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Fahrradhelme: Welcher ist der beste für dich?

Fahrradhelme: Welcher ist der beste für ...

23.04.2021 - Update: 16.06.2021

Fahrradhelme: Welcher ist der beste für dich?

Hierzulande muss zwar niemand einen Fahrradhelm tragen, wenn er sich aufs Bike schwingt. Es trotzdem zu tun, kann aber das Risiko einer Kopfverletzung um 85 Prozent senken – das zeigen auch internationale Studien. Doch die Schutzfunktion ist nur eine, wenn auch eine ausschlaggebende, von vielen Eigenschaften, die ein Fahrradhelm aufweisen sollte. Faktoren wie Komfort, Belüftung, Gewicht, Handhabung und je nach Einsatzzweck auch eine gute Sichtbarkeit im Verkehr sind ebenso wichtig.

Wir zeigen dir, was es an verschiedenen Fahrradhelm-Typen gibt, mit welchen du sicher durch den Alltag kommst, welche Radhelme sich für ambitionierte Radsportler eignen und worauf du beim Kauf eines Fahrradhelms achten solltest.

Konstruktion

Drei Komponenten findest du bei allen Fahrradhelmen: eine äußere harte Schale, einen Körper aus Hartschaumstoff und Riemen, um den Helm unterm Kinn zu schließen.

  • Im Falle eines Sturzes kann die harte Schale mechanische Einwirkungen minimieren und sie gleitet auch leichter über den Untergrund.
  • Der EPS-Schaumstoffkörper wirkt als Knautschzone zwischen deinem Kopf und dem Gegenstand des Aufpralls. Er nimmt einen Teil der Bewegungsenergie auf, indem er sich komprimiert oder bricht.
  • Die Riemen sorgen dafür, dass der Helm an seinem Platz bleibt. Für gewöhnlich beschreiben zwei Riemen zusammen mit dem unteren Helmrand ein Dreieck um die Ohren und verjüngen sich dann zu einem Riemen mit Verschlussmechanismus unter dem Kinn.

Um zu verstehen, wie diese Komponenten miteinander verbunden sind, ist es notwendig, einen Blick auf die Herstellungsverfahren zu werfen. Man unterscheidet zwischen dem In-Mold-Verfahren und der punktuellen Verklebung. Beides bezieht sich auf den Verbund zwischen Schaumstoffkörper und Helmschale.

In-Mold-Verfahren

Im ersten Schritt wird mittels Thermoverfahren die äußere Schale des Helms aus einer Kunststoffplatte geformt. Sie ist glatt und robust. Im nächsten Schritt wird der Schaumstoff auf die Innenseite der Schale geschäumt. Dieses Verfahren soll durch einen flächigen Verbund zwischen Schale und Hartschaumstoffkörper eine gleichmäßige Energieverteilung im Falle eines Sturzes garantieren.

Punktuelle Verklebung

Bei diesem Verfahren werden die Außenschale und der Körper separat hergestellt und später zusammengeklebt. Durch die punktuelle Verklebung ist die Außenschale also nicht vollflächig mit dem innen liegenden Hartschaumstoffkern verbunden. Bei einem Sturz kommt es konstruktionsbedingt zu einer punktuellen statt einer flächigen Energieverteilung. Das geht auf Kosten der Schutzwirkung. Im schlimmsten Fall könnte sich beim Sturz die Außenschale lösen.

Fahrradhelme: Was sonst noch wichtig ist

Microshell-Helme

Microshell-Helme sind am weitesten verbreitet. Sie verfügen über eine relativ dünne und glatte Außenschicht, die den Helm stabilisiert. Das Eigengewicht ist niedriger als bei einem Hartschalenhelm, was den Helm bei Alltagsfahrern sowie Rennradfahrern beliebt macht. Leichter sind lediglich Weichschalenhelme, die aufgrund ihrer geringen Schutzwirkung jedoch kaum noch erhältlich sind.

Twin-Shell-Helme

Bei Twin-Shell-Helmen sitzt eine zweite Polycarbonatschale zwischen Oberschale und EPS-Körper. Diese Schale zieht sich in Form eines Gitters über den ganzen Helm und versteift ihn zusätzlich. Im In-Mold-Prozess wird sie mit der Außenschale und dem Körper thermisch verbunden. Dieses Gitter ermöglicht zusätzliche Aussparungen für eine gute Belüftung, ohne dabei die Stabilität zu beeinträchtigen.

