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Fahrradhelme: Welcher ist der beste für dich?

Fahrradhelme: Welcher ist der beste für ...

23.04.2021 - Update: 23.08.2021


Es lohnt sich, einen Fahrradhelm zu tragen: Mit Helm kann das Risiko einer Kopfverletzung um 85 Prozent sinken – das zeigen auch internationale Studien. Doch die Schutzfunktion ist nur eine ausschlaggebende von vielen Eigenschaften, die ein Fahrradhelm aufweisen sollte. Faktoren wie Komfort, Belüftung, Gewicht, Handhabung und je nach Einsatzzweck auch eine gute Sichtbarkeit im Verkehr sind ebenso wichtig.

Wir zeigen dir, was es an verschiedenen Fahrradhelm-Typen gibt, mit welchen du sicher durch den Alltag kommst, welche Helme sich für ambitionierte Radsportler eignen und worauf du beim Kauf eines Fahrradhelms achten solltest.

Konstruktion

Drei Komponenten findest du bei allen Fahrradhelmen: eine äußere harte Schale, einen Körper aus Hartschaumstoff und Riemen, um den Helm unterm Kinn zu schließen.

  • Im Falle eines Sturzes kann die harte Schale mechanische Einwirkungen minimieren und sie gleitet auch leichter über den Untergrund.
  • Der EPS-Schaumstoffkörper (EPS = expandiertes Polystyrol) wirkt als Knautschzone zwischen deinem Kopf und dem Gegenstand des Aufpralls. Er nimmt einen Teil der Bewegungsenergie auf, indem er sich komprimiert oder bricht.
  • Die Riemen sorgen dafür, dass der Helm an seinem Platz bleibt. Für gewöhnlich beschreiben zwei Riemen zusammen mit dem unteren Helmrand ein Dreieck um die Ohren. Dann verjüngen sie sich zu einem Riemen mit Verschlussmechanismus unter dem Kinn.

Um zu verstehen, wie diese Komponenten miteinander verbunden sind, ist es notwendig, einen Blick auf die Herstellungsverfahren zu werfen. Man unterscheidet zwischen dem In-Mold-Verfahren und der punktuellen Verklebung. Beides bezieht sich auf den Verbund zwischen Schaumstoffkörper und Helmschale.

In-Mold-Verfahren

Im ersten Schritt formt man mittels Thermoverfahren die äußere Schale des Helms aus einer Kunststoffplatte. Sie ist glatt und robust. Im nächsten Schritt schäumt man den Schaumstoff auf die Innenseite der Schale. Dieses Verfahren soll durch einen flächigen Verbund zwischen Schale und Hartschaumstoffkörper eine gleichmäßige Energieverteilung im Falle eines Sturzes garantieren.

Punktuelle Verklebung

Bei diesem Verfahren stellt man Außenschale und Körper separat her und klebt sie später zusammen. Durch die punktuelle Verklebung ist die Außenschale also nicht vollflächig mit dem innen liegenden Hartschaumstoffkern verbunden. Bei einem Sturz kommt es konstruktionsbedingt zu einer punktuellen Energieverteilung, was die Schutzwirkung mindert. Das geht auf Kosten der Schutzwirkung.

Fahrradhelme: Was sonst noch wichtig ist

Microshell-Helme

Microshell-Helme sind am weitesten verbreitet. Sie verfügen über eine dünne und glatte Außenschicht, die den Helm stabilisiert. Das Eigengewicht ist niedriger als bei einem Hartschalenhelm, was den Helm bei Alltagsfahrern sowie Rennradfahrern beliebt macht. Leichter sind lediglich Weichschalenhelme, die aufgrund ihrer geringen Schutzwirkung jedoch kaum noch erhältlich sind.

Twin-Shell-Helme

Bei Twin-Shell-Helmen sitzt eine zweite Polycarbonatschale zwischen Oberschale und EPS-Körper. Diese Schale zieht sich in Form eines Gitters über den ganzen Helm und versteift ihn zusätzlich. Im In-Mold-Prozess wird sie mit der Außenschale und dem Körper thermisch verbunden. Dieses Gitter ermöglicht zusätzliche Aussparungen für eine gute Belüftung, ohne die Stabilität zu beeinträchtigen.

Hard-Shell-Helme

Hartschalenhelme zeichnen sich durch eine dickere Außenschale und ein Maximum an Stabilität aus. Sie sind vor allem im Freeride- und Downhillbereich verbreitet. Um der Bergabfraktion der Mountainbiker gerecht zu werden, sind sie häufig zusätzlich mit einem Kinnbügel als Gesichtsschutz ausgestattet.

