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Fahrradlenker richtig einstellen

Fahrradlenker richtig einstellen

26.04.2021 - Update: 19.08.2021



Dein neues Fahrrad wartet auf die erste Fahrt! Doch zuvor musst du noch ein paar Einstellungen vornehmen, damit du bequem sitzt und sicher losradeln kannst. Wie du deinen Sattel richtig positionierst, kannst du hier nachlesen. Nun geht es daran, den Fahrradlenker einzustellen.

Was passiert, wenn der Lenker nicht richtig sitzt?

Ähnlich wie beim Sattel, können auch ein falsch eingestellter Lenker und Vorbau Schmerzen verursachen, zum Beispiel im Nackenbereich.

Stimmen Lenkerhöhe und der Abstand des Lenkers zum Sattel nicht, kann das zu Verspannungen, Überdehnungen und einem Taubheitsgefühl in Schultern und Armen führen.

Darüber hinaus solltest du auf die Stellung deiner Handgelenke achten. Sie sollten nur minimal abgeknickt sein und möglichst eine gerade Linie mit dem Arm bilden.

Das Becken sollte leicht nach vorn kippen, die Ellenbogen nicht ganz durchgestreckt sein. So kannst du Fahrbahnstöße besser abfedern.

Welche Lenkerhöhe ist die richtige?

Anders als bei der Satteleinstellung, bei der du mithilfe der Fersen-Methode die passende Höhe für dich finden kannst, ist die Einstellung des Lenkers eine etwas kniffligere Angelegenheit.

Dabei spielt der Fahrradtyp eine entscheidende Rolle – denn ein Rennrad hat einen anderen Lenker als ein Mountainbike oder ein Hollandrad.

Sportlich oder gemütlich unterwegs?

Wenn du gern sportlich unterwegs bist, kannst du den Lenker etwas tiefer einstellen. Da dein Oberkörper so einen flachen Winkel bildet, verringerst du den Luftwiderstand. Das lässt dich auf der Ebene schneller vorankommen und du kommst leichter bergauf, da mehr Druck auf dem Vorderrad liegt.

Lenker einstellen: Rennrad

Auf dem Rennrad ist die Aerodynamik besonders wichtig. Allerdings tun sich gerade Einsteiger, Gelegenheitsfahrer und nciht so bewegliche Sportler mit einer großen Überhöhung schwer. Unter der Überhöhung versteht man den Höhenunterschied zwischen Sattel (höher) und Lenker (tiefer).

Manche Radfahrer bekommen ziemlich schnell Rücken- und Nackenschmerzen. Besonders Rennradneulinge trauen sich oft nicht, an den Unterlenker zu greifen, da sie sich in der ungewohnt tiefen Position nicht wohlfühlen.

Am besten stellst du den Lenker erstmal nur etwas tiefer als den Sattel ein. Mit der Zeit kannst du dich dann langsam steigern. Auch wichtig: Es ist angenehmer und rückenfreundlicher, etwas gestreckter auf dem Renner zu sitzen – also so, dass der Abstand zwischen Sattelspitze bzw. -mitte und Lenker etwas größer ist.

Diese rückenfreundliche Position kannst du bis zu einem gewissen Grad auch durch einen längeren Vorbau erreichen. Idealerweise hilft dir bei der Lenkereinstellung ein Experte, zum Beispiel ein Fahrradfachhändler oder ein Bikefitter .

Lenker einstellen: Cityrad

Wenn du lieber gemütlicher unterwegs bist, kannst du den Lenker hoch einstellen, sodass du aufrechter auf dem Rad sitzt. Durch diese Sitzposition entlastest du Schultern und Arme.

Meist sind Stadt- und Hollandräder so konstruiert, dass dir gar nicht viele Alternativen bleiben, als mit mehr oder weniger geradem Rücken auf dem Sattel zu sitzen.

Achte aber auch hier auf die Stellung der Handgelenke, des Beckens und darauf, dass die Wirbelsäule nicht in eine unnatürliche Position gezwungen wird, sondern ihrem S-Schwung möglichst folgen kann.

