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Fahrradlenker richtig einstellen

Fahrradlenker richtig einstellen

26.04.2021 - Update: 16.06.2021

Fahrradlenker richtig einstellen

Dein neues Fahrrad wartet auf die erste Fahrt, doch zuerst gilt es, ein paar Einstellungen vorzunehmen, damit du bequem sitzt und sicher losradeln kannst. Wie du deinen Sattel richtig positionierst, kannst du hier nachlesen. Nun geht es daran, den Fahrradlenker einzustellen.

Folgen eines falsch eingestellten Lenkers

Ähnlich wie beim Sattel, können auch ein falsch eingestellter Lenker und Vorbau Schmerzen verursachen, zum Beispiel im Nackenbereich.

Stimmen Lenkerhöhe und der Abstand des Lenkers zum Sattel nicht, kann das zu V erspannungen, Überdehnungen und einem Taubheitsgefühl in Schultern und Armen führen.

Darüber hinaus solltest du auf die Stellung deiner Handgelenke achten, sie sollten nur minimal abgeknickt sein und möglichst eine gerade Linie mit dem Arm bilden. Das Becken sollte leicht nach vorn kippen, die Ellenbogen nicht ganz durchgestreckt sein. So kannst du Fahrbahnstöße besser abfedern.

Welche Lenkerhöhe ist die richtige?

Anders als bei der Satteleinstellung, wo du mithilfe einer mathematischen Formel oder der Fersen-Methode die passende Höhe für dich finden kannst, ist die Einstellung des Lenkers eine etwas kniffligere Angelegenheit. Auch der Fahrradtyp spielt dabei eine entscheidende Rolle, denn ein Rennrad hat einen anderen Lenker als ein Mountainbike oder ein Hollandrad.

Sportlich oder gemütlich unterwegs?

Wenn du gern sportlich unterwegs bist, kannst du den Lenker etwas tiefer einstellen. Da dein Oberkörper so einen flachen Winkel bildet, verringerst du den Luftwiderstand, was dich im Flachen schneller vorankommen lässt, und du kommst leichter bergauf, da mehr Druck auf dem Vorderrad liegt.

Allerdings besteht diese Möglichkeit nicht uneingeschränkt bei allen Fahrradtypen - und ist z. B. bei einem Stadtrad von weniger Bedeutung als bei einem Rennrad oder Mountainbike.

Lenker einstellen: Rennrad

Auf dem Rennrad ist die Aerodynamik besonders wichtig. Allerdings tun sich gerade Einsteiger, Gelegenheitsfahrer und weniger flexible Sportler schwer mit einer großen Überhöhung. Das ist der Höhenunterschied zwischen Sattel (höher) und Lenker (tiefer).

Manche Radfahrer bekommen ziemlich schnell Rücken- und Nackenschmerzen. Besonders Rennradneulinge trauen sich auch oft nicht, an den Unterlenker zu greifen, also in die unteren Bögen des Rennradlenkers, da sie sich in einer solch ungewohnt tiefen Position nicht wohlfühlen.

Am besten also erst einmal den Lenker nur geringfügig tiefer als den Sattel einstellen und dann gegebenenfalls langsam steigern. Auch wichtig: Es ist angenehmer und rückenfreundlicher, etwas gestreckter auf dem Renner zu sitzen, also so, dass der Abstand zwischen Sattelspitze bzw. -mitte und Lenker etwas größer ist.

Das lässt sich zu einem gewissen Grad auch mittels eines längeren Vorbaus umsetzen. Idealerweise hilft dir bei der Lenkereinstellung ein Experte, zum Beispiel ein Fahrradfachhändler oder ein Bikefitter.

Lenker einstellen: Cityrad

Wenn du dagegen lieber gemütlicher unterwegs bist, kannst du den Lenker hoch einstellen, sodass du aufrechter auf dem Rad sitzt. Durch diese Sitzposition entlastest du Schultern und Arme.

Meist sind Stadt- und Hollandräder so konstruiert, dass dir gar nicht viele Alternativen bleiben, als mit mehr oder weniger geradem Rücken auf dem Sattel zu sitzen.