MIPS

MIPS ® steht für Multi Directional Impact Protection System. Bei einem Sturz prallt dein Körper nicht linear auf – er ist starken Rotationsbewegungen ausgesetzt. In Helmen mit MIPS® befindet sich deshalb zusätzlich eine bewegliche Innenschale, die die wirkenden Kräfte an der aufschlagenden Stelle minimiert. Hersteller wie Abus, Alpina oder Giro setzen das MIPS® ein.

Alltagshelme

Helme für den Alltag sind auf Komfort ausgelegt und mit nützlichen Features, wie eingebauten LED-Leuchten und Aussparungen für den Pferdeschwanz, ausgestattet. Oft verhindern engmaschige Fliegennetze an der Helmfront, dass ungebetene Gäste über die Belüftungsschlitze in den Helm gelangen. Je nach Modell schützt eventuell ein kleiner Schirm dein Gesicht vor blendendem Sonnenlicht oder ersten Regentropfen.

Smarte Helme

Eine neuere Entwicklung sind smarte Helme, die du über Bluetooth mit deinem Smartphone oder deiner Smartwatch verbinden kannst. Solche Helme ermöglichen es sogar, während der Fahrt zu telefonieren oder Musik zu hören. Wer sich einen smarten Helm zulegt, sollte aber auch daran denken, dass er regelmäßig aufgeladen werden muss.

Rennradhelme

Rennradhelme sollen die Geschwindigkeit des Fahrers durch ihr aerodynamisches Design unterstützen. Ein wichtiger Faktor ist auch das Gewicht, denn am Rennrad zählt jedes Gramm. Und: Wer schnell unterwegs ist, dem wird leichter heiß. Deshalb ist die Belüftung ebenfalls ein wichtiges Kriterium bei einem Rennradhelm.

Zeitfahrhelme mit Schweif

Diese Helme waren über viele Jahre der Standard bei Triathlonrennen und Zeitfahren. Zeitfahrhelme mit Schweif laufen am Hinterkopf tropfenförmig, lang und spitz zusammen. Der Helmabschluss muss genau der Rückenlinie des Fahrers folgen, um den Luftwiderstand zu reduzieren. Oft schützt ein Visier die Augen vor starkem Fahrtwind und Mücken. Das geht nahtlos in den Helm über und soll die Aerodynamik verbessern.

Außerdem können Seitenwinde auf den Abschluss einwirken und den Fahrer bremsen. Immer öfter sind deshalb auch im Profisport Helme mit kurzer oder ganz ohne Spitze zu sehen.

Aerohelme

Aerohelme haben keinen Schweif, sind glattflächig und besitzen wenig Belüftungsöffnungen, um Luftverwirbelungen zu verhindern. Stattdessen leiten sie den Fahrtwind strömungsgünstig um den Kopf und über den Rücken. Damit soll der Luftwiderstand gesenkt und die Geschwindigkeit erhöht werden. Um es unter der Aeroschale dennoch nicht zu heiß werden zu lassen, arbeiten die meisten Hersteller mit ausgeklügelten Belüftungskonzepten.

Mountainbikehelme

Ein Mountainbikehelm bedeckt mehr Zonen deines Kopfes als ein Rennradhelm. Das hat einen Grund: Während Fahrradfahrer, die auf dem Asphalt unterwegs sind, eher nach vorn stürzen, können Mountainbiker in jede Richtung fallen. Die Schläfen und derHinterkopf benötigen einen zusätzlichen Schutz. Ein Schild kann im Gelände nützlich sein, um vor Steinchen und Zweigen zu schützen. An vielen Modellen findest du außerdem Halterungen für Lampen und Helmkameras.

Für Downhiller, die schnell über Geländewege abfahren, gibt es spezielle Helme. Solche Fullface-Helme sind so ausgelegt, dass sie nicht nur den Schädel, sondern auch empfindliche Gesichtspartien schützen.

Helme für Kinder

Fahrradhelme für Kinder unterscheiden sich nicht nur in der Größe von Radhelmen für Erwachsene. Die Stirnpartie fällt länger aus, damit das Gesicht besser geschützt ist. Ein flacher Nackenbereich sorgt dafür, dass Kinder in einem Kindertransporter sitzen können, ohne die Wirbelsäule abzuknicken. Besonders bei Fahrradhelmen für Kinder solltest du auf ein Qualitätssiegel achten – mehr dazu findest du weiter unten.

