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Richtig bremsen mit dem Fahrrad: Darauf musst du achten

Richtig bremsen mit dem Fahrrad: Darauf ...

24.04.2021 - Update: 16.06.2021

Richtig bremsen mit dem Rad

Ob Kurven, Abfahrten oder Nässe: Wer auf dem Fahrrad unterwegs ist, muss das Bremsverhalten an die jeweilige Situation anpassen. Dabei ist das richtige Bremsen gar nicht so leicht – falsche und unsichere Bremsmanöver spielen bei Unfällen oft eine ausschlaggebende Rolle. Umso wichtiger ist es, sich auf die eigene Fahrtechnik verlassen zu können. Hier zeigen wir dir, welche typischen Fehler du vermeiden solltest und was es unter speziellen Umständen zu beachten gibt.

Wie funktioniert eine Fahrradbremse?

Grundsätzlich funktionieren alle Fahrradbremsen nach demselben Prinzip. Betätigt der Fahrer den Bremshebel, drückt ein Bremsbelag gegen die Bremsfläche am Rad. Dadurch kommt es zu einer Reibung, die das Rad verlangsamt. Erhöht man den Druck am Bremshebel, wird auch die Reibungskraft und damit die Bremswirkung größer.

Mechanische und hydraulische Bremsen

Allgemein unterscheidet man zwischen mechanischen und hydraulischen Bremsen. Bei mechanischen Bremsen überträgt ein Seilzug die Kraft vom Fahrer auf die Bremse. Bei hydraulischen Bremsen übernimmt diese Aufgabe eine Flüssigkeit.

Hydraulische Bremsen (Felgen- und auch Scheibenbremsen) kommen oft bei E-Bikes zum Einsatz, da sie eine stärkere Bremskraft entwickeln und so dem vergleichsweise hohen Gewicht und Tempo von E-Bikes besser standhalten. In ihrer Montage und Wartung sind sie jedoch aufwendiger als mechanische Bremsen. Du kannst sie meist in hochpreisigen Fahrrädern finden.

Mechanische Bremsen sind anfälliger für Schmutz und Korrosion, lassen sich aber leichter reparieren. In ihrer Anschaffung und Wartung sind sie günstiger als hydraulische Bremsen.

Felgenbremse

Bei Felgenbremsen werden zwei gegenüberliegende Bremsklötze über einen Seilzug oder hydraulisch (durch den Einsatz von Öl oder Wasser) an die Felge gepresst, um eine Bremswirkung zu erzielen.

Mechanische Felgenbremse

Aktivierst du die Bremse, wird die Spannung an dem Kabel erhöht, das vom Handhebel zum Laufrad verläuft. Dadurch schließt sich der Bremssattel, der die Felge umgreift. Die Bremsbeläge am Bremssattel erzeugen eine Reibung an der Felge, wodurch sich das Rad langsamer dreht, und das Tempo nimmt ab.

Zu den beliebtesten Vertretern der mechanischen Felgenbremse gehören die sogenannten V-Brakes, die ihren Namen ihrer v-förmigen Grundposition verdanken. Die Kraft wird durch einen einfachen mechanischen Handhebel eingeleitet und durch einen Bremszug (Bowdenzug) auf den Bremskörper transportiert.

Rennräder verfügen oft über Seitenzug- oder Dual-Pivot-Bremsen. Hier sind die Betätigungshebel beider Bremsarme auf einer Seite angeordnet, sodass sich der Bremszug seitlich befindet. Er zieht also nur an einer Seite der Bremse.

Hydraulische Felgenbremse

Die hydraulische Felgenbremse überträgt die Handkraft durch eine Hydraulikflüssigkeit zu den Bremszylindern und Bremsbelägen. Als Bremsmedium dient meist Öl, vereinzelt gibt es aber auch wasserbasierte Bremssysteme.

Nabenbremse

Im Gegensatz zu Felgenbremsen sitzen Nabenbremsen nah an der Fahrradnabe, dem Zentrum des Rades. Die Nabenbremse basiert auf einem Ring aus radial angeordneten Nocken, die über drehbare Rollen metallische Bremsbeläge gegen die Bremstrommel drücken.

