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Powermeter – alles, was du wissen musst

Powermeter – alles, was du wissen musst

24.05.2021 - Update: 16.06.2021

Powermeter – alles, was du wissen musst

Ein Powermeter ist ein praktisches Tool für Radfahrer, die ihre Leistung und Fitness genau messen und so ihre Performance verbessern möchten: Denn er misst deine Leistung in Watt und liefert dir Informationen über deine tatsächliche Performance – unabhängig von externen Faktoren wie etwa Wind oder Steigung, die die Herzfrequenz oder die Geschwindigkeit beeinflussen. Dank einer umfangreichen Analyse und exakten Daten gelingt es dir mit wattgesteuertem Training leichter, Erfolge auf dem Rad zu verzeichnen, deine Fitness zu verbessern und deine Fortschritte zu verfolgen. Dabei stehen dir verschiedene Arten von Powermetern zur Verfügung: Die häufigsten Varianten sind Pedale, Kurbelsysteme und sogenannte Spider-Powermeter. Wie sich die verschiedenen Typen unterscheiden, welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringen und welches System sich für dich lohnt, erfährst du in unserem Powermeter-Check.

Einseitige vs. beidseitige Messung

Unabhängig von der Art des Powermeters kannst du zwischen der ein- und beidseitigen Messung unterscheiden. Bei der einseitigen Messung misst ein einziger Sensor die Kraft, die du aufbringst. Das geschieht meist auf der linken Seite – also am linken Pedal oder am linken Kurbelarm. Um sich deiner Gesamtleistung während einer Kurbelumdrehung anzunähern, verdoppelt der Leistungsmesser den ermittelten Wert. Er geht also davon aus, dass beide Beine die gleiche Kraft erbringen, wodurch es zu kleinen Messungenauigkeiten kommen kann. Für viele Hobbysportler macht die Kostenersparnis diesen Mangel jedoch in jedem Fall wett.

Bei der beidseitigen Messung liefern zwei voneinander unabhängige Sensoren zwei Werte. Dadurch ist das Ergebnis genauer und du erhältst auch einen Einblick in die Leistungsverteilung und deine Kraft pro Bein. Allerdings sind zwei Sensoren auch anfälliger für Störungen und Messfehler durch Aussetzer und Verbindungsprobleme. Bei deiner Wahl solltest du also nicht nur die Messvariante, sondern auch den Preis, die Kompatibilität, die Genauigkeit und das Gewicht des Powermeters berücksichtigen.

Leistungsmesser am Pedal (Powermeterpedale)

Unkompliziert und zuverlässig: Leistungsmesser am Pedal, auch Powermeterpedale genannt, messen die erbrachte Leistung mit sogenannten Piezoelementen. Diese können sich an der Pedalachse oder im Pedalkörper befinden und produzieren eine elektrische Spannung, sobald du Kraft auf die Pedale ausübst. Aus der Trittfrequenz und der gemessenen Kraft ergibt sich schließlich deine Leistung.

Hersteller

Seit 2015 bringt der italienische Hersteller Favero Electronics frischen Wind in den Bereich der Leistungsmesser. Mit seinem leichten und preiswerten Powermeter-Pedal, dem Assioma, kann er sich durchaus auf dem Markt behaupten: Mit 151 Gramm wiegen sie deutlich weniger als konkurrierende Pedale wie die Garmin Rally (326 Gramm), ihr Vorgängermodell Garmin Vector (316 Gramm) und PowerTap P2 (398 Gramm). Die Sensoren und Dehnmessstreifen befinden sich in einem Gehäuse neben dem Pedalkörper, das direkt an der Achse misst. Das sorgt dafür, dass die Assiomas wie ein gewöhnliches Pedal aussehen, nicht so klobig wirken und verhindert, dass die Elektronik durch einen Sturz oder andere mechanische Einflüsse beschädigt wird. Daneben zählen die Garmin Rally Pedale, die mit Shimano-, Look- und Offroad-Pedalsystemen kompatibel sind, oder die Pedalplatten von PowerTap , die seit 2019 zu den Quarq-Produkten aus der SRAM-Familie gehören, zu den beliebtesten Powermeterpedalen.

Vor- und Nachteile

Powermeterpedale lassen sich wie jedes andere Pedal ans Bike schrauben. Damit lassen sie sich nach dem Plug-and-Play-Konzept unkompliziert installieren und einfach zwischen Fahrrädern austauschen. Du schraubst die Pedale einfach an die Kurbelarme, verbindest dich per ANT+ oder Bluetooth mit deinem Fahrradcomputer oder einer passenden Smartphone-App (bei Garmin zum Beispiel GARMIN Connect™), gibst die Kurbellänge ein und schon kann es losgehen. Mit ein- und doppelseitigen Varianten bleibst du flexibel und hast die freie Wahl. Einziger Nachteil ist, dass die Elektronik, der Dehnungsmessstreifen und der Akku im Pedal etwas Zusatzgewicht (etwa 330 Gramm inkl. Pedalachsen) mitbringen.

Kompatibilität

Da alle Pedale zu allen modernen Kurbeln passen, gibt es beim Montieren keine Probleme. Radfahrer, die mit Klickschuhen unterwegs sind, sollten jedoch darauf achten, dass die Pedale mit ihren Schuhplatten kompatibel sind. Grundsätzlich gibt es für alle Schuhplatten, ob Shimano-SL, SPD oder Look Keo, passende Powermeterpedale.

Preise

Pedale mit einem Sensor erhältst du bereits für einen Preis ab 400 Euro. Die beidseitige Messung kostet dich, je nach Hersteller und Modell, etwa 700 bis 1.200 Euro.