Kinder wachsen aus ihren Helmen heraus, dennoch ist von einem Kauf von gebrauchten Radhelmen dringend abzuraten! Selbst wenn der Helm äußerlich scheinbar in Ordnung ist, können im Inneren kleine Risse und Beschädigungen vorhanden sein, die ein erhebliches Risiko für die Stabilität darstellen.

Den passenden Helm für Kinder zu finden ist nicht immer ganz einfach. Der ADAC hat aus diesem Grund eine Hilfestellung für den Kauf von Helmen für Kinder veröffentlicht. Darin findest du nicht nur wertvolle Tipps zum Neukauf, sondern auch Hinweise zum Umgang mit Radhelmen für Kinder.

Prüfsiegel

Für den Neukauf eines Fahrradhelms empfehlen wir dir, einen Fachhändler aufzusuchen, der neben der Qualität auch die korrekte Passform sicherstellen kann. Eine Orientierungshilfe können aber auch Prüfsiegel leisten, die an der Innenseite des Helms zu finden sind.

CE

Das CE-Zeichen bestätigt, dass der Helm alle EU-Richtlinien zur Sicherheit erfüllt. Ebenfalls sollte die Prüfnorm DIN EN 1078 vermerkt sein. Damit haben sie eine Schutzwirkung, die den Kopf bei einem Aufprall mit 19,5 Kilometer pro Stunde auf einer ebenen Fläche beziehungsweise mit 16,5 Kilometer pro Stunde auf eine Kante schützt.

Helme mit CE-Zeichen müssen aus einem unschädlichen und wetterbeständigen Material bestehen. Außerdem werden alle Komponenten des Helms auf Materialermüdung geprüft. Kinnriemen von Kinderhelmen müssen bei einer bestimmten Zugkraft reißen, um Strangulationen zu verhindern.

SNELL

SNELL ist eine amerikanische Prüfnorm und etwas anspruchsvoller als europäische Normen. Die sicherste Kategorie lautet SNELL B-95. Helme, die diesen Anforderungen entsprechen, sind meist etwas dickwandiger und damit schwerer.

ANSI und ASTM

ANSI-Standards nicht mehr aktuell und wurden von den ASTM-Kriterien abgelöst. ASTM steht für die American Society for Testing and Materials . Radhelme, die dieses Siegel tragen, haben einen freien Fall aus zwei Metern Höhe mit Aufprall auf einer Metallfläche überstanden.

Wichtig: Ein Helm schützt nur einmal. Nach einem Sturz solltest du deinen Fahrradhelm deshalb auswechseln.

Teure Helme oder billige Helme

Jeder Helm, der hierzulande im Handel erhältlich ist, muss also eine Reihe an Tests bestehen und gilt als sicher. Wie erklärt sich aber dann der teils eklatante Preisunterschied zwischen den einzelnen Modellen?

1) Gewichtsunterschiede

Leichte Helme sind teurer. Große Belüftungsschlitze können die Hersteller vor Herausforderungen stellen. Um trotz der Aussparungen ausreichende Stabilität zu gewährleisten, müssen sie Gitterstrukturen entwickeln und diese sicher mit den restlichen Schichten verbinden. Das ist ein Aufwand, der sich im Preis niederschlägt.

2) Zusatzausstattung

Erweiterte Funktionen wie ein MIPS oder integrierte Beleuchtung können ebenso einen Einfluss auf den Preis haben.

3) Einstellung

Teure Modelle kommen meist mit einem komfortablen Verstellsystem. Bei günstigen Modellen kann das Einstellen der Fahrradhelme auch mal fummelig werden.

Sicherheit bei jeder Fahrt

Ein Helm kann einen Unfall zwar nicht verhindern, aber er kann vor schwerwiegenden Kopf- und Hirnverletzungen schützen. Vor dem Kauf solltest du dir im Klaren darüber sein, welche Strecken du mit deinem Fahrradhelm befahren willst. Lass dich am besten von einem Fachhändler beraten, um die perfekte Passform zu finden.

Wir aus der Bikes.de-Redaktion haben eine große Leidenschaft: Fahrräder. Und diese Leidenschaft wollen wir mit dir teilen. Daher sind wir immer auf der Suche nach neuen, spannenden und relevanten Themen rund ums Rad, die dir Information und Orientierung bieten – und vor allem jede Menge Lust aufs Radfahren machen sollen. Viel Spaß beim Lesen!