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Warum haben Fahrradhosen ein Sitzpolster?

Warum haben Fahrradhosen ein Sitzpolster...

23.04.2021 - Update: 16.06.2021

Warum haben Fahrradhosen ein Sitzpolster?

Wer länger mit dem Fahrrad unterwegs ist, kennt das Gefühl von schmerzenden Sitzknochen wahrscheinlich aus eigener Erfahrung. Selbst der hochwertigste Sattel macht sich ab einer gewissen Zeit bemerkbar. Eine Fahrradhose mit Sitzpolster kann den Komfort auf dem Bike erhöhen und die schmerzfreie Sitzzeit verlängern. Wir erklären dir, für wen sich Radhosen mit Polster eignen, zwischen welchen Typen von Sitzpads du wählen kannst und worauf du sonst noch beim Kauf achten solltest.

Was unterscheidet gepolsterte Fahrradhosen von Sporthosen?

Sporthosen eignen sich wunderbar, um darin kürzere Strecken auf dem Fahrrad zurückzulegen. Wer länger als 30 Minuten unterwegs ist, merkt aber, dass selbst bequeme Hosen scheuern, kneifen oder einengen können. Manche sind auch schlicht aus zu rutschigem Material, sodass du keinen Halt auf dem Sattel findest.

Gepolsterte Fahrradhosen sollen schmerzenden Sitzknochen vorbeugen und verhindern, dass du dich am Sattel wund scheuerst. Sie sind zu einem gewissen Grad dehnbar, körpernah geschnitten und liegen eng am Oberschenkel an. Besonders wichtig ist die Dicke und die Verarbeitung der Polsterung im Sitzbereich, da Fahrradhosen üblicherweise ohne Unterwäsche getragen werden. 

Für wen eignen sich Fahrradhosen mit Polsterung?

Die Kontaktstelle zwischen Hose und Sattel ist eine zentrale Verbindung zwischen Fahrer und Rad – und die Körperteile unter dem Textil sind recht empfindlich. Aus dem Radsport, wo die Fahrer meist mehrere Stunden unterwegs sind, sind Fahrradhosen deshalb nicht mehr wegzudenken. Alltagsfahrer, die sich hin und wieder in der Freizeit aufs Fahrrad schwingen, können aber ebenso von gepolsterten Radhosen profitieren. 

Sitzpolster für Rennradfahrer

Das Sitzpolster ist in Rennradhosen bereits eingenäht, da sie ohne Unterhosen getragen werden. Rennradhosen bestehen in der Regel aus einer dehnbaren Polyamid-Elasthan-Mischung, die sich wie eine zweite Haut an den Körper des Fahrers schmiegt. Dieser Stoff, auch Lycra genannt, federt gut zurück und ermöglicht einen faltenarmen Sitz. So soll das Sitzpolster einerseits druckfrei in Position bleiben, andererseits die Hose (und damit auch indirekt das Pad) die Tretbewegung mitgehen können. 

Die Stärke des Sitzpolsters richtet sich üblicherweise nach der Länge der Fahrzeit. Was vielleicht erst einmal komisch klingen mag: Je länger die Tour, desto dünner wird das Sitzpolster. Der Grund dafür ist zum einen, dass Fahrer, die lange unterwegs sind, meist erfahren und entsprechend „abgehärtet“, zum anderen sinken die Sitzknochen in einem dickeren Pad eher ein. Das reizt sie anstatt sie zu polstern.

Da Rennradfahrer recht weit nach vorn geneigt auf dem Rad sitzen und deshalb auch mit dem Dammbereich auf dem Sattel aufliegen, haben Rennradpolster nicht nur hinten, sondern auch vorn oft eine Polsterung während der Mittelteil flach bleibt, oder bestehen durchgehend aus textilüberzogenem Schaumstoff.

Weitere Infos zum Zusammenspiel von Sattel und Polster findest du weiter unten!

Mountainbiker

Die Schnellen unter den MTBlern greifen in der Regel wie Rennradfahrer zu eng anliegenden kurzen Hosen oder Trägerhosen, die bereits mit der entsprechenden Polsterung ausgestattet sind. 

Tourenfahrer setzen oft auf ungepolsterte Überhosen (zum Beispiel Baggy Shorts) mit entnehmbarengepolsterten Innenhosen. Innenhosen sind als reine Unterziehhosen konzipiert und bestehen aus dünnem, möglichst schnell trocknendem Material, zum Beispiel (teils) aus luftigem Mesh (Netz), das wiederum aus Nylon oder Polyester gemacht ist.

Polyester hat einen leicht strukturierten Griff, während Nylon sich eher wie Kunstseide anfühlt und etwas mehr Elastizität mitbringt. Mesh-Materialien sind besonders atmungsaktiv und wirken temperaturregulierend. 

