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Welche Fahrradschläuche gibt es?

Welche Fahrradschläuche gibt es?

12.05.2021 - Update: 21.09.2021


Zugegeben: Fahrradschläuche sehen auf den ersten Blick alle gleich aus. Doch der Schein trügt. Unterschiedliche Größen und Materialien verleihen ihnen verschiedene Eigenschaften.

Welche Fahrradschlauch-Typen es gibt, welche Vor- und Nachteile sie mitbringen, und welcher Typ am besten zu deinem Einsatzzweck und deinen Ansprüchen passt, erfährst du hier.

Materialien und ihre Vor- und Nachteile

Prinzipiell stehen drei Materialien zur Auswahl, die alle ihre Vor- und Nachteile mitbringen:

  • Günstige und robuste Modelle aus Butyl
  • Leichte Fahrradschläuche aus Latex
  • Haltbare und kostenintensivere Modelle aus Thermoplast

Fahrradschläuche aus Butyl

Die meisten Schläuche, egal ob im Mountainbike- oder Rennradbereich, bestehen aus Butyl. Kein Wunder: Butyl ist günstig und sehr robust. Sie unterscheiden sich in ihrer Widerstandsfähigkeit und ihrem Gewicht. Leichtere Schläuche aus dünnem Gummi sind anfälliger für Schäden. Dickeres Material macht den Schlauch pannensicherer, aber auch schwerer.

Kommt es dir also hauptsächlich auf möglichst geringes Gesamtgewicht an, kannst du deine Reifen mit der leichten Variante bestücken. Das gilt auch, wenn du fast ausschließlich auf feinem Asphalt unterwegs bist, auf dem es kaum Kiesel oder Schmutz gibt.

Soll der Schlauch auf deinem Alltagsrad oder auf weniger glattem Untergrund zum Einsatz kommen, fährst du besser mit den robusten Modellen und nimmst dafür ein paar Gramm mehr Gewicht in Kauf.

Fahrradschläuche aus Latex

Latexschläuche sind leichter und rollen besser als ihre Artgenossen aus Butyl, da das Material sehr flexibel ist und so den Rollwiderstand verringert. Allerdings sind sie weniger robust als Butyl-Schläuche und benötigt viel Fingerspitzengefühl beim Montieren. Fingernägel oder Reifenheber können den Schlauch schon vor dem ersten Kilometer Schachmatt setzen.

Dazu kommt, dass Latexschläuche schnell an Luft verlieren und du sie vor jeder Fahrt wieder aufpumpen musst. Damit sind Latexschläuche vor allem für ambitionierte Radsportler und selbst für die hauptsächlich für Wettkämpfe interessant.

Außerdem reagieren Latexschläuche empfindlich auf Hitze, die durch langes Bremsen über die Felge auf die Schläuche einwirken kann. Schlimmstenfalls platzen sie. Also nichts für Dauerbremser und lange Bergabfahrten.

Fahrradschläuche aus Thermoplast

Das dritte, relativ unbekannte Material ist Thermoplast. Der größte Unterschied zu Latex- und Butylschläuchen ist, dass sie aus einem Verbundmaterial anstelle von Gummi bestehen.

Dabei bringen Fahrradschläuche aus Thermoplast einige Vorteile mit: Sie sind leicht, sehr elastisch und verlieren nur langsam Luft . Darüber hinaus sind sie haltbarer als verwandte Schläuche und bieten damit den besten Pannenschutz. Dafür müssen Radfahrer jedoch einen höheren Preis zahlen.

Vor- und Nachteile der Materialien im Überblick

   
   
   
Vorteile   
   
Nachteile   
   
Butyl   
   
- Butylschläuche   verlieren nur langsam an Luft
   
- geringe Kosten   
   
- ggf. etwas   höheres Gewicht
   
- geringere   Pannensicherheit   
   
Latex   
   
- leichter als   Butyl, geringer Rollwidertand   
   
- sensibel
   
- ihnen geht   schneller die Luft aus   
   
Thermoplast   
   
- besonders leicht
   
- haltbar, robust   und pannensicher
   
- verlieren nur   langsam an Luft   
   
- hoher Preis   

Welchen Fahrradschlauch kaufen?

Prinzipiell lassen sich alle Schlauchmaterialien mit allen Fahrradtypen kombinieren – manche sind je nach Fahrstil und den individuellen Vorlieben nur eben weniger gut geeignet als andere. Welcher Schlauch der passende für dich ist, bestimmen neben dem Material aber auch Faktoren wie Laufradgröße, Felgenbreite und Fahrradtyp.

So findest du die passende Größe

Unabhängig vom Material muss der Fahrradschlauch zum Raddurchmesser (26 Zoll, 28 Zoll etc.) und der Felgenbreite passen. Das können bei einem Rennrad etwa Reifen mit 700 c nach dem französischen Maß, also 28 Zoll bzw. 622 Millimeter Innendurchmesser, und 20 bis 25 Millimeter in der Breite sein. Dann bräuchtest du einen Schlauch mit den Maßen 700 × 20-25.

Welcher Fahrradschlauch ist fürs Mountainbike geeignet?