Hard-Shell-Helme

Hartschalenhelme zeichnen sich durch eine dickere Außenschale und ein Maximum an Stabilität aus. Sie sind vor allem im Freeride- und Downhillbereich verbreitet. Um der Bergabfraktion der Mountainbiker gerecht zu werden, sind sie häufig zusätzlich mit einem Kinnbügel als Gesichtsschutz ausgestattet.

MIPS

MIPS® steht für Multi Directional Impact Protection System. Bei einem Sturz prallt dein Körper nicht linear auf, sondern ist starken Rotationsbewegungen ausgesetzt. In Helmen mit MIPS® befindet sich deshalb zusätzlich eine bewegliche Innenschale. Die gelöste Innen- und Außenverbindung absorbiert einen Teil der Rotationskräfte und minimiert dadurch die wirkenden Kräfte an der aufschlagenden Stelle. Das MIPS® wird neben Abus auch von zahlreichen anderen Herstellern von Fahrradhelmen wie Alpina oder Giro eingesetzt.

Alltagshelme

Helme für den Alltag kommen mit weniger Belüftungsschlitzen als beispielsweise Rennradhelme aus, da die Fahrten meist kürzer und weniger intensiv ausfallen und es nicht so sehr auf Aerodynamik ankommt. Und sie müssen auch nicht so stabil wie Downhill-Helme sein, da steile Abfahrten über buckelige Pisten auf dem Weg zum Supermarkt eher selten auf dem Programm stehen.

Stattdessen sind sie auf Komfort ausgelegt und mit nützlichen Features, wie eingebauten LED-Leuchten und Aussparungen für den Pferdeschwanz ausgestattet. Oft verhindern auch engmaschige Fliegennetze an der Helmfront, dass ungebetene Gäste über die Belüftungsschlitze in den Helm gelangen. Je nach Modell schützt eventuell ein kleiner Schirm dein Gesicht vor blendendem Sonnenlicht oder ersten Regentropfen.

Das Modell Hyban 2.0 des Herstellers Abus ist unter anderem mittels stark leuchtender Reflektoren für die Benutzung in der Stadt optimiert. Wird es richtig dunkel, kannst du deine Sicherheit erhöhen, indem du das integrierte LED-Rücklicht anschaltest. Fünf Lufteinlässe und acht Luftauslässe sowie extra Platz für einen Pferdeschwanz sollen den Tragekomfort erhöhen.

Smarte Helme

Eine neuere Entwicklung sind smarte Helme, die du über Bluetooth mit deinem Smartphone oder deiner Smartwatch verbinden kannst. Helme wie der BH51 Neo aus dem Hause Livall ermöglichen sogar das Telefonieren und Musikhören während der Fahrt. Dank der 270-Grad-Beleuchtung bist du von allen Seiten gut erkennbar.

Wer sich einen smarten Helm zulegt, sollte aber auch daran denken, dass er regelmäßig aufgeladen werden muss.

Rennradhelme

Jeder Radfahrer wird während der Fahrt von Luftströmungen umgeben. Je schneller du unterwegs bist, desto stärker musst du gegen die Luft ankämpfen. Rennradhelme sollen die Geschwindigkeit des Fahrers durch ihr aerodynamisches Design unterstützen.

Ein wichtiger Faktor ist auch das Gewicht, denn am Rennrad zählt jedes Gramm. Und: Wer schnell unterwegs ist, dem wird leichter heiß. Deshalb ist die Belüftung ebenfalls ein wichtiges Kriterium bei einem Rennradhelm.

Klassischer Helm

Der Fahrradhelm Fedaia des Herstellers Alpina ist ein Vertreter der klassischen Rennradhelme und wird im In-Mold-Verfahren hergestellt. Dank der Aussparungen ist dieser Helm 285 Gramm leicht. Ein dreischichtiges Schalensystem sorgt dafür, dass die Belüftung nicht auf Kosten der Sicherheit geht.

Der Helm lässt sich in zweierlei Hinsicht anpassen: Mittels Run System Classic kannst du die Größe des Helms über ein Verstellrad am Hinterkopf auch mit einer Hand anpassen. Über das neigbare Verstellsystem Costum Fit, das ebenfalls im Hinterkopfbereich sitzt, kannst du außerdem einstellen, wie hoch der Helm am Kopf sitzen soll. Eher seltener bei einem Rennradhelm, aber praktisch, ist das Insektennetz vorn.

Zeitfahrhelme mit Schweif

Diese Helme waren über viele Jahre der Standard bei Triathlonrennen und Zeitfahren. Zeitfahrhelme mit Schweif laufen am Hinterkopf tropfenförmig, lang und spitz zusammen. Der Helmabschluss muss genau der Rückenlinie des Fahrers folgen, um den Luftwiderstand zu reduzieren. Oft schützt ein Visier die Augen vor starkem Fahrtwind und Mücken. Das geht nahtlos in den Helm über und soll die Aerodynamik verbessern.

