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Fahrradtypen: Das kann ein E-Rennrad

Fahrradtypen: Das kann ein E-Rennrad

29.04.2021 - Update: 04.08.2021


E-Rennräder sind für den sportlichen Einsatz auf asphaltiertem Untergrund bestimmt. Sie zeichnen sich in erster Linie durch ihre aerodynamische Konstruktion und ihr geringes Gewicht aus. Das Ziel: Schnelligkeit. Der Trend zum motorisierten Rennrad entfachte unter passionierten Rennradfahrern bereits hitzige Diskussionen. Wir haben unseren Bike-Experten Marvin Nüsken gefragt, wie sich ein Motor mit dem Rennrad vereinbaren lässt und für wen sich ein E-Rennrad eignet.

E-Rennrad – für welchen Einsatz?

Ein E-Rennrad ist nichts für gemächliche Fahrten durch die Innenstadt, sondern richtet sich an Fahrradfahrer, die mit hohem Tempo über den Asphalt rollen möchten. Ein schlanker Rahmen,leichte Laufräder und ein aerodynamischer Rennlenker sind charakteristisch für dieses Bike.

  • Es bringt lediglich zwischen 11 und 19 Kilogramm auf die Waage und ist somit das Leichtgewicht unter den E-Bikes .
  • Das E-Rennrad ist ein Sportgerät und erfordert eine aerodynamische Körperhaltung. Nur so kannst du bei rasantem Tempo dem Wind ein Schnippchen schlagen.
  • Die Ausstattung eines Rennrads ist auf das Notwendigste reduziert. In der Regel sind an einem E-Rennrad keine Schutzbleche oder Gepäckträger angebracht. Ebenso fehlt eine fest installierte Fahrradbeleuchtung. Für den täglichen Gebrauch im Straßenverkehr muss laut StVO eine Beleuchtung nachgerüstet werden.

Der Rahmen

Ein Rennradrahmen besteht meistens aus einem sehr leichten und stabilen Material wie Aluminium oder Carbon. Du findest am Rennrad keine Federung, damit du deine ganze Kraft auf die Pedale bringst, ohne dass sie in der Federung verloren geht. Dabei gilt: Je steifer der Rahmen, desto besser die Kraftübertragung.

Aluminium

Aluminiumrohre werden im sogenannten Hydroforming-Verfahren hergestellt. Das Material wird durch hydraulischen Druck in bestimmte Formen gepresst. Durch die anschließende Behandlung mit Hitze erhält der Aluminiumrahmen die nötige Steifigkeit.

Dieses Verfahren ermöglicht es allerdings kaum, variable Wandstärken an unterschiedlichen Stellen zu erreichen. Das bedeutet, dass an Stellen mit geringer Belastung unnötig viel Material und damit auch Gewicht am Rahmen bleibt. Im Gegensatz zu Aluminium, kann Carbon in fast jeder Form und Stärke hergestellt werden.

Carbon

Carbon besteht aus Kohlenstoffasern, die in ein Kunstharz eingebettet werden. Dieser Faserverbund ist sehr leicht und kann die Fahrdynamik positiv beeinflussen. In Faserrichtung ist das Material steif und zugfest, während es in Querrichtung flext. Damit lässt sich gezielt steuern, wie der Rahmen auf die einwirkenden Kräfte reagieren soll.

Der Nachteil: Carbon ist druckempfindlich. Bei einer Überbelastung kann das Material quer zur Fasserrichtung brechen. Deshalb wird vorsorglich eine widerstandsfähige Deckschicht aufgebracht. Schraubverbindungen dürfen bei Carbon-Komponenten nur mit einem speziellen Drehmomentschlüssel festgezogen werden.

Reifen

Rennradreifen unterschieden sich bereits auf den ersten Blick von Citybike- oder Trekkingreifen. Sie sind wesentlich schmaler und kommen in der Regel ohne Profil aus.

Ein hoher Luftdruck hält die Reibung so gering wie möglich, sorgt aber auch dafür, dass die dünnen Gummiwände besonders anfällig für Löcher sind. Du solltest deshalb ein Gleichgewicht zwischen Leistung und Strapazierfähigkeit suchen. In der Lauffläche findest du Markierungen, die dir anzeigen, wenn der Reifen abgefahren ist.

Unser Experte Marvin Nüsken rät: „Wer Bestzeiten erreichen will, der sollte auf einen dünnen Reifen ohne Profil setzen. Je weniger Profil der Reifen hat, desto sanfter läuft er. Dünne Reifenwände gehen aber auch schneller kaputt, deshalb ist es wichtig, einen Ersatzschlauch, oder zumindest Flickzeug, mitzuführen."

Akku und Motor

Akku

Rennradakkus sind, anders als bei weniger sportlichen E-Bikes, eher auf eine partielle Unterstützung am Berg als auf eine dauerhafte Unterstützung ausgerichtet. Bei einer Akkukapazität von 250 Wattstunden wiegt das Paket aus Motor und Akku zwischen drei und vier Kilogramm. Wer einen Akku mit 500 Wattstunden benötigt, muss mit einem Gewicht von etwa sechs Kilogramm rechnen.

