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Federgabel am E-Bike: Das musst du wissen

Federgabel am E-Bike: Das musst du wisse...

26.05.2021 - Update: 16.06.2021

Federgabel am E-Bike: Das musst du wissen

Wenn du mit deinem E-Bike über holpriges Kopfsteinpflaster in der City ruckeln musst oder auch mal unebene Feld- und Waldweg fahren möchtest, kann eine Federgabel den Fahrkomfort und damit den Spaß im Sattel erhöhen.

Denn eine Federgabel federt ein und aus und gleicht so Bodenunebenheiten aus, was Stöße in den Rücken oder die Handgelenke reduziert. Wie eine Federgabel funktioniert, welche Arten es gibt und was es bezüglich der Einstellung und Wartung zu beachten gibt, erfährst du hier.

Was ist eine Federgabel?

Die Fahrradgabel ist die Komponente, die das Vorderrad mit dem Rahmen und der Vorbau-Lenker-Kombi verbindet. Bei einigen Fahrrädern, etwa beim Rennrad oder Gravelbike, ist diese Verbindung in der Regel starr. Beim E-Mountainbike oder E-Trekkingrad sitzt anstelle der starren Fahrradgabel oft eine flexible Gabel, deren Kolben in Rohre eintauchen und so Stöße abfedern – die sogenannte Federgabel.

Was bewirkt eine Federgabel am E-Bike?

Die Federgabel gleicht Bodenunebenheiten aus und lässt die Fahrt dadurch sanfter und weniger belastend für Rücken und Handgelenke werden, die sonst die volle Wucht der Stöße abbekommen würden.

Je nach Konstruktion kann eine starre Gabel Wurzeln, Kopfsteinpflaster und dergleichen nur minimal abfedern, da sie nicht darauf ausgelegt ist, nennenswert nachzugeben. Sie soll vielmehr die Kraft direkter auf die Straße bringen und dabei helfen, das Gesamtgewicht des Rades gering zu halten. Deshalb kommt sie normalerweise an Rädern zum Einsatz, die hauptsächlich auf glattem oder schottrigem Untergrund unterwegs sind.

Eine Federgabel gleicht Unebenheiten aus: Die Federung wird beim Kontakt mit einem Hindernis zusammengedrückt, wodurch die Standrohre in die Tauchrohre der Federgabel eintauchen. Dadurch passt sich dein Bike dem Höhenunterschied an. Ist die Bodenunebenheit überwunden, federn die Standrohre wieder aus. Eine Federgabel ebnet also ruppige Wege.

Welche Federungen gibt es und wie arbeiten sie?

Grundsätzlich gibt es zwei Typen von Federgabeln, die unterschiedlich arbeiten – die Stahl- und die Luftfedergabel.

Luftfederung

Die Luftfederung basiert auf einer Luftdämpfung. In der Federgabel befinden sich eine positive und eine negative Luftkammer, zwischen denen ein Kolben liegt. Bei einem Stoß drückt der Kolben auf das Luftpolster und die Gabel federt ein: Die positive Luftkammer komprimiert die Luft (Compression), während sich die negative Luftkammer ausdehnt (Expansion). Nimmt die Belastung wieder ab, wiederholt sich der Vorgang in umgekehrter Reihenfolge und das Luftpolster drückt den Kolben wieder nach oben (Rebound).

Stahlfederung

Bei einer Stahlfederung sitzt eine Stahlfeder in der Federgabel. Bei einem Stoß nimmt die Feder die Energie auf, indem sie sich zusammenzieht, wodurch sie den Aufprall abfedert. Nachdem sie den Stoß verarbeitet hat, dehnt sich die Feder wieder aus.

Dämpfer

An sich würde sich nach einem Stoß die zusammengezogene Federung schnellstmöglich wieder zurück in ihre Ausgangsposition begeben. Das würde aber dazu führen, dass die Federgabel unkontrolliert wippt. Da sie das nicht soll, ist in Federgabeln ein Dämpfer eingebaut.

Der Dämpfer ist das Gegenstück zur Federung. Er reguliert den Ausfedervorgang und verhindert, dass die Gabel sich aufschaukelt. Das geschieht durch Öl, das sogenannte Dämpferkartuschen beim Ein- und Ausfedern durch kleine Öffnungen und Ventile pressen, woraus sich eine dämpfende Wirkung ergibt.