Leistungsmesser an der Kurbel

Kurbelsysteme messen deine Leistung an einem oder beiden Kurbelarmen. Die Wattmessung erfolgt über Dehnmessstreifen, die sich abhängig von deiner Kraft ausdehnen. Anhand der Verformung kann der Leistungsmesser wiederum das Drehmoment bestimmen und in Kombination mit der Umdrehungsgeschwindigkeit an der Kurbel die erbrachte Leistung berechnen.

Hersteller

Einer der bekanntesten Hersteller für Kurbelsysteme ist das US-amerikanische Unternehmen Stages Cycling, das 2012 seinen ersten Powermeter auf den Markt gebracht hat. Seitdem überzeugt Stages Radfahrer mit kompatiblen Kurbelsets von Shimano, Campagnolo, Full Speed Ahead (FSA), Cannondale und SRAM mit zuverlässigen und preiswerten Powermetern. Mit den Stages Power L (links), R (rechts) und LR (beidseitig) hat Stages preiswerte Leistungsmesser auf dem Markt, die eine präzise Messung, eine Batterielaufzeit von über 175 Stunden versprechen – und bereits einige Sportler auf der Tour de France zum Sieg begleitet haben. Darüber hinaus stehen dir Produkte von 4iii Innovations, Rotor, Shimano oder Pioneer zur Verfügung.

Vor- und Nachteile

Leistungsmesser an der Kurbel sind mit einem Gewicht von etwa 10 bis 20 Gramm pro Seite extrem leicht und erschwinglich. Während sie heute mit den meisten Rahmenmodellen kompatibel sind, kann es bei älteren Bikes jedoch Probleme mit der Rahmenkompatibilität geben.

Kompatibilität

Bei der einseitigen Messung am linken oder rechten Kurbelarm solltest du darauf achten, dass dieser zu deiner Kurbelgarnitur passt und eine Länge wählen, die mit dem Kurbelarm auf der anderen Seite übereinstimmt. Wenn du dich für die beidseitige Messung entscheidest, musst du wiederum darauf achten, dass das Kurbelset zu deinem Tretlager passt.

Preise

Mit einem Preis von 200 bis 700 Euro pro Seite zählen Kurbel-Powermeter zu den preiswertesten Lösungen unter den Leistungsmessern. So erhältst du die Stages Power bereits für einen Preis ab 399 Euro und die Precision Powermeter von 4iii ab 250 Euro.

Leistungsmesser im Spider

Spider-Powermeter sind die am weitesten verbreiteten Leistungsmesser. Sie arbeiten mit Dehnmessstreifen, die sich im Kurbelstern oder der Kurbelspinne (Spider) befinden. Da es verschiedene Formen und Größen gibt, findet sich für alle Tretlager und Kettenblätter mit egal welchem Lochkreisdurchmesser das passende Produkt. Grundsätzlich stehen dir die einzelne Spinne oder komplette Sets zur Verfügung, wobei du bei Spider-Powermetern darauf achten solltest, dass sie nur zu bestimmten Kurbelgarnituren passen. Die SRM Campagnolo Powermeter sind zum Beispiel für Rennräder mit Campagnolo-Gruppe geeignet.

Hersteller

1986 revolutionierte der Medizintechniker und Ingenieur Ulrich Schoberer mit seinem SRM-System (Schoberer Rad Messtechnik) die Leistungsmessung. Noch heute gilt SRM als Maßstab für Qualität und Genauigkeit. Nachdem SRM in den letzten drei Jahrzehnten hauptsächlich Spider-Powermeter hergestellt hatte, brachte das Team mit dem SRM Origin ein modulares Konzept auf den Markt, bei dem du Spindel, Kurbel und Kettenblätter selbst konfigurieren und an deine persönlichen Bedürfnisse anpassen kannst. So lässt sich das System mit vielen verschiedene Rahmen und Tretlagern verwenden und die Frage nach der Kompatibilität hat sich erledigt. Neben SRM mischen auch Quarq , Rotor oder Fullspeed Ahead (FSA) auf dem Spider-Markt mit.

Vor- und Nachteile

Die Messung im Spider ist aufgrund der Genauigkeit und Haltbarkeit der Powermeter unter Profisportlern oft die beliebteste Option. Auf der anderen Seite solltest du beachten, dass die Auswahl aufgrund von Kompatibilitätsschwierigkeiten eher gering ausfällt und sich Pedale einfacher wechseln lassen.

Kompatibilität

Bei Spider-Powermetern solltest du darauf achten, dass die Spinne zur Kurbel und dem Lochkreisdurchmesser oder Bolt Circle Diameter (BCD) deiner Kettenblätter passt. So sind die SRM Campagnolo Powermeter zum Beispiel mit einem BCD von 110 und 135 Millimeter erhältlich.

Tipp: Finde heraus, wie der BCD deiner Kettenblätter lautet, indem du bei einer 4-Arm-Kurbel den Abstand zwischen den gegenüberliegenden Lochzentren misst. Bei asymmetrischen 5-Arm-Kurbeln misst du den Abstand zwischen zwei nebeneinander liegenden Befestigungslöchern und multiplizierst den Wert mit 1,7.

Preise

Preislich bewegen sich die Spider-Powermeter im Mittelfeld: Mit einem Preis von 400 und 600 Euro sind sie etwas teurer als einseitige Kurbelsysteme, ungefähr so teuer wie Powermeterpedale mit einem Sensor, aber günstiger als Lösungen, die mithilfe zweier Sensoren an beiden Kurbelarmen oder Pedalen messen.

Fazit

Durch die Messung deiner Leistung in Watt ermöglichen Powermeter eine umfangreiche und exakte Analyse. Dabei haben die verschiedenen Typen etwas gemein: Alle liefern zuverlässige Informationen und bringen in Hinblick auf Montage, Kompatibilität, Gewicht und Preis verschiedene Vor- und Nachteile mit.