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Werkstatt & Wartung

So machst du dein Fahrrad fit für den Frühling

So machst du dein Fahrrad fit für den Fr...

29.04.2021 - Update: 23.08.2021



Viele Pendler nutzen ihr Bike den ganzen Winter über als ökologische Alternative zum Auto. Wenn die Temperaturen wieder nach oben klettern, holen auch Gelegenheitsfahrer ihr Bike aus dem Winterschlaf.
In beiden Fällen ist die kalte Jahreszeit wahrscheinlich nicht spurlos am Fahrrad vorübergegangen. Eine gründliche Reinigung, ein Fahrradcheck und etwaige Reparaturen gehören zum Pflichtprogramm vor dem Start in die neue Saison. Wir zeigen dir, wie du dein Fahrrad in drei Schritten fit für den Frühling machst.

Schritt 1: Die Begutachtung

Reinigung

Bevor du mit der Begutachtung beginnst, solltest du dein Fahrrad reinigen , denn an einem sauberen Rad erkennst du Mängel oder Schäden leichter. Für die Reinigung benötigst du einen Fahrradreiniger , einen Schwamm , eine alte Zahnbürste und ein saugfähiges Tuch.

Sprühe den Reiniger auf den Rahmen und die Anbauteile und lasse ihn gut einwirken. Mit einem Schwamm kannst du den Schmutz danach leicht abwischen. Filigrane Teile reinigst du am besten sorgfältig mit einer Zahnbürste. Die hat außerdem den Vorteil, dass du damit auch in verwinkelte Ecken kommst. Mit einem saugfähigen Tuch kannst du das Fahrrad abtrocknen und Wasserflecken am Rahmen entfernen.

Vorbereitung

Um von allen Seiten bequem an dein Fahrrad zu gelangen, solltest du es für den Frühjahrs-Check in einen Montageständer klemmen. Wenn du keinen Montageständer hast, kannst du das Rad auf den Lenker stellen. Ein altes Laken als Unterlage schützt sowohl Fahrrad als auch Boden vor Kratzern.

Rahmen-Check

Der Rahmen ist das Tragwerk deines Bikes. Auf ihn wirken Antriebs-, Brems- und Lenkkräfte, deshalb solltest du ihn auf seine Stabilität hin untersuchen. Überprüfe besonders die stark belasteten Stellen wie Kettenstreben, Sitzstreben und das Steuerrohr bei gutem Licht. Wenn der Rahmen eine kleine Delle, zum Beispiel am Unterrohr, aufweist, ist das nicht schlimm. Findest du aber Risse im Rahmen oder an den Schweißnähten ist die Sicherheit auf dem Bike nicht mehr gewährleistet. Im Falle eines Sturzes kann ein kleiner Riss zum Rahmenbruch führen.

Laufrad-Check

Drehe das Laufrad und kontrolliere, ob es rund und geräuschlos läuft. Fährst du öfter über Bordsteine oder hat das Laufrad eine zu geringe Speichenspannung , kann sich eine „Acht", also ein Seitenschlag bilden. Ein Zentrieren des Laufrads schafft Abhilfe. Wie das funktioniert erfährst du im zweiten Schritt.

Reifen-Check

Nun solltest du den Mantel darauf prüfen, ob das Profil abgefahren ist. Sind Karkassenfäden auf der Lauffläche sichtbar, ist der Reifen bereits zu stark abgefahren und sollte schnellstmöglich gewechselt werden. Begutachte auch die Seiten des Mantels , um Risse oder andere Beschädigungen frühzeitig zu erkennen. Während einer längeren Lagerung im Winter kann die Luft aus dem Reifen entweichen , ohne dass er ein Loch haben muss. Für einen Reifendruckschnelltest drücke mit den Daumen auf den Reifen. Lässt er sich mehr als einen halben Zentimeter eindrücken, muss er definitiv aufgepumpt werden. Genauere Auskunft gibt eine Luftpumpe mit eingebautem Manometer.

Bremsen-Check

Nach längeren Ruhephasen solltest du deine Bremsen unbedingt kontrollieren, denn sie können in bedrohlichen Situationen lebensrettend sein. Die häufigsten Verschleißteile an den Bremsen sind die Bremsbeläge. Felgenbremsbeläge sind oft mit Markierungen ausgestattet, die anzeigen, wann sie getauscht werden sollten. Im zweiten Schritt erklären wir, wie du die Bremsklötze wechselst. Der Austausch von Scheibenbremsen ist etwas komplexer und sollte von einer Fachkraft durchgeführt werden.

Ziehst du den Bremshebel bis zum Lenker durch und hast trotzdem kaum Bremswirkung, kann es auch sein, dass du die Bremszüge nachstellen musst. Wie das funktioniert, erfährst du ebenfalls in Schritt zwei.

Schaltungs-Check

Die Schaltung ist während der Fahrt ständig in Betrieb. Schmutz und Erschütterungen können dazu führen, dass sie irgendwann nicht mehr rundläuft. Überprüfe, ob das Schaltwerk äußerlich beschädigt oder verbogen ist. Ein Blick von hinten auf das Schaltwerk verrät, ob die beiden Führungselemente der Kette exakt untereinander angeordnet sind.