Lenker einstellen: Mountainbike

Beim Mountainbike hängt die richtige Lenkerhöhe vor allem von deinem individuellen Komfortempfinden ab. Darüber hinaus spielen auch der Einsatz des Bikes und das Gelände, in dem du unterwegs bist, eine Rolle.

Viele Mountainbiker haben Lenker und Sattel auf etwa gleicher Höhe. So ist die Sitzposition komfortabel und für die meisten Fahrsituationen stabil genug.

Geht es hingegen steil bergab, ist eine höhere Lenkerposition empfehlenswert, da sonst viel Gewicht auf dem vorderen Laufrad liegt. Das kann im schlimmsten Fall zu einem Überschlag führen.

Zu hoch sollte der Lenker aber auch nicht sitzen, denn das macht das Fahrverhalten in der Ebene träger. Außerdem lastet dann weniger Druck auf dem Vorderrad. Das könnte den Grip beeinträchtigen, wenn du schnell durch Kurven fährst.

Ein paar Zentimeter tiefer als den Sattel kannst du den MTB-Lenker stellen, wenn es dir um Effizienz geht und du in gemäßigtem Gelände oder Uphill schnell vorankommen willst. Diese Position ist auch für Cross-Country-Fahrer sinnvoll.

Welche Lenkerhöhe auf dem E-Bike?

Auf dem E-Bike kannst du ganz nach deinen Vorlieben entscheiden , welche Sitzposition die angenehmste ist. Denn wie eine Vergleichsstudie der Medizinischen Hochschule Hannover zeigte, verbringen Pedelec-Fahrer rund 60 Prozent mehr Zeit im Sattel als Radler, die ohne Motorunterstützung unterwegs sind – und wer viel fährt, braucht viel Komfort.

Eine aufrechte Haltung ist vor allem dann komfortabler, wenn du eine schwächer ausgeprägte Rückenmuskulatur hast. Auf sportlichen Touren kannst du durch eine etwas flachere Haltung ebenfalls von der Aerodynamik profitieren.

Schritt für Schritt: Fahrradlenker einstellen

Den Fahrradlenker kannst du mit etwas Fingerspitzengefühl allein einstellen. Es wird grundsätzlich zwischen zwei Vorbauarten unterschieden:

  • gewindelose Vorbauten bzw. Ahead-Vorbauten: Sie werden auf den Gabelschaft gesetzt und außen an diesem per Inbusschrauben festgeklemmt.
  • Schaft-Vorbauten bzw. Gewinde-Vorbauten: Sie werden in den Gabelschaft gesteckt und innen verkeilt.

Der Vorbau ist die Verbindung zwischen dem Lenker und dem Steuerrohr. Mit diesem Zwischenstück lassen sich Lenkerhöhe, Sitzlänge und Lenkerneigung verändern. Damit bestimmt der Vorbau den Komfort und die Sitzposition auf dem Rad.

Ahead-Vorbau: Höhe ausrichten

Die Höhe lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad ausrichten, da die Gabel oft schon so abgelängt ist, dass es kaum noch Möglichkeiten zum Verschieben gibt.

Und so geht’s:

  • Löse die Schrauben an der Klemme des Gabelschafts um zwei bis drei Umdrehungen.
  • Stelle dich vor dein Fahrrad und klemme das vordere Laufrad zwischen die Beine, damit es nicht umkippt. Verschiebe dann den Vorbau auf dem Gabelschaft.
  • Nun geht es daran, die entstandenen freien Gabelfächen mit Adapterringen zu versehen, um den Vorbau zu stabilisieren. Soll er nach oben versetzt werden, musst du ihn zuerst ganz abnehmen, um die Ringe unter ihm auf den Gabelschaft streifen zu können.
  • Ziehe anschließend die Schrauben am Gabelschaft wieder fest. Achtung: Benutze dafür immer einen Drehmomentschlüssel. Sind die Schrauben zu locker angezogen, besteht die Gefahr, dass sich der Vorbau verdreht. Sind sie zu fest angezogen, könnte er die Gabel beschädigen. In beiden Fällen drohen schwere Stürze! Die entsprechenden Drehmomentangaben (Nm) finden sich bei den meisten Modellen direkt auf dem Vorbau.