Solange die Maße stimmen, kannst du dein MTB mit jedem Schlauch fahren. Welches Material am besten passt, hängt davon ab, worauf du am meisten Wert legst:

  • Leichte Butylschläuche rollen gut, sind aber anfälliger für Pannen.
  • Dickere Schläuche, wie sie beispielsweise im Downhill gefahren werden, sind etwas schwerer, aber pannenresistent . Allerdings musst du hier mehr Masse in Schwung bringen und damit Abstriche bei der Beschleunigung machen.
  • Wer leichte und stabile Schläuche haben möchte, kann auf Schläuche aus Thermoplast setzen, muss aber ein wenig tiefer in die Tasche greifen.

Welcher Fahrradschlauch ist fürs Rennrad geeignet?

Anders als in anderen Disziplinen, geht es beim Rennradfahren vor allem um Geschwindigkeit. Diese erreichen Rennradfahrer durch ein niedriges Gewicht und einen geringen Rollwiderstand. Fahrradschläuche aus Butyl und Thermoplast sind leicht, elastisch und rollen dadurch gut – und sind damit für Rennradfahrer in Wettkämpfen eine Überlegung wert.

Welcher Fahrradschlauch ist fürs E-Bike geeignet?

E-Bikes sind etwas schwerer und dank Motor mit mehr Power unterwegs. Hier eignen sich Fahrradschläuche mit dickerer Wandstärke, die auf ein höheres Gewicht und größere Kräfte ausgelegt sind. Die sind sehr pannensicher und halten die Luft gut. Das ist auch für Radfahrer praktisch, die mit Lasten unterwegs sind – also auf Cargobikes oder mit voll bepackten Radtaschen. Bei E-Bikes setzen die meisten Hersteller und Fahrer auf Schläuche aus Butyl oder Thermoplast.

Ist es sinnvoll, verschiedene Schläuche zu haben?

Insbesondere für Rennradfahrer kann es sinnvoll sein, verschiedene Schläuche für unterschiedliche Einsatzzwecke zu haben – also einen Schlauch für das Training und einen für den Wettkampf. Beim Training ist es für die meisten Sportler kein Weltuntergang, wenn der Schlauch ein paar Gramm mehr auf die Waage bringt und etwas schwerer rollt. Dann kann es sinnvoll sein, mit einem leichten Butylschlauch zu trainieren, den man nicht jeden Tag vor dem Training neu aufpumpen muss. Im Wettkampf kann es dann gern auch ein hochwertiger Latexschlauch sein.

Fahrradschlauch oder Tubelessreifen?

Tubelessreifen kommen, wie der Name schon sagt, ohne Schlauch aus. Neben feinen Unterschieden im Aufbau sind sie mit Dichtungsmittel gefüllt. Das füllt sofort (fast) alle Löcher, die entstehen, wenn du über Nägel, Dornen oder andere Fremdkörper hinweg bretterst. Allerdings ist er schwerer zu montieren als ein normaler Draht- oder Faltreifen und der Wartungsaufwand ist höher.

Ob man lieber mit einem Tubelessreifen oder klassischen Reifen mit Schlauch unterwegs ist, bleibt mehr oder weniger Geschmackssache.

Tipp: So verlängerst du die Haltbarkeit von Fahrradschläuchen

Dichtungsmittel

Einem platten Reifen kannst du entgegenwirken, indem du den Schlauch mit Dichtmilch füllst. Die legt sich über kleine Löchlein und Risse und verhindert, dass der Schlauch Luft verliert. Ventil rausschrauben, Dichtmittel rein, Ventil wieder einsetzen. Fertig. Hilft allerdings nicht bei großen Schäden.

Lagerung

Fahrradschläuche solltest in trockenen Räumen mit relativ konstant mäßigen Temperaturen aufbewahren. Extreme Temperaturen und Kalt-Warm-Wechsel können den Fahrradschlauch angreifen und porös werden lassen.

Flicken statt wechseln

Du musst deinen Fahrradschlauch nicht immer wechseln, wenn du einen Platten hast. Stattdessen kannst du ihn mit einem Flickset ganz einfach flicken – zumindest, wenn er nicht unglücklich von Dornen erwischt wurde und komplett mit winzigen Löchern übersät ist.

Fazit

Auf welches Material du setzen solltest, hängt von deinen persönlichen Präferenzen und deinem Fahrstil ab. Während für Alltagsradler und Mountainbiker dickere, aber dafür robuste und preiswerte Butylschläuche sinnvoll sein können, sind federleichte Latexschläuche für Rennradfahrer die bessere Wahl. Fahrradschläuche aus Thermoplast sind zwar teuer und es gibt noch wenig Anbieter. Sie können sich aber lohnen für alle, die einen leichten, pannensicheren Schlauch möchten.

Wir aus der Bikes.de-Redaktion haben eine große Leidenschaft: Fahrräder. Und diese Leidenschaft wollen wir mit dir teilen. Daher sind wir immer auf der Suche nach neuen, spannenden und relevanten Themen rund ums Rad, die dir Information und Orientierung bieten – und vor allem jede Menge Lust aufs Radfahren machen sollen. Viel Spaß beim Lesen!