Federgabel und Hinterbaufederung bei E-Bikes

Die meisten E-Bikes verfügen über eine Federgabel, bis auf einige E-MTB-Modelle haben sie aber keine Hinterbaufederung. Solche Bikes heißen auch Hardtail, da das Heck (tail) starr (hard) ist. Diese Konstruktion hat den Vorteil, dass die Kraft hinten unmittelbarer in Antrieb übersetzt wird und nicht über die Hinterbaufederung verloren geht.

Dieser Aspekt ist vor allem für Radfahrer interessant, die sich ihr E-Bike mitunter zugelegt haben, um Berge leichter überwinden zu können: Dank der besseren Kraftübertragung ist das E-Hardtail in Anstiegen effizienter als das E-Fully (Full-Suspension-Bike), das vorn und hinten über eine Federung verfügt. Aber ein Bike mit Federgabel ist normalerweise trotzdem weniger ein Kletterer als eines mit Starrgabel, da bergauf auch über das Einfedern der Gabel Vortrieb verpufft.

Darüber hinaus spart ein starrer Hinterbau Gewicht, was zum Beispiel für Pendler, die das Rad auch mal in den Öffentlichen mitnehmen möchten oder in den Fahrradkeller hieven müssen, angenehm ist.

E-Fullys sind vorn und hinten mit einer Federung ausgestattet. Sie haben in rauem Gelände und auf technischen Trails eine bessere Traktion, fahren sich stabiler und kontrollierbar. Allerdings sind solche E-Bikes etwas teurer und wartungsintensiver.

E-Bike-Typen wie das City E-Bike oder das Trekking E-Bike, die für gewöhnlich eher auf glattem bis leicht unebenem Untergrund unterwegs sind, haben normalerweise keine Hinterbaufederung – und die ist für den üblichen Einsatz dieser Bikes auch nicht nötig.

Federgabel am E-Bike richtig einstellen

Eine Stahlfedergabel lässt sich nicht einstellen, nur vorspannen. Entweder passt sie zum Fahrergewicht oder nicht. Ist der Fahrer zu leicht, taucht sie nicht genügend ein, ist er zu schwer, schlägt sie mitunter durch, was sie schneller kaputt gehen lässt.

Die Vorspannung macht die Dämpfung nur weicher oder straffer. Du musst ein solches Bike also vor dem Kauf Probe fahren und notfalls die Feder von einem Profi tauschen lassen.

Bei einer Luftfedergabel kannst du den Federweg verändern. Dafür benötigst du eine Dämpferpumpe mit Manometer, mit der du den Luftdruck anpassen kannst. Darüber hinaus brauchst du einen Kabelbinder, den du dort um das Standrohr legst, wo es auf das Tauchrohr trifft.

Setzt du dich dann auf das Rad, schiebt das einfedernde Standrohr den Kabelbinder nach oben und du erkennst, wenn du wieder abgestiegen bist, wie tief das Standrohr in das Tauchrohr gerutscht ist.

Nun misst du, wie viele Zentimeter das sind (Negativfederweg), und schaust, wie viel das im Verhältnis zum maximalen Federweg ist. Der Negativfederweg (SAG) sollte Pi mal Daumen 20 bis 30 Prozent des maximal möglichen Federwegs betragen, manche Hersteller geben auch Luftdruckempfehlungen, die sich an verschiedenen Fahrergewichten orientieren. Gegebenenfalls musst du den Luftdruck anpassen.

Um den Luftdruck einzustellen, nimmst du das Ventil auf dem linken Gabelbein ab und setzt die Dämpferpumpe darauf. Auf dem Manometer kannst du den aktuellen Luftdruck ablesen und nach deinen Bedürfnissen erhöhen. Falls du zu viel Luft reingepumpt hast, kannst du die Luft über den Luftablassknopf auch wieder ablassen.

Hast du den Negativfederweg eingestellt, geht es an den Restfederweg. Dieser sollte bei etwa einem Zentimeter liegen. Dazu schiebst du den Kabelbinder wieder nach unten und komprimierst die Gabel einmal kräftig, indem du im Stand einmal richtig auf den Lenker drückst und dadurch ordentlich Druck auf das Vorderrad ausübst.

Der Kabelbinder rutscht nach oben. Schau dir nun den Abstand zwischen dem Kabelbinder und dem oberen Ende des Tauchrohres an. Ist der Restfederweg zu klein, solltest du Luft nachfüllen.