Mittelmotor

Am Rennrad gibt es zwei verschiedene Varianten des elektrischen Antriebs: Räder mit Mittelmotor, bei denen der Antrieb im Unterrohr versteckt oder im Tretlager integriert ist und Räder, bei denen der Antrieb in der Hinterradnabe sitzt.

Im Rennradsektor ist das Antriebssystem des Münchener Herstellers Fazua der Marktführer. In einem knapp 3,3 Kilogramm schweren Modul sind Getriebe, Motor und Akku vereint. Die gesamte Einheit kann auch entnommen werden – damit ist dein E-Rennrad auch als herkömmliches Rennrad verwendbar. Bosch, Polini und Yamaha stellen ebenso Mittelmotoren für Rennräder her.

Nabenmotor

Ein Hinterradnabenmotor verleiht dem E-Rennrad eine besonders schlanke Silhouette. Die spanische Firma Mahle ebikemotion hat sich auf diese Bauweise konzentriert. Sie setzt auch auf eine Akkukapazität von 250 Wattstunden und hält das Gewicht mit 3,5 Kilogramm sehr gering. Im Unterschied zu anderen Antriebssystemen ist der Anschaltknopf in das Oberrohr integriert.

Klickpedale

Um ein E-Bike mit Rennradpedalen zu fahren, brauchst du einen speziellen Radschuh, auf dessen Unterseite eine Platte, das Cleat, montiert ist. Im Rennradpedal sitzt ein Klickmechanismus mit einer Spannfeder. Das Cleat rastet ins Pedal ein. Damit kannst du dir die Zugbewegung in der zweiten Hälfte der Pedalumdrehung zu Nutze machen. Zudem gibt es kein Herumrutschen bei Nässe.

Es spricht aber grundsätzlich auch nichts dagegen, herkömmliche Pedale am E-Rennrad zu montieren. Gerade Anfänger können sich so besser an das neue Fahrgefühl gewöhnen. Wenn du dein Rennrad auch als City-Flitzer verwenden möchtest, sind Klickpedale ebenfalls unpraktisch.

Bremsen

Rennradbremsen lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Felgenbremsen und Scheibenbremsen.

Felgenbremsen

Sie sind der Klassiker unter den Rennradbremsen, werden aber zunehmend von Scheibenbremsen abgelöst.

Vorteile:

  • Felgenbremsen sind günstig und einfach zu warten.
  • Sie sind wesentlich leichter als Scheibenbremsen und können auch in einer aerodynamischen Version geliefert werden (Aero-Bremsen).

Nachteile:

  • Für Schönwetterfahrer ist die Bremsleistung von Felgenbremsen in den allermeisten Fällen ausreichend. Kommt Nässe ins Spiel, können Scheibenbremsen eine bessere Bremsleitung vorweisen.
  • Eine unterschätzte Gefahr ist die Hitzeentwicklung bei langen Abfahrten. Wenn sich die Bremsflanken und Felgen durch das Dauerbremsen stark erhitzen, können die Schläuche Schaden nehmen und im schlimmsten Fall platzen.

Scheibenbremsen

Vorteile:

  • Scheibenbremsen haben wesentlich mehr Bremskraft und lassen sich besser dosieren als Felgenbremsen. Während Felgenbremsen bei Feuchtigkeit einiges an ihrer Bremskraft einbüßen, wirken Scheibenbremsen weiterhin gut.
  • Beim Bremsen verschleißt die Bremsscheibe und die Felge wird nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Nachteile:

  • Scheibenbremsen sind teurer als Felgenbremsen.
  • Die Wartung ist eher aufwendig.

Wir haben unseren Bike-Experten nach dem aktuellen Trend gefragt. Marvin Nüsken: „Der Trend geht klar zu hydraulischen Scheibenbremsen. Man sieht sie nicht nur vermehrt im Hobbysport, sondern auch bei großen Radrennen wie der Tour de France."

Fazit

Für den täglichen Einsatz im Stadtverkehr sind E-Rennräder eher nicht geeignet. Die schmalen Reifen bieten kaum Grip, du hast keine Möglichkeit Gepäck zu transportieren und auch der Komfort steht weit hinten an. Rennräder sind Sportgeräte, auf denen du kontrolliert trainieren kannst.

Ob man beim Rennradfahren auf elektronische Hilfe zurückgreifen möchte, sollte jeder Fahrer selbst entscheiden. Der Elektroantrieb ermöglicht esuntrainierten Fahrern, bequemer bergauf zu fahren und sportlicheren Fahrern, ihren ersten langen Pass leichter zu bewältigen. Wer gesundheitliche Probleme oder körperliche Einschränkungen hat, egal ob kurz- oder langfristig, kann ebenso von einem E-Rennrad profitieren.

Wir aus der Bikes.de-Redaktion haben eine große Leidenschaft: Fahrräder. Und diese Leidenschaft wollen wir mit dir teilen. Daher sind wir immer auf der Suche nach neuen, spannenden und relevanten Themen rund ums Rad, die dir Information und Orientierung bieten – und vor allem jede Menge Lust aufs Radfahren machen sollen. Viel Spaß beim Lesen!