Anmelden

10
Fitness & Training

Die häufigsten Verletzungen beim Fahrradfahren

Die häufigsten Verletzungen beim Fahrrad...

23.04.2021 - Update: 31.08.2021



So schön es ist, auf dem Bike unterwegs zu sein: Wer Fahrrad fährt, hat ein gewisses Verletzungsrisiko. Zum einen kann hartes Training zu einer Überlastung des Körpers und damit einhergehenden Beschwerden führen, zum anderen kann ein Sturz oder Unfall Verletzungen hervorrufen. Hier findest du die häufigsten Leiden von Radfahrern und Tipps, wie du sie vermeiden oder behandeln kannst.

Nicht-traumatische Verletzungen

Eine länger andauernde Überlastung kann nicht-traumatische Verletzungen, also Verletzungen ohne Gewalteinwirkung von außen, hervorrufen. Rennradfahrer sind davon am ehesten betroffen, da sie über Stunden hinweg die selben Bewegungsabläufe machen.

Häufig sind die Ursachen von nicht-traumatischen Verletzungen eine unzureichende Anpassung des Fahrrads an den Fahrer oder eine ausbaufähige Fahrtechnik.

Das Karpaltunnelsyndrom

Treten beim Radfahren Beschwerden an Zeige-, Mittelfinger oder Daumen auf, kann ein hoher Druck auf dem Ausgang des Karpaltunnels der Grund dafür sein. Der Karpaltunnel ist eine tunnelartige Röhre im Bereich des Handgelenks. Knickst du es zu stark ab, wenn du den Lenker fasst, komprimiert das die dort verlaufenden Nerven, Sehnen und Blutgefäße.

Der Karpaltunnel verengt sich und im schlimmsten Fall schädigt diese Haltung auf Dauer den Mediannerv. Typisches Symptom des Karpaltunnelsyndroms sind einschlafende, kribbelnde Hände.

Tipp: Ein korrekt eingestellter Flügelgriff kann das Handgelenk auch bei längeren Fahrten in einer ergonomisch optimalen Position halten. Wir haben uns in einem gesonderten Artikel mit ergonomischen Lenkergriffen befasst.

Entzündung der Patellasehne

Das Knie ist während der Fahrt einer harten Belastungsprobe ausgesetzt, denn bei jedem Tritt wird das Gelenk beansprucht. Ein durchschnittlicher Fahrer fährt mit einer Trittfrequenz von 60-80 Kurbelumdrehungen pro Minute. Profisportler kommen auf bis zu 110 Umdrehungen pro Minute. Ein zu niedriger Sattel kann den vorderen Oberschenkelmuskel zu stark beanspruchen, wodurch es zu einer Entzündung der Patellasehne kommen kann. Das macht sich am vorderen Knie durch druckähnliche Schmerzen bemerkbar.

Tipp: Korrigierst du die Sitzhöhe nach oben, werden Achillessehne und Gesäßmuskeln stärker beansprucht und die Patellasehne entlastet. Mach das aber besser nicht auf eigene Faust, sondern lasse dich von einem professionellen Bikefitter beraten. Denn eine Veränderung der Sitzposition an einer Stelle, beeinflusst immer auch andere Stellen. Hier findest du alle wichtigen Infos zum Bikefitting.

Entzündung der Achillessehne

Eine Entzündung der Achillessehne äußert sich durch Schmerzen und Steifheit im Bereich der Sehne, die sich beim Radfahren verstärken. Die Ursache dafür kann ein zu hoch eingestellter Sattel sein. Streckst du den Fuß zu stark, wenn du den tiefsten Punkt der Kurbelumdrehung erreichst, sind die Waden ständig kontrahiert und die Sehne überdehnt sich.

Tipp: Korrigiere die Sitzhöhe nach unten, um die Achillessehne zu entlasten. Hast du bereits Schmerzen, lege für einige Tage eine Trainingspause ein und kühle die Sehne mit einem Eisbeutel.

Rücken- und Nackenschmerzen

Die Gründe für Rücken- und Nackenschmerzen sind mannigfaltig. Ein zu hoher oder zu geneigter Sattel kann genauso dafür verantwortlich sein, wie ein nicht richtig eingestellter Lenker oder ein zu kleiner oder zu großer Rahmen. Im besten Fall lässt du dein Fahrrad von einem Profi auf dich und deinen Fahrstil anpassen. Ein professionelles Bike-Fitting kann auf den ersten Blick vielleicht ein wenig teuer erscheinen, lohnt sich aber auf lange Sicht.

Tipp: Einige Sportler greifen bei leichten Schmerzen auf Kinesiotapes zurück. Diese hochelastischen Pflaster verschieben die Haut bei Bewegungen gegen das darunterliegende Gewebe. Dieser Reiz soll Muskelverspannungen regulieren, den Blutfluss verbessern und Schmerzen lindern.

Zudem hilft es, die Rumpfmuskulatur zu stärken, so kannst du die Sitzposition länger halten ohne zu verkrampfen.

Traumatische Verletzungen

Zu diesen Verletzungen zählen alle, die durch Krafteinwirkung von außen entstehen. Im Fall von Radfahrern ist das meist ein Sturz. Häufig kommen Radler mit harmlosen Abschürfungen, Riss- oder Quetschwunden davon.