Achte aber auch hier auf die Stellung der Handgelenke, des Beckens und darauf, dass die Wirbelsäule nicht in eine unnatürliche Position gezwungen wird, sondern ihrem S-Schwung möglichst folgen kann.

Lenker einstellen: Mountainbike

Beim Mountainbike kommt es zum einen auf dein individuelles Komfortempfinden an, wie hoch du den Lenker einstellst. Zum anderen spielen aber auch der Einsatz des Bikes und das Gelände, in dem du unterwegs bist, eine Rolle.

Viele Mountainbiker haben Lenker und Sattel auf annähernd gleicher Höhe. So ist die Sitzposition komfortabel und für die meisten Fahrsituationen stabil genug.

Geht es aber zum Beispiel (steil) bergab, ist eine höhere Lenkerposition empfehlenswert, da sonst viel Gewicht auf dem vorderen Laufrad liegt und dadurch die Gefahr eines Überschlags besteht.

Zu hoch sollte der Lenker generell aber auch nicht sein, denn das macht das Fahrverhalten in der Ebene träger. Dort lastet dann auch weniger Druck auf dem Vorderrad, was die Bodenhaftung beeinträchtigen könnte, wenn du schnell durch Kurven fährst.

Ein paar Zentimeter tiefer als den Sattel kannst du den MTB-Lenker stellen, wenn es dir um Effizienz und schnelles Vorankommen in gemäßigtem Gelände oder bei viel Uphill-Strecke geht, zum Beispiel im Cross-Country.

Welche Lenkerhöhe auf dem E-Bike?

Auf dem E-Bike kannst du ganz nach deinen Vorlieben entscheiden , welche Sitzposition die angenehmste ist. Denn wie eine Vergleichsstudie der Medizinischen Hochschule Hannover zeigte, verbringen Pedelec-Fahrer rund 60 Prozent mehr Zeit im Sattel als Radler, die ohne Motorunterstützung unterwegs sind - und wer viel fährt, braucht viel Komfort.

Eine aufrechte Haltung ist dabei vor allem dann komfortabler, wenn du eine schwächer ausgeprägte Rückenmuskulatur hast. Auf sportlichen Touren kannst du durch eine etwas flachere Haltung ebenfalls von der Aerodynamik profitieren.

Schritt für Schritt: Fahrradlenker einstellen

Den Fahrradlenker kannst du mit etwas Fingerspitzengefühl allein einstellen. Es wird grundsätzlich zwischen zwei Vorbauarten unterschieden:

  • gewindelose Vorbauten/ Ahead-Vorbauten (werden auf den Gabelschaft gestreift und an diesem außen geklemmt)
  • Schaft-Vorbauten /Gewinde-Vorbauten (werden in den Gabelschaft gesteckt und innen verkeilt)

Der Vorbau ist die Verbindung zwischen dem Lenker und der Gabel. Mittels dieses Zwischenstücks lassen sich die Lenkerhöhe, die Sitzlänge und die Lenkerneigung verändern. Je nach Einstellung bestimmt der Vorbau also den Komfort und die Sitzposition auf dem Rad.

Ahead-Vorbau: Höhe ausrichten

Dies geht nur in begrenztem Maß, da die Gabel oft schon so abgelängt ist, dass es kaum noch Möglichkeiten zum Verschieben gibt. Besteht die Option, löse, um einen Ahead-Vorbau an deinem Fahrrad auszurichten, zunächst dessen Schrauben an der Klemme des Gabelschafts um zwei bis drei Umdrehungen.

Stelle dich vor dein Fahrrad und klemme das vordere Laufrad zwischen die Beine, damit es nicht umkippt. Verschiebe dann den Vorbau auf dem Gabelschaft.

Die dadurch entstandenen freien Gabelfächen müssen mit Adapterringen versehen werden, um den Vorbau zu stabilisieren. Soll er nach oben versetzt werden, musst du ihn zuerst ganz abnehmen, um die Ringe unter ihm auf den Gabelschaft streifen zu können. Ziehe anschließend die Schrauben am Gabelschaft wieder fest.

