Abo- und Leihradmodelle: Vor- und Nachteile von Bikesharing

Mit öffentlichen Fahrradverleihstationen hat jedermann Zugang zu einem Fahrrad und die Mobilität einer Stadt wird durch diese schnellen und flexiblen Angebote verbessert. So kann auch die Zahl der Radfahrer steigen, was auch die Notwendigkeit von sicheren Radfahrwegen sichtbar macht und eine Stadt auf lange Sicht attraktiver für alle Verkehrsteilnehmer gestaltet und die Umwelt schont.

Die Schattenseiten der vielen Leihräder: Nicht mehr benötigte Fahrzeuge werden vielerorts lieblos in die Ecke geworfen, das Stadtbild und der Fußverkehr werden beeinträchtigt, die Datensicherheit und der Nutzen für die Umwelt werden teilweise infrage gestellt.

Wir beschäftigen uns mit den Vor- und Nachteilen und zeigen dir, wann Bike Sharing eine sinnvolle Möglichkeit ist und welche Aspekte zu bedenken sind.

Was genau ist eigentlich Bike Sharing?

Bike Sharing ist ein Sammelbegriff für öffentliche Fahrradverleihsysteme unterschiedlicher Anbieter, die auf dem Selbstbedienungsprinzip basieren. Benutzer leihen das Fahrrad normalerweise über eine App aus. Vor der ersten Fahrt muss hierzu die bevorzugte Zahlungsart – Bankeinzug, Kreditkarte oder PayPal – im Kundenkonto hinterlegt werden.

Dann kannst du ganz bequem von A nach B fahren und das Fahrrad an einer nahe gelegenen Dockingstation abgeben. Es gibt aber auch immer mehr stationslose Bike-Sharing-Systeme, bei denen du das Rad in größeren Zonen abstellen kannst. So verlierst du keine wertvolle Zeit auf der Suche nach dem richtigen Fahrradparkplatz.

Die Räder der Bike-Sharing-Systeme haben integrierte Schlösser, so dass man sie auch kurz abstellen und dann weiterfahren kann, und sind mit Schutzblechen und Lichtern sowie praktischen Gepäckträgern ausgestattet, die das Radfahren sicher und angenehm machen. Inzwischen gibt es sogar immer mehr Lastenräder zum Leihen.

Die Bedienung ist einfach und unkompliziert: Du kannst jederzeit selbstständig über eine App auf die Fahrräder zugreifen und prüfen, wo das nächste Bike für dich bereitsteht.

Dockless Bike Sharing sorgt für Ärger in Städten

Wie der Name schon sagt, kommt das stationslose Bike Sharing ohne feste Stationen für die Abgabe der Fahrräder aus. Bei solchen Systemen kannst du Fahrräder innerhalb eines bestimmten Bereichs abstellen. Du kannst die Bikes über eine Smartphone-App ausfindig machen und entsperren.

Theoretisch eine tolle Idee, praktisch gibt es aber noch ein paar Probleme. Fahrräder werden lieblos in die Ecke geworfen, wodurch sie schnell kaputt gehen und die Kosten in die Höhe schießen. Wie die Zeit berichtete, kamen die verwahrlosten Fahrräder, die in Hinterhöfen oder am Straßenrand gestapelt wurden, auch bei den Städten nicht gut an. Die Vorschriften wurden verschärft und die Bike-Invasion wurde zurückgedrängt.

Dass stationslose Bike-Sharing-Modelle nicht immer einwandfrei funktionieren, zeigt sich auch dadurch, dass sich einige Bike-Sharing-Unternehmen in Europa nicht lange halten konnten und pleite gegangen sind. Das chinesische Unternehmen „Ofo“ beispielsweise musste die internationalen Aktivitäten im Frühjahr 2019 aufgrund von Zahlungsproblemen komplett aufgegeben. Auch „oBike“ meldete im Sommer 2018 Konkurs an.

Das sind die bekanntesten Bike-Sharing-Anbieter

Zu den in Europa bekanntesten Bike-Sharing-Unternehmen gehören die deutschen Anbieter Byke und Nextbike, Cloudbike und Mobit aus Belgien, das tschechische Rekola, die britischen Unternehmen YoBike und Pony Bikes sowie Donkey Republic aus Dänemark. In Deutschland sind Nextbike und Call-a-Bike in besonders vielen Städten vertreten.

Nextbike

Nextbike bietet stationsgebundenes Bike-Sharing, Flexzonen und hybride Systeme an vielen Standorten in Europa an. Damit ist Nextbike die perfekte Lösung, wenn man mal einen Urlaub in Riga, Warschau, Wien oder einer anderen europäischen Metropole plant.

Die Registrierung erfolgt über die Nextbike-App. Danach kannst du dir ein Bike ausleihen, indem du das Zahlenschloss mit dem Code öffnest, den du über die App erhältst. Nach deiner Tour kannst du es an einer Station oder an einer Hauptstraße in der Flexzone abstellen.

