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Verkehr

Mobilität in Deutschland: Das fordern E-Bike-Hersteller

Mobilität in Deutschland: Das fordern E-...

23.04.2021 - Update: 15.09.2021



Radwege enden plötzlich, Radschnellstraßen finden in Verkehrskonzepten bislang selten ihren Platz, die Wirtschaftsförderung für klimafreundlichere Verkehrs- und Transportlösungen ist ausbaufähig.

Nicht immer läuft alles rund für Fahrräder und E-Bikes. Für eine nachhaltige Mobilitätswende muss von Seiten der Regierung noch einiges passieren.

Auch internationale Vergleiche wie der Fahrradstädte-Index von Coya zeigen, dass deutsche Städte wie München, Dortmund und Stuttgart schlechter abschneiden als Vorreiter wie Utrecht, Kopenhagen oder Amsterdam.

Insbesondere in Hinblick auf fahrradbezogene Events wie autofreie Tage und Critical-Mass-Fahrradaktionen, die E-Bikes und Fahrrädern als Verkehrsmittel mehr Aufmerksamkeit einräumen, können sich deutsche Städte und Gemeinden noch deutlich verbessern. 

Mobilitätswende: Fahrrad als gleichberechtigtes Verkehrsmittel anerkennen

Birgit Greif, Product Designerin bei Green’s, erklärt: „Für uns als Marke Green’s ist es besonders wichtig, dass das Fahrrad als gleichberechtigtes Verkehrsmittel anerkannt wird. Das gilt insbesondere für Städte, Gemeinden und die Länder, denn dort ist das Rad als Verkehrsmittel vielfach noch nicht in den Köpfen der Verantwortlichen angekommen. Das betrifft zum Beispiel nicht nur die städtebauliche Planung, sondern insbesondere auch die Kommunikation dieser öffentlichen Stellen hinsichtlich des Bürgers über das Fahrrad als wichtigen Teil der Mobilität. Da tut eine Meinungsbildung pro Fahrrad oft noch Not.“

Birgit Greifs Worte und ein offener Brief, mit dem sich deutsche Hersteller der Fahrradbranche wie das Mobility-Startup Swobbee mit Fokus auf Wechselakku-Stationen, die Cargobike-Hersteller ONO und BAYK sowie der Radlogistikverband Deutschland e. V. (RLVD) im Juli 2020 an das Verkehrsministerium gewandt haben, zeigen:

Damit es zu einer nachhaltigen Mobilitätswende kommt, müssen Fahrräder, E-Bikes und klimafreundliche Transportlösungen wie Lastenräder in den Köpfen der Gesellschaft und insbesondere auch der Verantwortlichen ankommen.

Das Machtmonopol darf nicht mehr nur allein beim Auto liegen. Das Bike muss als gleichberechtigtes Fahrzeug anerkannt werden. Das bedeutet nicht, dass Autos von den Straßen verschwinden sollen. Sondern vielmehr, dass die städtebauliche Planung und Investitionen in die Infrastruktur Autos und Fahrräder näher zusammenbringt – nicht unbedingt im räumlichen Sinne, aber so, dass in Zukunft beide ihren Platz finden, friedlich koexistieren und auf deutschen Straßen gut vorankommen.

Konkrete Verbesserungsvorschläge: Rad-Schnellspuren, breitere Radwege für Cargobikes, mehr Lademöglichkeiten

Der erste und wichtigste Schritt besteht also darin, das Bewusstsein für Fahrräder und E-Bikes als gleichberechtigte Verkehrsmittel zu fördern und neuen, smarten Transportlösungen mehr Aufmerksamkeit und Platz einzuräumen. Erst dann können konkrete Maßnahmen folgen, um das Miteinander von Autos und Fahrrädern zu erleichtern und in puncto Mobilität voranzukommen.