Der große Vorteil von Innenhosen liegt in der Flexibilität bei der Auswahl der Überhose. Innenhosen, sofern sie nicht mittels Druckknöpfen, Klett oder Laschen auf die Kombination mit einer bestimmten Überhose ausgelegt sind, lassen sich mit langen, warmen oder kurzen, luftigen Überhosen tragen - ähnlich wie Unterhosen, nur eben mit Polster. 

Freizeitfahrer

Wer länger als 30 Minuten unterwegs ist, kann durch eine Radhose mit Polsterung an Komfort gewinnen und seine Sitzknochen in einer gesunden Position halten. 

Citybike-Sättel fallen eher weich aus und passen sich nach einiger Zeit dem Körper des Fahrradfahrers an. Die Polsterung der Fahrradhose sollte bei weichen Satteln vergleichsweise hart ausfallenum einsinkende Sitzknochen zu vermeiden. Es sollte jedoch, natürlich, die Blutzufuhr nicht einschränken. 

Wie sind Sitzpolster aufgebaut?

Moderne Einsätze bestehen häufig aus stark vorgeformten Mehrkomponenten-Polstern aus verschieden dicken und harten Materialien. Das Obermaterial wird aus einem atmungsaktiven Stoff gefertigt, durch dessen Poren die Luft zirkulieren kann. Darunter befinden sich die eigentlichen Polsterungen. Eine verstärkte Polsterung im hinteren Bereich entlastet den Gesäßknochen.

Baut das Polster im vorderen Bereich höher auf, soll das Druckspitzen auf das Schambein abdämpfen. Perforierungen und Ventilationskanäle sorgen für die Thermoregulierung, das heißt dafür, dass sich die Wärme und Nässe nicht staut. 

In der Regel bestehen Polsterungen aus Schaumstoffen, die in unterschiedlichen Densitäten (Dichte des Materials) hergestellt werden. Die Dichte variiert zwischen 50 und 120 Kilogramm pro Quadratmeter. Langstreckenfahrer mögen meist dichte Polsterungen lieber (siehe oben), während weiche Pads für mehr Komfort im Allround-Einsatz und auf kurzen Strecken sorgen können. Die Polsterhöhe reicht bei gängigen Modellen von vier bis 18 Millimeter. 

Neben Schaumstoffpolstern gibt es auch Polsterungen aus Gel. Gelpolster verformen sich unter der Belastung und passen sich flexibel an deine Sitzposition an, außerdem haben sie gute stoßabsorbierende Eigenschaften. Der Nachteil: Gel kann keine Feuchtigkeit aufnehmen - und wenn die Polster zu dick sind, wackelst du eventuell ganz leicht darauf herum. Das könnte auf Dauer unangenehm werden.

Eine nahtfreie Herstellungsweise, zum Beispiel durch ein Verschweißen oder Verkleben der einzelnen Komponenten, verhindert, dass Nähte an der Haut scheuern. Weiter unten findest du vier Tipps, die dir helfen, ein gut verarbeitetes Polster zu finden und es richtig zu pflegen.

Sitzfett

Sitzfett stammt aus einer Zeit, in der Hosen mit einer Ledereinlage gepolstert wurden. Damit diese geschmeidig blieb, musste sie regelmäßig eingefettet werden. Synthetische Materialien kommen wunderbar ohne dieses Fett aus. Moderne Sitzcremes erfreuen sich dennoch großer Beliebtheit bei Langstreckenfahrern. Sie reduzieren die Reibung, wirken antibakteriell und können einen kühlenden Effekt haben. Achte aber darauf, dass du spezielle Sitzpolster-Cremes verwendest. Herkömmliche Lotionen können Inhaltsstoffe enthalten, die das Sitzpolster angreifen oder deine Haut reizen.

Für das Auftragen der Sitzcreme reicht eine Menge von drei Fingerspitzen aus, die du durch ein Verreiben zwischen deinen Fingern aufwärmst. Am besten schmierst du die Nähte des Sitzpolsters, oder rund um das Sitzpolster, als erstes ein, da hier am ehesten Reibung entsteht. Danach kannst du die übrige Creme über das gesamte Polster verteilen. 

Passform Polster

Der Schnitt des Sitzpolsters richtet sich nach der geschlechtsspezifischen Anatomie. In Männerhosen ist die Polsterung häufig etwas schmaler und länger. Ein mittlerer Kanal kann den Druck im Dammbereich reduzieren und die Durchblutung fördern. Radhosen für Frauen sind oft mit einer etwas kürzeren und dafür breiteren Einlage ausgestattet.

Polstersitz und Sattel

Bei der Anprobe der Fahrradhose in der Umkleidekabine des Radladens gilt es vor allem eines zu beachten: Die Hose sollte, anders als gewöhnliche Sporthosen, nicht im Stehen passen, sondern wenn du auf dem Fahrrad sitzt.