Achtung: Benutze dafür immer einen Drehmomentschlüssel , sonst besteht die Gefahr, dass sich der Vorbau verdreht (Schrauben zu locker angezogen) oder er die Gabel beschädigt (zu fest angezogen). In beiden Fällen drohen schwere Stürze! Die entsprechenden Drehmomentangaben (Nm) finden sich bei den meisten Herstellern direkt auf dem Vorbau.

Ahead-Vorbau: Lenkerneigung einstellen

Ahead-Vorbauten lassen sich vorn, dort, wo der Lenker durchgeschoben wird, mittels zwei bis vier Schrauben öffnen. Wenn du diese Schrauben zwei bis drei Umdrehungen löst, kannst du die Neigung deines Rennlenkers einstellen, indem du in etwas nach unten oder nach oben drehst.

Danach die Schrauben (bei vier Stück) für eine gleichmäßige Klemmung über Kreuz (z. B. oben links, unten rechts, oben rechts, unten links) anziehen und mittels Drehmomentschlüssel ihren korrekten Sitz kontrollieren.

Schaft-Vorbau ausrichten

Bei einem Schaft-Vorbau ändert man die Lenkerhöhe über den Vorbauwinkel. Dafür löst du zunächst die Spreizschraube, die mittig über dem Teil sitzt, der in den Gabelschaft kommt, mit ein bis zwei Umdrehungen. Um den Vorbaukonus zu lockern, kannst du mit einem Holz- oder Gummihammer auf den Kopf der Spreizschraube klopfen.

Nun kannst du den Lenker auf Wunschhöhe bringen. Wichtig ist jedoch, dass du die Markierungen beachtest. Eine minimale Einsatztiefe sollte gegeben sein, da der Lenker sonst aus dem Gabelschaft rutschen kann. Nachdem du die passende Höhe gefunden hast, ziehst du die Spreizschraube wieder fest.

Vorbaulänge: Entscheidend für die Sitzlänge

Je nachdem, wie lang der Vorbau ist, vergrößert oder verkleinert sich die Entfernung vom Lenker zum Sattel, was auch Auswirkungen auf die Sitzposition, die sogenannte Sitzlänge hat.

Mittels der Vorbaulänge lässt sich ein etwas zu großer oder zu kleiner Rahmen ausgleichen, allerdings nur zu einem gewissen Grad, da sich sonst die Fahreigenschaften zu gravierend verändern.

Tools und Formeln, um die optimale Sitzposition zu berechnen, finden sich auf verschiedenen Online-Plattformen.

Einige Ahead-Vorbauten lassen sich mit Neigung nach oben (positiv) oder nach unten (negativ) verbauen. Das hat nicht nur Einfluss auf die Lenkerhöhe, sondern auch auf die Sitzlänge. Diese verkürzt sich bei positiver Montage und wird bei negativer länger.

Fazit

Damit du es auf dem Fahrrad bequem hast und sicher unterwegs bist, gilt es, die richtige Position von Lenker und Sattel zu finden. Gerade diese beiden Komponenten sind, neben den Pedalen, die einzigen Kontaktstellen zwischen Bike und Fahrer und deshalb maßgeblich für den Fahrspaß.

Zwar helfen Faustformeln bei einer groben Voreinstellung, mit welcher Lenkereinstellung du am besten zurechtkommst, findest du aber nur durch Ausprobieren heraus. Oder noch besser: Durch ein professionelles Bikefitting , das viele Fachhändler in fast jeder größeren und mittlerweile auch kleineren Stadt anbieten.

Grundsätzlich kannst du die meisten Anpassungen selbst vornehmen. Doch gerade bei der Lenker- und Satteleinstellung solltest du kein Risiko eingehen und, wenn du unsicher bist, lieber einen Fahrrad-Experten im Fachhandel um Rat bitten. Denn du sollst ja nicht nur bequem, sondern vor allem auch sicher unterwegs sein.