Mit diesen konkreten Forderungen wollen Hersteller aus dem Bereich Elektromobilität schließlich eine nachhaltige Verkehrswende erreichen:

  • Ein großes Radwegenetz, das die Attraktivität der umweltfreundlichen Mobilitätsalternative weiter erhöht.
  • Breitere Radverkehrsanlagen, damit auch Lastenräder ihren Platz finden.
  • Radschnellstraßen, die Innenstädte entlasten und hohe Geschwindigkeiten im urbanen Transport ermöglichen.
  • Eine adäquate Ladeinfrastruktur für E-Lastenräder, um Schnelligkeit und Flexibilität zu erreichen.
  • Ein angepasster Rechtsrahmen, der die Bedeutung von Lastenrädern reflektiert und insbesondere die Bedingungen für die gewerbliche Nutzung von E-Cargobikes verbessert.
  • Eine Verknüpfung von Klimaschutz und Wirtschaftsförderung, um die notwendige Reduzierung der Emissionen zu erreichen und durch die Förderung entsprechender Technologien eine direkte Investition in eine nachhaltige Zukunft zu tätigen.
  • Stärkere Forschungsförderungen für Radlogistiksysteme, um die Forschung und Entwicklung auf der technischen Ebene zu stärken, Innovationen in nachhaltigen Logistiksystemen zu erleichtern und den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen weiter zu steigern.

Auch Georg Wagner, Head of Marketing der BICO Zweirad Marketing GmbH, die 700 Fahrrad-Fachhändler vereint, ist der Ansicht, dass das Fahrrad mehr Aufmerksamkeit verdient und nennt zwei wichtige Punkte:

  • „Wir fordern, dass Kurzstreckenmobilität als Ganzes betrachtet wird (Vierrad und Zweirad). An dieser Stelle ist das Dienstradleasing ein guter Anfang und positiv hervorzuheben.
  • Der Ausbau moderner Verkehrswege, vor allem in den Innenstädten, sollte durch die Regierung weiter fokussiert werden. Als gutes Beispiel kann hier Kopenhagen herangezogen werden.“

Dort gibt es bereits ein weit ausgebautes Radwegenetz mit hochwertigen Radwegen und Radschnellwegen, die dort „cykelsuperstiers“ heißen. Und Kopenhagen investiert weiter in die Qualität der Infrastruktur – daran können wir uns hierzulande oft noch ein Beispiel nehmen.

So kannst du selbst zur Mobilitätswende beitragen

Für Bürger und Endverbraucher gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Bike ins Bewusstsein der Verantwortlichen zu bringen und dadurch die Mobilitätswende zu fördern. Du kannst deine Meinung am besten dadurch ausdrücken, was du kaufst.

Das klappt bereits ganz gut: Während Fahrradhersteller 2018 in Deutschland noch 690.000 E-Bikes produzierten, waren es 2019 bereits 960.000 E-Bikes. Damit ist die Produktion um etwa 40 Prozent gestiegen, was wir einer steigenden Nachfrage zu verdanken haben.

Auch bei klimafreundlichen Transportlösungen wie Cargobikes lassen sich steigende Verkaufszahlen beobachten. Das wachsende Interesse und die zunehmende Nutzung von Fahrrädern, Lastenrädern und E-Bikes verdeutlicht das Interesse der Bürger an dieser Fortbewegungsart.

Neben dem Konsumverhalten gibt es aber noch weitere Möglichkeiten, wie du am gesellschaftlichen oder politischen Leben teilnehmen, mitbestimmen und das Fahrrad als Verkehrsmittel stärken kannst. 

So kannst du dich zum Beispiel an Petitionen beteiligen, aber auch selbst zu einem fahrradbezogenen Thema Unterschriften sammeln und bei deiner Gemeinde einreichen, um so auf ein Anliegen aufmerksam zu machen.

Außerdem kannst du deine Ideen und Wünsche direkt bei der Bürgerversammlung deiner Gemeinde äußern, um bei politischen Entscheidungen auf kommunaler Ebene mitzubestimmen. So können Radfahrer ihren Teil beitragen und gemeinsam auf eine nachhaltige Mobilität hinarbeiten.

Nach ihrem Studium der Literaturwissenschaften widmet sich Luisa nun der Sonderpädagogik, wobei ihr Schwerpunkt auf der emotionalen und sozialen Entwicklung liegt. Ihrer Liebe zum Schreiben und zum Sport kann sie als Redakteurin für Bikes.de weiterhin nachgehen. Wenn sie nicht gerade am Studieren und Schreiben ist, trifft man sie zum Wandern, Joggen und Radfahren irgendwo im Wald an. Für Luisa ist das Fahrrad ein umweltfreundliches Fortbewegungsmittel, ein Sportgerät und ein tolles Fahrzeug, um Natur zu erleben und die Welt zu entdecken. Am liebsten ist sie mit ihrem Trekkingrad oder ihrem Mountainbike unterwegs.