Kleinere Verletzungen kannst du in der Regel selbst behandeln, zum Beispiel, indem du eine Schürfwunde desinfizierst und gegebenenfalls mit einem Pflaster schützt.

Kommt es zu einem direkten Aufprall, ist häufig das Schlüsselbein von einem Riss oder Bruch betroffen. Ellbogen-, Unterarm- und Handgelenksbrüche sind ebenso keine Seltenheit und entstehen, wenn der Radfahrer versucht, sich im Sturz abzufangen.

Traumatische Verletzungen können jeden Radfahrer betreffen. Besonders häufig treten sie jedoch bei Mountainbikern auf. Im unwegsamen Gelände und bei hoher Geschwindigkeit werden Hindernisse oft übersehen oder Sprünge schlagen fehl. Während die meisten Fahrradfahrer nach vorn fallen, stürzen Mountainbiker in jede Richtung.

Schulter und Schlüsselbein

Wer mit Schwung vom Fahrrad fällt, trifft häufig mit Schulter und Kopf voran auf dem Boden auf. Eine Luxation, also das Auskugeln des Schultergelenks, kann die Folge sein. Dabei können auch die Bänder, die das Schlüsselbein und Schulterblatt zusammenhalten, überdehnt werden. Manchmal bricht auch das Schlüsselbein.

Bei einer konservativen Therapie richtet der Arzt gebrochene Extremitäten ohne Operation wieder ein. Das Gelenk oder der Knochen muss danach ruhig gestellt werden. Das passiert bei Extremitäten mit einem Gips, beim Schlüsselbein mit einem Rucksackverband und bei der Wirbelsäule mit einem Korsett.

Tipp: Um deinen Kopf bei Stürzen zu schützen, solltest du unbedingt einen Helm tragen. Die Schulter bleibt angreifbar, aber regeneriert sich in der Regel mit der passenden Therapie innerhalb einiger Wochen.

Handgelenk

Der Reflex, die Hand bei einem Sturz auszustrecken, um die Landung abzufedern, kann zu Verletzungen führen. Häufig treten Brüche im Handgelenk, im Daumen oder im Unterarm auf. Jede Hand besteht aus 27 Knochen – je nachdem wo ein Bruch lokalisiert ist, kann der Heilungsprozess einige Zeit in Anspruch nehmen. Das Kahnbein unterhalb des Daumens ist bei einer Gewalteinwirkung auf das Handgelenk besonders stark gefährdet.

Bänderzerrungen und -risse entstehen, wenn der Daumen, Finger oder die ganze Hand bei einem Aufprall nach hinten gedrückt werden. Besonders oft ist der Daumen betroffen, bei dem die Bänder im schlimmsten Fall vom Knochen gedrückt werden.

Tipp: Nicht jeder Sturz geht glimpflich aus und Knochenbrüche lassen sich nicht immer verhindern. Fahrradhandschuhe aus robuster Kunstfaser mit Protektoren für die Fingerknöchel und abriebfester Innenhand können deine Hand aber vor oberflächlichen Verletzungen schützen.

Fußgelenk

In den unteren Extremitäten kommt es vor allem zu Schürfwunden, Platzwunden und Prellungen. Nach Sprüngen treffen Mountainbiker oft mit einem Fuß auf, der die gesamte Einschlagkraft zu spüren bekommt. Es kann zu Brüchen im Fuß und im Fußgelenk kommen.

Wurde ein Bruch von ärztlicher Seite ausgeschlossen, geht es darum, Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren. Das regelmäßige Hochlagern des betroffenen Beines und spezielle Kompressen können den Heilungsprozess fördern.

Ist Fahrradfahren gefährlich?

Die Vorteile des Radfahrens überwiegen Nachteile wie Verletzungen und Überlastungen. An sich ist Radfahren gesund und gelenkschonend. Du bringst deinen Kreislauf in Schwung, stärkst deinen Bewegungsapparat und trainierst deine Kondition.

Überlastungen kannst du am besten vermeiden, indem du Umfänge und Intensität deiner Radtouren langsam steigerst und dir regelmäßig Ruhetage gönnst, an denen sich die Körperstrukturen an die Belastung anpassen können.

Nicht jeder Sturz lässt sich verhindern, doch Sicherheitsmaßnahmen, wie einen Fahrradhelm aufzusetzen und vorausschauend und rücksichtsvoll zu fahren, minimieren das Verletzungsrisiko.

Die meisten Prellungen und Knochenbrüche heilen nach einigen Wochen gut ab und die wenigsten Fahrradfahrer beschweren sich über ihre Leiden. Das Frustrierendste ist wohl, dass du nach einer Verletzung eine kleine Pause einlegen musst, bis du dich wieder guter Dinge auf den Sattel setzen kannst.

Wir aus der Bikes.de-Redaktion haben eine große Leidenschaft: Fahrräder. Und diese Leidenschaft wollen wir mit dir teilen. Daher sind wir immer auf der Suche nach neuen, spannenden und relevanten Themen rund ums Rad, die dir Information und Orientierung bieten – und vor allem jede Menge Lust aufs Radfahren machen sollen. Viel Spaß beim Lesen!