Ahead-Vorbau: Lenkerneigung einstellen

Ahead-Vorbauten lassen sich vorne, wo der Lenker durchgeschoben wird, über zwei bis vier Schrauben öffnen. Wenn du diese Schrauben zwei bis drei Umdrehungen löst, kannst du die Neigung deines Rennlenkers einstellen. Drehe ihn dafür etwas nach unten oder oben.

Danach ziehst du die Schrauben für eine gleichmäßige Klemmung über Kreuz an (z. B. oben links, unten rechts, oben rechts, unten links). Mit einem Drehmomentschlüssel kannst du prüfen, ob auch alles korrekt sitzt.

Schaft-Vorbau ausrichten

Bei einem Schaft-Vorbau ändert man die Lenkerhöhe über den Vorbauwinkel. Dafür löst du zunächst die Spreizschraube mit ein bis zwei Umdrehungen. Sie sitzt über dem Teil, der in den Gabelschaft kommt. Um den Vorbaukonus zu lockern, kannst du mit einem Holz- oder Gummihammer auf den Kopf der Spreizschraube klopfen.

Nun kannst du den Lenker auf Wunschhöhe bringen. Wichtig ist, dass du die Markierungen beachtest. Eine minimale Einsatztiefe sollte gegeben sein, da der Lenker sonst aus dem Gabelschaft rutschen kann. Nachdem du die passende Höhe gefunden hast, ziehst du die Spreizschraube wieder fest.

Vorbaulänge: Entscheidend für die Sitzlänge

Je nachdem, wie lang der Vorbau ist, vergrößert oder verkleinert sich die Entfernung vom Lenker zum Sattel. Das hat auch Auswirkungen auf die Sitzposition, die sogenannte Sitzlänge.

Über die Vorbaulänge lässt sich ein etwas zu großer oder zu kleiner Rahmen ausgleichen – allerdings nur zu einem gewissen Grad, da sich sonst die Fahreigenschaften zu stark verändern.

Tools und Formeln, um die optimale Sitzposition zu berechnen, finden sich auf verschiedenen Online-Plattformen.

Einige Ahead-Vorbauten lassen sich mit Neigung nach oben (positiv) oder nach unten (negativ) verbauen. Das hat nicht nur Einfluss auf die Lenkerhöhe, sondern auch auf die Sitzlänge. Diese verkürzt sich bei positiver Montage und verlängert sich bei negativer Montage.

Fazit

Die richtige Position von Lenker und Sattel sorgt dafür, dass du bequem und sicher unterwegs bist. Sie sind neben den Pedalen die einzigen Kontaktstellen zwischen Bike und Fahrer – und entscheiden damit maßgeblich über den Fahrspaß.

Faustformeln helfen bei der groben Voreinstellung. Mit welcher Lenkereinstellung du am besten zurechtkommst, findest du aber nur durch Ausprobieren heraus. Oder noch besser: Durch ein professionelles Bikefitting , das viele Fachhändler heute in fast jeder Stadt anbieten.

Grundsätzlich kannst du die meisten Anpassungen selbst vornehmen. Doch gerade bei der Lenker- und Satteleinstellung solltest du kein Risiko eingehen. Frage lieber einen Experten im Fachhandel um Rat, wenn du dir unsicher bist. Du sollst ja nicht nur bequem, sondern auch sicher unterwegs sein.

Wir aus der Bikes.de-Redaktion haben eine große Leidenschaft: Fahrräder. Und diese Leidenschaft wollen wir mit dir teilen. Daher sind wir immer auf der Suche nach neuen, spannenden und relevanten Themen rund ums Rad, die dir Information und Orientierung bieten – und vor allem jede Menge Lust aufs Radfahren machen sollen. Viel Spaß beim Lesen!