Licht-Check

Scheinwerfer und Rücklicht sollten ebenfalls einwandfrei funktionieren. Ist das nicht der Fall, liegt es meist an einer defekten Glühbirne. Es kann sich aber auch die Kabelverbindung gelöst haben, sie lässt sich bei fast allen Scheinwerfen einfach wieder feststecken.

Schritt 2: Beheben der Probleme

Zentrieren eines Seitenschlags

Werkzeug: Speichenspanner oder Speichenschlüssel

Anleitung: Um die Stelle mit dem Schlag zu lokalisieren, drehst du das Rad vorsichtig und blickst von hinten auf die rotierende Felge. Du kannst deinen Finger als Anschlag benutzen.

Hast du den Bereich, an dem die Felge einen Schlag hat bestimmt, kannst du die Acht mit dem Speichenschlüssel beseitigen. Wenn die Felge einen Schlag nach rechts hat, musst du sie auf die linke Seite ziehen, um das Laufrad zu zentrieren. Dafür spannst du die von der Nabe hochlaufenden Speichen auf der linken Seite.

Um die Speiche zu spannen, fädle den Spanner um den jeweiligen Speichennippel und drehe eine halbe Drehung nach links. Wiederhole den Durchgang, falls dein Rad noch immer einen leichten Seitenschlag aufweisen sollte.

Tipp: Spanne immer nur mit einer halben Drehung, um die Speichen nicht zu überspannen.

Reifen- oder Schlauchwechsel

Werkzeug: Reifenheber
Ersatzteile: Mantel oder Schlauch

Anleitung: Der Mantel muss von der Felge entfernt werden, wenn du ihn gegen einen neuen austauschst, oder wenn du an den darunter liegenden Schlauch gelangen möchtest.

Lasse dafür zuerst die Luft aus deinem Reifen. Schraube das Ventil auf und entferne auch die Mutter. Nachdem du das Rad ausgebaut hast, kannst du den Reifenheber zwischen Felge und Mantel stecken und den Mantel über die Felge heben.

Um den Reifenheber in dieser Position zu fixieren , hängst du ihn ganz einfach in einer Speiche ein. Den zweiten Reifenheber setzt du eine Handbreit entfernt an, steckst ihn zwischen Felge und Mantel und fährst damit die Felge entlang.

Tipp: Den neuen Mantel montierst du am besten ohne Reifenheber, sonst riskierst du Beschädigungen am Schlauch. Drücke den Mantel, beginnend beim Ventil, mit deinen Händen in die Felge und sorge mit etwas Fingerspitzengefühl dafür, dass der leicht aufgeblasene Schlauch in der Mitte des Mantels liegt.

Einstellen der Felgenbremse

Werkzeug: Innensechkantschlüssel, Schraubenschlüssel, evtl. Kreuzschlitzschraubenzieher

Anleitung: An den beiden Bremsbacken kannst du deren Abstand zur Felge regulieren. Dafür drehst du an der Stellschraube. Damit die Bremsen ihre volle Wirkung entfalten, ist es wichtig, dass beide Bremsklötze den gleichen Abstand zur Felge haben.

Die Bremse kannst du auch an den Bremshebeln nachziehen. Direkt am Übergang vom Bremshebel zum Bremszug findest du eine Stellschraube, die zusätzlich mit einer Mutter gesichert ist. Stelle den Bremshebel so ein, dass mit der Betätigung des Hebels die Bremswirkung zeitnah einsetzt.

Für die dritte Möglichkeit, die Bremse einzustellen, musst du an den Bremsarmen schrauben. Eine Hohlschraube befindet sich an der Seite des Bowdenzugs. Damit stellst du den Abstand der Arme zur Felge ein. Er sollte zirka drei Millimeter betragen.

Wechsel der Bremsbeläge

Werkzeug: Innensechskantschlüssel
Ersatzteile: neue Bremsbeläge

Anleitung: Zuerst solltest du den Bremszug deiner Felgenbremse aushängen. Danach kannst du mit einem Innensechskantschlüssel die Schrauben an beiden Seiten lösen und den Bremsbelag herausnehmen.
Für die Montage der neuen Bremsbeläge ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt. Stecke die Distanzscheiben auf den neuen Bremsbelag. Anschließend folgt die Unterlegscheibe. Dieses Paket kannst du in die Bremse einhängen und eine weitere Unterlegscheibe daraufstecken. Mit dem Innensechskantschlüssel schraubst du die neuen Bremsbeläge wieder fest.

Tipp: Wenn du von der Seite auf deine Bremse schaust, sollten die Beläge waagrecht sein. Mit einem Blick von oben kannst du sicherstellen, dass der vordere Teil des Belags zuerst in Kontakt mit der Felge tritt.

Einstellen der Schaltung

Werkzeug: Innensechskantschlüssel oder Torx-Schlüssel

Du kannst drei verschiedene Teile deiner Schaltung einstellen: den oberen Anschlag, den unteren Anschlag und die Umschlingung. Über die beiden Anschläge wird die Maximalauslenkung der Schaltung geregelt. Sie sorgt dafür, dass deine Kette nicht über die Ritzel der Kassette hinaus geführt wird und abspringt.