Zugstufe einstellen

Die Zugstufe bestimmt, wie schnell die Federung nach einem Stoß wieder in ihre Ausgangsposition springt (Rebound). Um die Zugstufe einzustellen, komprimierst die Gabel einmal kräftig, indem du die Feder vom Lenker aus einmal ordentlich herunterdrückst und dann blitzartig loslässt. Dabei siehst du, wie schnell sich die Feder entspannt.

Um die Zugstufe einzustellen, drehst du den Knopf am rechten Gabelbein in die gewünschte Position (im Uhrzeigersinn = stärkerer Zug). Für die meisten Radfahrer passt eine mittlere Einstellung. Welche Zugstufe genau die richtige ist, ist von Fahrer zu Fahrer jedoch unterschiedlich. Ausprobieren!

Druckstufe einstellen

Die Druckstufe (Compression) entscheidet darüber, wie schnell die Gabel bei Belastung in das Rohr eintaucht. Die Druckstufe lässt sich je nach Federgabel über einen Drehknopf auf dem rechten Gabelbein oder einen Schalthebel am Lenker einstellen.

Die offene Einstellung (gegen den Uhrzeigersinn) ermöglicht es der Federgabel, schnell und ungehindert einzufedern, sodass sie Bodenunebenheiten im Gelände ausgleichen kann.

In der straffen Position (im Uhrzeigersinn) gibt sie erst bei starker Stoß- oder Abwärtskraft nach. Sperrst du sie, ist die Federung mehr oder weniger komplett blockiert.

Allgemein ist die straffe oder gesperrte Stufe eher für asphaltierte, glatte Straßen, für Wiegetritt- oder Berganfahren geeignet. Allerdings entscheidet auch hier der individuelle Geschmack mit darüber, welche Einstellung in welcher Situation die richtige ist.

Pflege und Wartung der Federgabel am E-Bike

Da Schlamm und Staub die Federgabel verschmutzen und die mechanische Beanspruchung das Innenleben und die Dichtungen belastet, braucht die Federgabel regelmäßig etwas Zuwendung. Dabei kannst du kleinere Aufgaben selbst durchführen:

  • Halte die Federgabel sauber und entferne Schmutz und Ablagerungen – im Idealfall nach jeder Fahrt.
  • Überprüfe den Luftdruck (bei Luftfederungen) regelmäßig.
  • Suche die Federgabel von außen immer mal wieder nach Kratzern ab. Tiefe Kratzer solltest du schnell behandeln (z. B. mit einem Lackstift ausbessern oder mit Sekundenkleber schließen und mit Nasspapier abschleifen), da sie dem Innenleben schaden und die Metalloberfläche, die unter dem Lack liegt, durch Korrosion schnell zerfressen können.
  • Schmiere die Staubdichtungen regelmäßig.
  • Überprüfe die Befestigungsschrauben der Federgabel regelmäßig auf das richtige Drehmoment.

Darüber hinaus müssen auch die innenliegenden Komponenten regelmäßig gereinigt und das Öl im Dämpfersystem muss gewechselt werden. Wenn es an das Innenleben geht, sollten Radfahrer mit wenig Schraubererfahrung die Wartung einem Profi überlassen.

Das hat mehrere gute Gründe: Das Innenleben besteht aus vielen Teilen, die du abmontieren und schließlich auch wieder richtig zusammensetzen müsstest.

Dabei ist das Fehlerrisiko für Ungeübte hoch. Ein Sturz durch eine versagende Gabel kann schlimm ausgehen. Darüber hinaus bräuchtest du einiges an speziellem Werkzeug.

Und das Wichtigste: Da Federgabeln hydraulische Systeme sind und mit Druck arbeiten, besteht beim Aufschrauben prinzipiell Verletzungsgefahr. Es empfiehlt sich also, mindestens einmal im Jahr die Federgabel in einer Profiwerkstatt warten zu lassen.

Fazit

Das Mehrgewicht einer Federgabel ist bei den ohnehin meist etwas schwereren E-Bikes kein Nachteil. Im Gegenteil: Besonders, wenn du viel auf unebenem Untergrund unterwegs bist (Kopfsteinpflaster, ungeteerte Wege ...), kann eine Federgabel am E-Bike Stöße abfedern und den Fahrkomfort erheblich steigern.

Allerdings nur, wenn Federung und Dämpfung gut aufeinander und auf den Fahrer abgestimmt sind. Und du solltest die Federgabel nicht nur regelmäßig pflegen, sondern auch mindestens einmal pro Jahr von einem Profi überprüfen lassen. Dann aber rollst du fast so über Kopfsteinpflaster und Wurzeln, als wären sie gar nicht da.