Bei Nextbike gibt es zwei Tarife

  • Basis-Tarif: Der Basis-Tarif kostet derzeit einen Euro pro 30 Minuten. Der maximale Tagespreis liegt bei neun Euro.
  • Monatstarif: Hier zahlst du zehn Euro pro Monat. Dabei sind die ersten 30 Minuten jeder Ausleihe kostenlos. Danach kosten dich 30 Minuten einen Euro.

Call a Bike

Call a Bike ist das Fahrradverleihsystem der Deutschen Bahn, das in über 60 deutschen Städten betrieben wird. Du registrierst dich ganz einfach online oder über die App und schon kann es losgehen. Du kannst Call a Bike zum Beispiel für einen Städtetrip oder deinen Weg zur Arbeit nutzen.

Je nachdem, ob du das Bike-Sharing einfach mal ausprobieren möchtest oder regelmäßig auf Call a Bike zurückgreifen möchtest, werden dir verschiedene Tarife angeboten:

  • Light-Tarif für Einsteiger: Der Preis liegt bei derzeit 10 Cent pro Minute, wobei der maximale Tagespreis bei neun Euro liegt.
  • Basis-Tarif für Gelegenheitsfahrer: Hier zahlst du eine Jahresgebühr von drei Euro und für deine Fahrten einen Euro für 30 Minuten. Auch hier liegt der maximale Tagespreis bei neun Euro.
  • Komfort-Tarif für Vielfahrer: Hier zahlst du vier Euro pro Monat und kannst die ersten 30 Minuten kostenlos fahren. Danach zahlst du einen Euro für 30 Minuten. Bahncard-Inhaber zahlen nur 3,25 Euro pro Monat.
  • Das Abstellen außerhalb der Stationen kostet generell einen Euro extra.

Byke (Wind)

Bei Byke oder auch Wind gibt es Bikes und E-Scooter, auf denen du durch die City düsen kannst. Über die Byke-App findest du das passende Fahrzeug. Mitgliedschaften, eine Grund- oder Registrierungsgebühr gibt es hier nicht. Die Abrechnung erfolgt im 30-Minuten-Takt, wobei du für eine halbe Stunde 50 Cent zahlst. Die Tageskarte, mit der man täglich zwölfmal jeweils 30 Minuten lang fahren darfst, kostet drei Euro. Du kannst jede Ausleihe einzeln zahlen oder ein Guthaben über die App aufladen.

Donkey Republic

Auch Donkey Republic ist als Selbstbedienungs-Fahrradverleih in mehr als 50 Städten vertreten. Über die App kannst du einen Drahtesel von Donkey Republic mieten. Diesen kannst du so lange nutzen und so oft auf- und abschließen, wie du möchtest. Wo du deinen Wegbereiter abholen oder abgeben kannst, siehst du auf einer Karte in der App. Dort kannst du zwischen Rädern, E-Bikes und Lastenrädern wählen.

Die Leihgebühren und Mitgliedschaften, die man auf Wunsch zum Spartarif abschließen kann, variieren für verschiedene Länder und Städte. Den exakten Preis für deinen Abholort und die gewünschte Leihdauer erfährst du in der Donkey Republic App.

Bike Sharing in der Stadt

Überfüllte Straßen, mangelnde Parkplätze und Stau sind Probleme, die viele Autofahrer in größeren Städten täglich erleben müssen. In der Innenstadt kommt man auf dem Bike oft am schnellsten voran – vor allem dann, wenn man es nicht erst aus dem Fahrradkeller holen, aufpumpen und lange nach einem geeigneten Abstellplatz suchen muss. Wer das Rad überwiegend in der City nutzen möchte, kann Bike Sharing in Erwägung ziehen.

Bike Sharing im Urlaub

Auf dem Bike lassen sich viele Gegenden und Städte einfach am besten und bequemsten erkunden, weil man schneller vorankommt und so mehr sieht. Wer kein eigenes Rad hat oder es erst nicht erst noch an den Zielort befördern möchte, kann auf Bike Sharing zurückgreifen. So bist du im Urlaub flexibel und mobil. 

Full-Service mit Fahrrad-Abo-Modellen

Wer regelmäßig auf ein funktionstüchtiges Fahrrad zurückgreifen möchte, ohne ein eigenes kaufen und warten zu müssen, genießt volle Flexibilität und Service mit Bike-Sharing-Abos. So musst du dir keine Sorgen um anfallende Reparaturen und lange Wartezeiten in der Fahrradwerkstatt machen. Du bleibst immer mobil – und sollte mal etwas kaputt gehen, wird dein Bike im Handumdrehen wieder auf Vordermann gebracht oder du erhältst, sollte es sich um größere Probleme handeln, einfach ein anderes. Hier sind einige Anbieter, die günstig dauerhaft Räder verleihen:

Swapfiets

Bei Swapfiets kannst du Fahrräder langfristig mieten. Das Bike wird innerhalb von 48 Stunden an den Ort deiner Wahl gebracht, das Abonnement ist monatlich kündbar. Darüber hinaus ist ein Modell- und Standortwechsel möglich, wodurch du die volle Flexibilität erhalten sollst.