Zu den Nabenbremsen zählen die Trommelbremse, die Rollenbremse und die Rücktrittbremse. Alle Varianten funktionieren mechanisch, also über einen Handhebel (Trommelbremse, Rollenbremse) oder die Pedale (Rücktrittbremse).

Scheibenbremse

Kennzeichnend für Scheibenbremsen ist die namensgebende Bremsscheibe, die auf der Radnabe sitzt. Im Bremssattel der Scheibe sitzt ein Bremsklotz mit Bremsbelägen. Diese erzeugen eine Reibung, wenn du die Scheibenbremse betätigst. Die Bremsscheibe drückt gegen die Nabe und die Geschwindigkeit, mit der sich das Laufrad dreht, verringert sich.

Wie bei Felgenbremsen gibt es auch bei Scheibenbremsen mechanische und hydraulische Varianten. Mechanische Scheibenbremsen betätigst du mittels Bremshebel und Bremszug. Hydraulische Scheibenbremsen greifen auf eine Hydraulikflüssigkeit wie Öl zurück. Sie sind oft bei E-Bikes zu finden.

Bremsverhalten: Was passiert beim Bremsvorgang?

Bei Fahrzeugen, bei denen das Vorder- und Hinterrad in einer Spur laufen, nimmt der Fahrer selbst den Bremsvorgang vor. Das Fahrrad muss mit zwei unabhängig voneinander funktionierenden Bremsen ausgestattet sein, wie die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) in § 65 Absatz 1 vorschreibt. Dadurch ist das Bremsen mit dem Vorder- oder Hinterrad allein und ein kombiniertes Bremsen möglich.

Bei gleichbleibender Geschwindigkeit rollen die Reifen gleichmäßig und nahezu schlupffrei über die Straße. Betätigt der Fahrer die Bremse, greift diese am Laufrad des Fahrrads an und verlangsamt die sogenannte Winkelgeschwindigkeit. Das Rad dreht sich nun nicht mehr so schnell, der Winkel um die Achse verändert sich also langsamer. Damit braucht das Rad länger, um sich einmal um die eigene Achse zu drehen. Die Umfangsgeschwindigkeit nimmt ab und damit auch das Tempo.

Die Bremskraft wird beeinflusst durch:

  • die Radlastverteilung, die sich aus der Schwerpunktslage in Längsrichtung und der Fahrbahnneigung errechnet,
  • den Radstand,
  • die Schwerpunktshöhe,
  • und die Reibungskraft zwischen Reifen und Fahrbahn.

Das klingt alles sehr theoretisch, oder? Zeit also, sich ein paar praktischen Aspekten zu widmen.

Typische Fehler beim Bremsen

Ein falsches Bremsverhalten kann zu Unfällen und Stürzen führen. Diese typischen Fehler solltest du deshalb unbedingt vermeiden.

1. Überbremsen

Bremst du nur mit dem Vorder- oder Hinterrad, kann nur eine Kraft übertragen werden. Ist diese einseitige Kraft zu groß, kommt es zum Überbremsen und das jeweilige Rad blockiert. Deshalb solltest du Vorder- und Hinterradbremse immer im Zusammenspiel nutzen und keine der Bremse zu stark betätigen.

Überbremsen des Vorderrads

Ziehst du ausschließlich die Vorderradbremse, und das auch noch recht heftig, blockiert das Vorderrad und das Hinterrad hebt vom Boden ab. Es kann so hoch steigen, dass sich das Fahrrad überschlägt und der Fahrer sehr unsanft über den Lenker absteigt. Das kann schlimme Folgen haben.

Überbremsen des Hinterrads

Beim Bremsen wird die Radlast vom Hinterrad auf das Vorderrad umgelenkt. Das ist die Kraft zwischen Fahrbahn und Rad, die senkrecht zur Fahrbahn auf das Rad wirkt. Die Radlast am Hinterrad nimmt ab, wodurch es schon recht früh blockiert. Ein blockiertes Hinterrad führt wiederum zu einem instabilen und unkontrollierbaren Fahrverhalten. Es rutscht seitlich weg. 

Dieser Stabilitätsverlust lässt sich vor allem beim Bremsen in Kurven beobachten. Allgemein lässt sich ein ausbrechendes Hinterrad jedoch besser kontrollieren und ein Sturz vermeiden, als wenn das Vorderrad blockiert.