Anleitung: Bevor du die Einstellung des oberen Anschlags vornimmst, solltest du auf das größte Ritzel der Kassette schalten. Einige Hersteller markieren die Schraube zur Einstellung des oberen Anschlags mit einem L für low. Wenn du im Uhrzeigersinn an dieser Schraube drehst, bewegt sich das Schaltwerk weg von der Kassette. Bei einer Drehung gegen den Uhrzeigersinn bewegt sich das Schaltwerk zur Kassette hin. Wenn die Leitrolle in einer senkrechte Linie mit dem größten Ritzel steht, hast du die ideale Position gefunden.

Vor der Einstellung des unteren Anschlags , solltest du auf das kleinste Ritzel schalten. Die Schraube zur Einstellung des unteren Anschlags ist häufig mit einem „H" für „high" gekennzeichnet. Drehst du die Schraube im Uhrzeigersinn, bewegt sich das Schaltwerk weg von der Kassette. Du hast den unteren Anschlag korrekt eingestellt, wenn die Leitrolle senkrecht zum kleinsten Ritzel steht.

An der Umschlingung wird die Distanz zwischen der Leitrolle und dem größten Ritzel eingestellt. Eine Änderung der Umschlingung kannst du an der Schraube mit der Markierung B vornehmen. Die Leitrolle sollte fünf bis sechs Millimeter vom größten Ritzel entfernt sein.

Nun kannst du auch noch die Spannung des Schaltzuges überprüfen. Die Einstellung findest du an der Stelle, wo der Schaltzug in den Schalthebel geführt wird. Drehst du nach vorn, wird die Zugspannung des Bowdenzugs gesenkt. Drehst du nach hinten, spannt der Bowdenzug straffer.

Finaler Check

Werkzeug: Schraubenschlüssel, Innensechskantschlüssel, Torx-Schlüssel, Drehmomentschlüssel

Zu guter Letzt prüfe noch, ob alle Schrauben an deinem Fahrrad festgezogen sind und justiere sie bei Bedarf nach. Bei dieser Gelegenheit kannst du auch die Sattelhöhe und die Lenkerneigung checken und sie gegebenenfalls optimieren.

Schritt Drei: Pflege und Probefahrt

Kette schmieren

Werkzeug: Kettenreiniger, Kettenöl, Lappen

Anleitung: Eine verunreinigte Fahrbahn und Streusalz setzen der Fahrradkette in der kalten Jahreszeit besonders zu. Du solltest sie deshalb nicht nur am Anfang des Frühlings, sondern in regelmäßigen Abständen reinigen und ölen.

Lass die Kette dafür kurz durch deinen alten Lappen laufen. Der gröbste Schmutz löst sich dadurch. Wenn du noch Kettenreiniger vorrätig hast, kannst du diesen verwenden, um altes Öl noch gründlicher zu entfernen.
Die saubere Kette ölst du im nächsten Schritt, damit sie geschmeidig läuft. Dafür spritzt du einen Tropfen Öl in jedes Kettenelement. Arbeitest du mit einem Spray, solltest du darauf achten, dass keine Schmiere an die Bremsen, die Bremsscheibe oder die Bremsflanke kommt.

Tipp: Auch die Pedalgewinde und die Sattelstütze sollten hin und wieder gefettet werden, damit sich diese Teile nicht festsetzen.

Rahmen pflegen

Werkzeug: Rahmenpolitur, Lappen

Anleitung: Eine regelmäßige Pflege mit einer Rahmenpolitur
oder einem Pflegeöl schützt Rahmen, Lenker, Schrauben sowie Schalt- und Bremsgriffe vor äußeren Einflüssen. Kleine Schäden am Lack könnten ansonsten Salz an das darunter liegende Material kommen lassen. Das führt zu rostigen Stellen. Die Politur kannst du ganz einfach aufsprühen und mit einem Lappen verteilen.

Probefahrt

Nun kann es auch schon losgehen! Eine Probefahrt gibt dir die Gelegenheit, noch einmal die Ergonomie deiner Sitzposition zu überprüfen. Kippt dein Becken während der Fahrt seitlich hin und her, ist der Sattel wahrscheinlich zu hoch. Bereiten dir deine Knie schon auf kurzer Strecke Probleme, kann es daran liegen, dass er zu niedrig ist.

Schalte durch alle Gänge und teste auf einer verkehrsarmen Straße auch die Bremsen. Wenn alle Komponenten funktionieren, steht einer ausgedehnten Tour durch den Frühling nichts mehr im Wege.

Wir aus der Bikes.de-Redaktion haben eine große Leidenschaft: Fahrräder. Und diese Leidenschaft wollen wir mit dir teilen. Daher sind wir immer auf der Suche nach neuen, spannenden und relevanten Themen rund ums Rad, die dir Information und Orientierung bieten – und vor allem jede Menge Lust aufs Radfahren machen sollen. Viel Spaß beim Lesen!