Die monatlichen Kosten sind vom gewählten Fahrzeug und seinen Ausstattungsmerkmalen abhängig. Ein Hollandrad ohne Gangschaltung kostet etwa 16 Euro pro Monat, ein Fahrrad mit sieben Gängen etwa 19 Euro und ein E-Bike mit sieben Gängen und Handbremse etwa 73 Euro. Studenten profitieren von einer Ermäßigung.

Rid.e

Bei Rid.e kannst du verschiedenste Arten von E-Bikes leasen. Du suchst dir ein E-Bike aus und kannst es ganz bequem online buchen. Kurz darauf wird das E-Bike zu dir nach Hause gebracht. In deinem Monatspreis sind kostenlose Reparaturen und Diebstahlschutz enthalten, womit du immer abgesichert bist.

Die monatlichen Kosten hängen von dem gewählten E-Bike und Zubehör ab. Dabei kannst du zwischen E-Bikes für die City, sportlichen Varianten und E-Cargo-Bikes wählen. Das günstigste E-Bike, das Kreidler Eco 6, ist für einen Preis ab 70 Euro pro Monat erhältlich. Das teuerste Produkt in der Bike-Flotte ist das Lastenrad Riese & Müller Load 75, das dich im Monat etwa 220 Euro kostet.

Listnride

Listnride bietet Leihräder in Deutschland, Italien, Spanien, den Niederlanden und Österreich an. Dabei besticht der Anbieter mit einer großen Auswahl und besonderen Fahrrädern, die es bei anderen Abo-Modellen nicht unbedingt gibt.

Im Angebot stehen nicht nur klassische Stadträder, sondern auch Rennräder, Mountainbikes (MTBs), Gravelbikes, Lastenräder oder E-Bikes. Der Preis ist vom gewünschten Zweirad abhängig und beläuft sich auf etwa 30 bis 50 Euro pro Tag. Dieser stolze Tagessatz ist sicherlich keine Option für Ausleihen von langer Dauer, aber eine gute Möglichkeit, um ein Fahrrad mal ausgiebig zu testen, bevor man es sich eventuell kauft.

Bike Sharing: Die Vor- und Nachteile

Spontan auf ein Rad springen und die Stadt erkunden oder mit dem nächsten Lastenrad größere Einkäufe transportieren: Bike Sharing macht all dies möglich. Dank der Bike-Sharing-Systeme hat jeder, der in einer größeren Stadt ist, die Chance, kurzfristig ein Fahrrad zu ergattern. Damit wird die soziale Gerechtigkeit im Bereich der Mobilität gefördert. Frei verfügbare Lastenräder erleichtern den Transport für Personen, die sich kein Auto leisten können oder wollen.

Praktisch ist auch, dass man sich mit Leihfahrrädern spontan aufs Rad schwingen kann. Das kann im Urlaub sinnvoll oder auch dann hilfreich sein, wenn man in der Stadt schnell von A nach B kommen muss – weil mal wieder eine Bahn ausfällt etwa. Prinzipiell ist Bike Sharing auch eine gute Möglichkeit, verschiedene Bike-Typen vor einem Kauf ausgiebig zu testen.

Da die Kosten hoch sind und du mit einem eigenen Bike auf lange Sicht günstiger und sicherer fährst, weil du es gut kennst, sind Bike-Sharing-Modelle für die langfristige Nutzung allerdings nicht zu empfehlen. Auch die Auswirkungen auf den öffentlichen Raum, die Nachhaltigkeit und die Datensicherheit werden immer wieder kritisiert:

  • Umstritten sind Bike-Sharing-Systeme vor allem wegen ihrer räumlichen Konzentration und den damit verbundenen Auswirkungen auf den öffentlichen Raum: Fußgänger haben weniger Platz, Abstellmöglichkeiten für private Räder müsse weichen, das Stadtbild wird durch herumliegende Fahrräder beeinträchtigt.
  • Der Nutzen für die Umwelt wird infrage gestellt, da Leihfahrräder oft mit weniger Vorsicht genutzt werden als eigene Besitztümer und teils achtlos in die Ecke geworfen werden und dadurch schneller kaputt gehen.
  • Die technische Qualität und Verkehrssicherheit der neuen Leihräder wird teilweise angezweifelt, weil diese im Zweifel nicht so schnell gewartet werden, wie es nötig wäre.
  • Verschärft durch die Aufdeckung einer Sicherheitslücke, bei der unter anderem die Namen, Handynummern, E-Mail-Adressen, Profilfotos und sogar die Bewegungsdaten der Nutzer frei eingesehen werden konnten, wird die Datensicherheit, insbesondere in Hinblick auf die Weitergabe an Dritte, teilweise als intransparent empfunden.
  • Da Leihfahrräder vor allem in der Innenstadt zur Verfügung stehen, kann zu einer Übernutzung oder unsachgemäßen Nutzung des öffentlichen Raums – etwa unter Alkoholeinfluss – kommen, wodurch Fußgänger eingeschränkt oder gar gefährdet werden.