Damit die Vorteile dieses Helms zum Tragen kommen, müssen Helm und Sitzposition des Fahrers aber gut zusammenpassen und der Fahrer sollte den Kopf möglichst ruhig halten. Schaut er zum Beispiel nach unten, ragt der lange Stachel in die Höhe - und wird zum genauen Gegenteil von aerodynamisch.

Außerdem können Seitenwinde auf den Abschluss einwirken und den Fahrer bremsen. Immer öfter sind deshalb auch im Profisport Helme mit kurzer oder ganz ohne Spitze zu sehen.

Der Javelin von Bell gehört zu den Zeitfahrhelmen mit (mittellangem) Schweif. Er hat eine austauschbare Scheibe, die Ohrenkappen sind für leichteres Auf- und Absetzen flexibel und er lässt sich sowohl in der Höhe als auch in der Weite regulieren.

Aerohelme

Aerohelme haben keinen Schweif, sind glattflächig und besitzen wenig Belüftungsöffnungen, um Luftverwirbelungen zu verhindern. Stattdessen leiten sie den Fahrtwind strömungsgünstig um den Kopf und über den Rücken. Damit soll der Luftwiderstand gesenkt und die Geschwindigkeit erhöht werden. Um es unter der Aeroschale dennoch nicht zu heiß werden zu lassen, arbeiten die meisten Hersteller mit ausgeklügelten Belüftungskonzepten.

Der auf den ersten Blick komplett geschlossene Boost Pro von Rudy Project hat zum Beispiel düsenförmige Öffnungen an der Front. Diese sollen den Wind durch Belüftungskanäle über den Kopf führen. Das Vortex Killer System soll die Luftströmung dann schließlich an der Rückseite begradigen.

Mountainbikehelme

Ein Mountainbikehelm bedeckt mehr Zonen deines Kopfes als ein Rennradhelm. Das hat einen Grund: Während Fahrradfahrer, die auf dem Asphalt unterwegs sind, eher nach vorn stürzen, können Mountainbiker in jede Richtung fallen. Die Schläfen und der Hinterkopf benötigen einen zusätzlichen Schutz.

Ein Schild kann im Gelände nützlich sein, um vor Steinchen und Zweigen zu schützen. An vielen Modellen findest du außerdem Halterungen für Lampen und Helmkameras.

Tief gezogene Seitenteile und ein zusätzlicher Schutz für den Hinterkopf finden sich auch am uvex finale 2.0. Das ausgefeilte Luftmanagement, bestehend aus 20 Belüftungsöffnungen und 20 Belüftungskanälen stellt sicher, dass die Luftzirkulation dadurch nicht beeinträchtigt wird.

Downhill

Für Downhiller, die schnell über Geländewege abfahren, gibt es spezielle Helme. Solche Fullface-Helme sind so ausgelegt, dass sie nicht nur den Schädel, sondern auch empfindliche Gesichtspartien schützen.

Ein Kinnbügel läuft um die unteren Partien deines Gesichts, ein Schild soll Zweige und kleinen Steinchen von deinem mittleren Gesichtsbereich fernhalten.

Um deine Reaktionsfähigkeit trotz des Rundumschutzes nicht zu mindern, solltest du beim Anprobieren im Laden darauf achten, dass dein Sichtfeld nicht eingeschränkt ist. Je nach Material wiegt ein Fullface-Helm zwischen 700 und 1100 Gramm.

Der Kinnbügel des Super 3R MIPS von Bell lässt sich fürs Bergauffahren abnehmen. Wenn es abwärts geht, kannst du den Kinnbügel werkzeuglos am Fahrradhelm montieren und schon bist du bereit für eine rasante Abfahrt.

Dieser Helm hat ein MIPS® integriert. Außerdem verfügt er innen über X-Static-Padding. Das sind Polster, die schnell trocknen und dank verwobener Silberfasern gegen Gerüche und Bakterien wirken sollen.

Helme für Kinder

Fahrradhelme für Kinder unterscheiden sich nicht nur in der Größe von Radhelmen für Erwachsene. Die Stirnpartie fällt länger aus, damit das Gesicht besser geschützt ist. Ein flacher Nackenbereich sorgt dafür, dass Kinder in einem Kindertransporter sitzen können, ohne die Wirbelsäule abzuknicken. Besonders bei Fahrradhelmen für Kinder solltest du auf ein Qualitätssiegel achten – mehr dazu findest du weiter unten.