2. In der Kurve bremsen

In Kurven wirken andere Kräfte als wenn du einfach nur geradeaus fährst. Diese Kräfte beeinflussen das Fahrverhalten und den Bremsvorgang. Da gibt es zum einen die Zentrifugalkraft, oder auch Fliehkraft, die bei Dreh- und Kreisbewegungen auftritt, und zum anderen die Seitenführungskraft. Die wirkt der Zentrifugalkraft entgegen und verhindert, dass du aus der Kurve fliegst.

Da die Seitenführungskraft senkrecht zur Fahrtrichtung, die Bremskraft aber tangential (nach außen) wirkt, wird das Fahrrad auch bei einem leichten Bremsvorgang schnell nach außen gezogen. Die Reifen verlieren die Bodenhaftung und das Fahrrad kippt zum Kurvenmittelpunkt hin um. Daher solltest du das Bremsen in Kurven unbedingt vermeiden.

Merkst du, dass du zu schnell in die Kurve gefahren bist und das Tempo korrigieren musst, solltest du das Rad erst wieder aufrichten, bevor du die Bremse betätigst. Gibt es keine andere Möglichkeit, solltest du die Bremskraft in steilen Kurven sehr gleichmäßig auf beide Bremsen verteilen.

3. Nur leichtes Bremsen in Gefahrensituationen

Oft spielt es beim Unfallhergang eine große Rolle, dass der Radfahrer die verfügbare Bremsleistung in Gefahrensituationen nicht genügend ausnutzt. Viele betätigen die Bremse zu zaghaft oder verzichten aus Angst vor einem Sturz darauf, die Vorderradbremse zu betätigen.

Da diese jedoch eine weitaus höhere Bremswirkung erzielt als die Hinterradbremse, kommt das Bike dadurch oft nicht schnell genug zum Stillstand. Um Unfälle in plötzlich auftretenden Gefahrensituationen zu vermeiden, solltest du beide Bremsen betätigen, da du so die höchste Bremswirkung erreichst.

Besonderheiten beim Bremsen: Was muss ich beachten?

In ihrem Bremsenhandbuch erklären Bert Breuer und Karlheinz Bill unter Berücksichtigung der physikalischen Grundlagen, was es bei Bremsungen in verschiedenen Situationen zu beachten gibt. Wir haben die wichtigsten Infos zusammengefasst.

Bremsen am Berg

Beim Bremsen am Berg verschiebt sich die Radlast. Bei Bergabfahrten verlagert sie sich deutlich nach vorn, wodurch die Bremskraft hinten reduziert wird. Auch die Hangabtriebskraft parallel zur schiefen Ebene wirkt gegen die Bremskraft. Deshalb musst du bergab stärker bremsen, um das Tempo deutlich zu reduzieren oder zum Stillstand zu kommen.

Bei steilen Bergauffahrten verhält es sich genau umgekehrt. Die Hangabtriebskraft wirkt in Richtung der Bremskraft, der Fahrer wird nach unten bzw. hinten gezogen. Durch die höhere Hinterradlast steigt die mögliche Kraft – und die Wirkung der Hinterradbremse nimmt zu. 

Um dieses abstrakte Bild zu verdeutlichen, kannst du bei deiner nächsten Fahrt bergauf einen praktischen Test machen: Hältst du am Berg an, kannst du dein Bike meist nur mit der Hinterradbremse halten. Bremst du ausschließlich vorn, rutscht das Vorderrad ab und du rollst nach hinten. Dieser Fall tritt ein, wenn die Hangabtriebskraft größer ist als die Bremskraft, die du vorn übertragen kannst. Dieses Phänomen kann vor allem im Gelände beobachtet werden, da die Reibungskraft hier geringer ist.

Bremsen bei Nässe

Bei Regenwetter ist Vorsicht das A und O. Wenn die Fahrradfelgen und Bremsbeläge nass werden, kann nahezu keine Reibung entstehen. Das Wasser bildet einen Schmierfilm, auf dem die Flächen aneinander vorbeigleiten, ohne sich zu berühren.

Betätigst du die Felgenbremse, wirst du bei den ersten Radumdrehungen kaum eine Wirkung spüren, da Felgen und Beläge erst trocken gebremst werden müssen, bis eine Reibung entsteht. Nässe ist deshalb mit einem erhöhten Bremsweg verbunden, wenn dein Rad Felgenbremsen hat.

