund zu sehr, kann die Luftröhre gequetscht und der Kehlkopf verletzt werden.

Hundegeschirr

Ein Hundegeschirr wird dem Hund für die Ausfahrt angezogen. Es rutscht selbst bei ruckartigen Bewegungen nicht ab und verlagert die Kraft des Zuges.

Vorteil: Der Druck wird auf die Brust des Hundes gelenkt, anstatt auf den Halsbereich.
Nachteil: Die Passgenauigkeit muss regelmäßig überprüft werden, da Hunde auch mal schnell zu- oder abnehmen.

Fahrradhalterung

Eine Fahrradhalterung ist eine gefederte Stange aus Metall, die seitlich am Fahrrad befestigt wird. Der Hund hat immer ausreichend Abstand zum Fahrrad.

Vorteil: Deine Hände sind frei und können auf den Bremsen liegen.
Nachteil: Der Hund ist in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt und kann gegebenenfalls Unebenheiten nicht ausweichen.

Bereit?

Für welches Equipment du dich auch immer entscheidest, das Fahrradfahren mit Hund erfordert in der Anfangszeit immer etwas Geduld und größte Achtsamkeit. Widme deinem Hund genügend Aufmerksamkeit und beobachte eventuelle Veränderungen in seinem Verhalten. Geht dein Hund auf Distanz, scheut das Fahrrad oder hält sich geduckt, dann zeigt er Meideverhalten. Beißt er beim Fahren an der Leine, springt das Rad an oder bellt, löst das Fahrrad Stress in ihm aus. Versuche dann, eine Pause einzulegen und den Hund in einer entspannten Phase wieder an das Fahrrad heranzuführen. Wenn beide Vertrauen gefasst haben, steht gemeinsamen Ausflügen nichts mehr im Wege und die bringen garantiert noch mehr Spaß und einen abwechslungsreichen Ausgleich für Halter wie Hund.