Kinder wachsen aus ihren Helmen heraus, dennoch ist von einem Kauf von gebrauchten Radhelmen dringend abzuraten! Selbst wenn der Helm äußerlich scheinbar in Ordnung ist, können im Inneren des Radhelms Risse und Beschädigungen vorhanden sein, die ein erhebliches Risiko für die Stabilität darstellen.

Den passenden Helm für Kinder zu finden ist nicht immer ganz einfach. Der ADAC hat aus diesem Grund eine Hilfestellung für den Kauf von Helmen für Kinder veröffentlicht. Darin findest du nicht nur wertvolle Tipps zum Neukauf, sondern auch Hinweise zum Umgang mit Radhelmen für Kinder.

Prüfsiegel

Für den Neukauf eines Fahrradhelms empfehlen wir dir, einen Fachhändler aufzusuchen, der neben der Qualität auch die korrekte Passform sicherstellen kann. Eine Orientierungshilfe können aber auch Prüfsiegel leisten, die an der Innenseite des Helms zu finden sind.

CE

Das CE-Zeichen bestätigt, dass der Helm alle EU-Richtlinien zur Sicherheit erfüllt. Ebenfalls sollte die Prüfnorm DIN EN 1078 vermerkt sein.

Damit haben sie eine Schutzwirkung, die den Kopf bei einem Aufprall mit 19,5 Kilometer pro Stunde auf einer ebenen Fläche beziehungsweise mit 16,5 Kilometer pro Stunde auf eine Kante schützt. Helme mit CE-Zeichen müssen aus einem unschädlichen und wetterbeständigen Material bestehen. Außerdem werden alle Komponenten des Helms auf Materialermüdung geprüft. Kinnriemen von Kinderhelmen müssen bei einer bestimmten Zugkraft reißen, um Strangulationen zu verhindern.

SNELL

SNELL ist eine amerikanische Prüfnorm und etwas anspruchsvoller als europäische Normen. Die sicherste Kategorie lautet SNELL B-95. Helme, die diesen Anforderungen entsprechen, sind meist etwas dickwandiger und damit schwerer.

ANSI und ASTM

ANSI-Standards nicht mehr aktuell und wurden von den ASTM-Kriterien abgelöst. ASTM steht für die American Society for Testing and Materials. Radhelme, die dieses Siegel tragen, haben einen freien Fall aus zwei Metern Höhe mit Aufprall auf einer Metallfläche überstanden.

Wichtig: Ein Helm schützt nur einmal. Nach einem Sturz solltest du deinen Fahrradhelm deshalb auswechseln.

Teure Helme oder billige Helme

Jeder Helm, der hierzulande im Handel erhältlich ist, muss also eine Reihe an Tests bestehen und gilt als sicher. Wie erklärt sich aber dann der teils eklatante Preisunterschied zwischen den einzelnen Modellen?

1) Gewichtsunterschiede
Leichte Helme sind teurer. Große Belüftungsschlitze können die Hersteller vor Herausforderungen stellen. Um trotz der Aussparungen ausreichende Stabilität zu gewährleisten, müssen sie Gitterstrukturen entwickeln und diese sicher mit den restlichen Schichten verbinden. Das ist ein Aufwand, der sich im Preis niederschlägt.

3) Einstellung
Teure Modelle kommen meist mit einem komfortablen Verstellsystem. Bei günstigen Modellen kann das Einstellen der Fahrradhelme auch mal fummelig werden. Bei einigen Herstellern, wie zum Beispiel Alpina, kannst du sogar zwischen verschiedenen Verschlusssystemen wählen.

2) Zusatzausstattung
Erweiterte Funktionen wie ein MIPS oder integrierte Beleuchtung können ebenso einen Einfluss auf den Preis haben. Wer nicht auf seine Zusatzausstattung verzichten möchte, muss etwas tiefer in die Taschen greifen.

Sicherheit bei jeder Fahrt

Wie bereits erwähnt, gibt es in Deutschland keine allgemeine Helmpflicht für Fahrradfahrer, dennoch empfehlen Stellen wie die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie das Tragen eines Fahrradhelms.

Ein Helm kann einen Unfall zwar nicht verhindern, aber er kann Kopf- und Hirnverletzungen vermeiden oder weniger schwer ausfallen lassen. Vor dem Kauf solltest du dir im Klaren darüber sein, welche Strecken du mit deinem Helm befahren willst. Lass dich am besten von einem Fachhändler beraten, um die perfekte Passform zu finden. Kombiniert mit praktischen Features findest du den idealen Begleiter für jeden Einsatzzweck.