Scheibenbremsen haben dagegen eine deutlich bessere Bremskraft bei Nässe, da die Flächenpressung (Kraft pro Kontaktfläche) höher ist.

Bei Nässe musst du den Bremsvorgang früher einleiten, um das Tempo rechtzeitig zu verringern oder zum Stillstand zu kommen. Außerdem solltest du damit rechnen, dass die Bremskraft plötzlich stärker wird, wenn du das Wasser verdrängt hast. Dann solltest du den Hebeldruck verringern, um ein Überbremsen zu verhindern.

Merkst du bereits im Voraus, dass du dein Tempo bald reduzieren musst, kannst du die Bremse leicht anziehen. Dadurch wirst du nicht sofort merklich langsamer, aber Felge und Beläge sind bereits trocken, sodass der eigentliche Bremsvorgang kurz darauf schneller erfolgt.

Bremsen bei Glätte

Auch bei Glätte ist der Bremsweg verlängert. Hier solltest du jedoch nicht nur früh, sondern auch gut dosiert bremsen, da es bei Glätte schnell zu einem instabilen und unkontrollierbaren Fahrverhalten kommen kann, weil der Reifen weniger Grip auf dem Boden hat und wegrutscht.

Bei Glätte solltest du deshalb bestenfalls nur ausrollen lassen und gar nicht bremsen. Weil das aber meist nicht möglich ist, solltest du zumindest speziell in Kurven darauf verzichten.

Allgemein raten wir dazu, das Bike bei Glätte stehen zu lassen. Kannst oder willst du auf dein Fahrrad nicht verzichten, solltest du langsamer fahren, den Sattel tiefer stellen, damit du mit den Füßen schnell den Boden erreichen kannst und mehr Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern halten.

Was gibt es bei der Wartung und Einstellung der Bremse zu beachten?

Damit die Funktionalität der Fahrradbremsen immer gewährleistet ist, solltest du sie einmal im Monat auf ihren Verschleiß überprüfen und bei Bedarf neu einstellen oder die Bremspads austauschen, damit du immer sicher an dein Ziel kommst.

Bei Felgen- und Scheibenbremsen kannst du die Einstellung relativ einfach selbst vornehmen. In einem anderen Artikel erklären wir dir Schritt für Schritt, wie das bei den verschiedenen Arten geht. Bei Nabenbremsen solltest du dich hingegen an einen Fachhändler wenden, da sie an mehreren Stellen am Rahmen befestigt werden und das Bremssystem deutlich komplexer ist.

Vor allem solltest du die Bremsbeläge im Blick behalten. Um herauszufinden, wann du sie wechseln solltest, prüfst du deren Dicke. Ausgetauscht gehören sie, wenn die Einkerbungen auf der Oberfläche bei Felgenbremsen weniger als zwei Millimeter und bei Scheibenbremsen weniger als einen Millimeter dick sind. Inspiziere die Bremspads deines Bikes einmal pro Monat.

Anwendung der Bremse: So bremst du richtig!

Damit du immer sicher unterwegs bist, haben wir die wichtigsten Bremsregeln und Tipps zusammengefasst:

  • Versuche, beide Bremsen zu verwenden anstatt die Vorder- oder Hinterradbremse zu überstrapazieren, da das Rad sonst blockieren kann.
  • In Kurven solltest du das Bremsen vermeiden. Reduziere deine Geschwindigkeit bereits vor der Kurve so weit, dass du dich sicher fühlst und lass dich dann durch die Kurve rollen.
  • In Gefahrensituationen solltest du nicht zu vorsichtig bremsen und niemals ganz auf die Vorderradbremse verzichten. Aber, Achtung: Nicht nur die Vorderradbremse ziehen, sonst droht ein Überschlag!
  • Bei Nässe und Glätte ist der Bremsweg verlängert. Achte darauf, den Bremsvorgang rechtzeitig einzuleiten und fahre besonders vorausschauend.
  • Stelle die Bremsen an deinem Fahrrad regelmäßig ein und prüfe Züge und Bremsbeläge auf ihren Verschleiß, um die Funktionalität deiner Fahrradbremse sicherzustellen.