  • Am besten nimmst du bereits in der Kabine immer wieder eine nach vorn gebeugte oder hockende Haltung ein und prüfst, ob das Polster deine Anatomie unterstützt. Ein gutes Polster sollte jede Bewegung reibungsfrei mitmachen.
  • Die Hose darf im Stehen eher stramm sitzen, damit sie auch in einer gebeugten Haltung nah am Körper bleibt. Das gilt besonders für Trägerhosen, die Träger dürfen sich im aufrechten Stand leicht zu kurz anfühlen, dann schlabbern sie in Radhaltung nicht. Ist die Fahrradhose zu groß, rutscht dein Gesäß während der Fahrt in der Hose. Das führt zu einer ungleichen Druckverteilung und Schmerzen durch das Scheuern. Ist die Hose zu klein, kneift sie höchstwahrscheinlich irgendwann.

Ein gut sitzendes Polster ist aber erst die halbe Miete. Vor allem kommt es auf das Zusammenspiel von Polster und Sattel an. Alltagsfahrer haben meist weichere und breitere Sättel, während sportliche Fahrer eher auf härtere Sattel setzen, die auch unter längerer Belastung ihre Form behalten.

Etwas dickere Sitzpolster harmonieren aber, wenn, dann eher mit mittelharten bis harten Fahrradsätteln und nicht ganz so lange Fahrten. Wer mit einem dicken Polster auf einem weichen Sattel sitzt, kann an Halt einbüßen und ins „Schwimmen“ geraten oder mit den Sitzknochen einsinken. Statt mehr Komfort zu gewinnen, verlierst du an Kraft und läufst Gefahr, dir Scheuerstellen zu holen.

Dünne Polsterungen eigenen sich für erfahrene Radsportler, die schon etwas „Sitzhärte“ haben. An ein gut gemachtes, dünnes Pad gewöhnen sich aber auch Fahrradhosen-Neulinge schnell. Der Vorteil einer dünnen Polsterung ist die bessere Belüftung, die z. B. ideal für Ausfahrten an heißen Sommertagen ist.

Der erste Eindruck in der Kabine sollte bestenfalls noch vor dem Kauf einem Praxistest unterzogen werden. Allerdings werden die wenigsten Händler begeistert sein, wenn du mit einer nagelneuen Hose durch die Gegend fährst und sie danach nicht kaufst. Zudem verändert sich durchaus im Laufe der Fahrzeit das Sitzgefühl. Erst nach rund ein bis zwei Stunden erschlafft die Haltemuskulatur und du sitzt „voll“ auf dem Pad. Es bleibt also leider nichts anderes übrig, als nach dem Gefühl im Laden zu gehen und aufs Beste zu hoffen.

4 Tipps, damit das Sitzpolster lange hält

  • Die Radhose solltest du unbedingt in der passenden Größe kaufen, viele Anbieter haben auf ihrer Webseite Größen- und Maßtabellen, an denen du dich orientieren kannst. Du solltest keine normale Unterhose unter der Radhose tragen, auch nicht bei der Anprobe. Nur so stellst du die richtige Passform deines Polsters sicher. 

  • Hochwertige Polster haben keine Nahtstellen, die scheuern können. Im besten Fall gibt es nur eine Rundumnaht, mit der das Polster eingenäht ist, oder das Pad ist mit dem Hosenmaterial verklebt oder verschweißt. Gibt es eine Außennaht, achte auch bei dieser auf die Verarbeitung. Doppelte Fäden und dichte Stiche sind gute Qualitätsmerkmale - und sie sollte natürlich möglichst flach sein.

  • Während der Fahrt dringt Schweiß in das Polster ein und macht es unflexibel, zudem kann Sonnenöl das Material der Hose angreifen. Du solltest die Radhose deshalb nach jeder Ausfahrt mit lauwarmen Wasser auswaschen. Beachte dazu das Pflegeetikett und verwende keinen Weichspüler. 

  • Taschen an der Sattelstütze können die Oberschenkel-Innenseite der Radhose aufscheuern. Besonders abstehende Klettverschlüsse beschädigen die beste Fahrradhose innerhalb kürzester Zeit. Stelle sicher, dass deine Hose nur mit dem Sattel in Berührung kommt.

Die ideale Polsterung

Wer sich für eine Radhose mit Sitzpolster interessiert, sollte sie unbedingt vor dem Kauf anprobieren und sich dafür etwas Zeit nehmen. Gepolsterte Radhosen müssen stramm anliegen, im Optimalfall wie eine zweite Haut. Nicht im Stehen muss die Passform stimmen, sondern wenn du auf dem Bike sitzt, deshalb solltest du bei der Anprobe die Fahrradhaltung (zumindest grob vor dem Spiegel) einnehmen. Ein Fachhändler hilft dir bei der Auswahl der richtigen Polsterung. Die ideale Fahrradhose hängt vom Typ deines Fahrrads und vor allem von deiner Anatomie ab – da hilft nur ausprobieren!