Wie umweltfreundlich sind E-Bikes wirklich?

Wie umweltfreundlich sind E-Bikes wirklich?

E-Bikes haben sich laut "Statista" in den vergangenen Jahren zu einem absoluten Verkaufsschlager entwickelt. Die Verbindung zwischen moderner, ressourcensparender Technik und der Freude am Fahrradfahren scheinen eine Vielzahl von Menschen für das Radeln zu begeistern – bei Bedarf mit motorisierter Unterstützung. 

E-Bike-Hersteller prognostizieren, dass in den nächsten sieben Jahren jedes zweite verkaufte Fahrrad ein E-Bike sein könnte. Doch ist das trendige Fortbewegungsmittel wirklich so nachhaltig, wie es uns die Werbung verspricht? Wie viel CO2 spart man tatsächlich, wenn man mit einem E-Bike statt einem Pkw oder einem Elektroauto unterwegs ist? 

Gibt es eine Möglichkeit, auch bei der verwendeten Technik auf Nachhaltigkeit in der Produktion zu achten und welche Transportmittel sind effektiv? Darum geht es im Folgenden.

E-Bikes: Umweltfreundliche Alternative zum Auto?

E-Bikes und Pedelecs werden nicht zufällig in der Bevölkerung immer beliebter. Die steigenden Umsatzzahlen unterschiedlicher E-Bike-Hersteller beweisen es: Immer mehr Menschen wünschen sich eine nachhaltige Alternative der Fortbewegung, die umweltfreundlich und gleichzeitig ökonomisch sinnvoll ist. 

Zu den größten Vorteilen von E-Bikes im Stadtverkehr zählen vor allem ihre große Reichweite und die große Unabhängigkeit von Stressfaktoren wie die Parkplatzsuche oder Staus im Feierabendverkehr. 

Hier sind die modernen E-Bikes in allen Kategorien konkurrenzfähig mit herkömmlichen Verkehrsmitteln wie Autos oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Zudem bewegt man sich radelnd aktiv an der frischen Luft, was definitiv gesünder ist, als nur im Auto zu sitzen.

Alle relevanten Umweltfaktoren berücksichtigen

Doch ist ein E-Bike tatsächlich umweltfreundlicher als die modernen Vierräder? Lohnt sich so ein Umstieg aufs Pedelec? Um diese Fragen zu beantworten, gilt es, einige Faktoren zu beachten. 

Neben den direkten und indirekten CO2-Emissionen müssen bei einem Vergleich auch der Energieverbrauch des jeweiligen Fahrzeugs, der durchschnittliche Flächenverbrauch, die Geräuschbelastung und weitere Faktoren in die Beurteilung einfließen. Dagegengehalten werden müssen die Auswirkungen der eingesetzten E-Bike-Akkus auf die Umwelt – denn auch deren Produktion und Anwendung trägt erheblich zur Umweltbilanz bei. 

E-Bike vs. Pkw: Co2-Emissionen im Direktvergleich

Schaut man auf den durchschnittlichen Energieverbrauch und CO2-Ausstoß von dieselbetriebenen Pkws, Autos mit Ottomotor und Pedelecs im direkten Vergleich, fällt nach dem TREMOD-Modell – einem Rechenmodell, das zur Ermittlung der Klimagas- und Luftschadstoffemissionen motorisierter Fahrzeuge genutzt wird – schon ein eklatanter Unterschied auf. 

Die CO2-Emissionen eines Pkws, der mit einem Ottomotor betrieben wird, sind 39-mal höher als die eines Pedelecs. Die Kraftstoffkosten, die ein normaler Pkw verursacht, sind, auf 100 Kilometer gerechnet, sogar um das 47-fache höher als die eines herkömmlichen E-Bikes. 

Zum Vergleich: Die Energiemenge, die von einem E-Bike verbraucht wird, um eine Strecke von zehn Kilometern zurückzulegen, entspricht der Menge an Strom, die man benötigt, um 0,7 Liter Wasser zum Kochen zu bringen. 

Sind E-Bikes also die Transportmittel der Zukunft? Auch beim Fahren eines E-Bikes entstehen Emissionen. Diese werden jedoch nicht in Form von CO2-Ausstoß an die Außenwelt abgegeben, wie es bei herkömmlichen Autos der Fall ist, sondern allein durch die elektrische Auf- und Entladung des eingebauten Akkus. Die entstehenden Gesamtemissionen liegen bei einem Pedelec trotzdem weiterhin weit unter denen eines Diesel- oder Benzinfahrzeugs. 

Auf eine Distanz von 100 Kilometern gerechnet, entsteht durch die Ladung des Akkus und des verwendeten Stroms dafür eine CO2-Emission von 0,564 Kilogramm. Im Vergleich dazu liegt ein Pkw, der mit Benzin betrieben wird, bei 22,08 Kilogramm. Ein Fahrzeug mit Dieselmotor hingegen verursacht einen CO2-Emissionsausstoß von 19,14 Kilogramm

E-Bike besser als Pkw, Fahrrad gewinnt Umwelt-Rennen

Daran lässt sich gut ablesen, dass sich ein Umstieg vom Pkw aufs E-Bike durchaus lohnen kann, wenn man auf den durchschnittlichen Schadstoffausstoß achtet.

Auch der Kraftstoffverbrauch kann für Fahrradfreunde ein triftiger Grund sein, um auf das nachhaltigere Pedelec umzusteigen. Zu beachten ist trotzdem, dass ein E-Bike im Vergleich zu einem durch Muskelkraft betriebenen Fahrrad mehr Schadstoffe freisetzt und auch in der Anschaffung erheblich höhere Kosten verursacht.

Die Feinstaubbelastung im Detail

Die Belastung der Luft durch Schadstoffe ist ein weiterer Faktor, der im Vergleich zwischen Auto und Pedelec besonders ins Gewicht fällt. Pkws produzieren einen nicht unerheblichen Anteil an Schadstoffen wie Feinstaub, Kohlenmonoxid und Schwefeldioxid. Gelangen diese Schadstoffe in die Luft, verschlechtern sie nicht nur deren Qualität, sondern wirken sich auch auf das Wohlbefinden von Menschen, Tieren und Ökosystemen aus.

Eine hohe Feinstaubbelastung wirkt sich, wie wir alle wissen, auch schädigend auf die Ozonschicht der Erde aus und befördert so den Klimawandel. Pedelec-Fahrer können im Gegensatz zu Autofahrern einen Großteil des Schadstoffausstoßes vermeiden.

Auf eine Strecke von 100 Kilometern verbraucht ein E-Bike insgesamt nur 0,5 Gramm Stickoxide und 0,2 Gramm Feinstaub durch indirekte Emissionen beim Aufladen des Akkus, wohingegen ein durchschnittlicher Pkw 30,64 Gramm an Stickoxiden und 0,36 Gramm an Feinstaub auf der gleichen Strecke ausstößt.

Nachteil des E-Bikes: Die Akku-Herstellung

Die Nachhaltigkeit eines Pedelecs schlägt sich in den niedrigen Werten des Emissionsausstoßes zweifelsfrei nieder. Trotzdem gibt es auch Nachteile an dem nachhaltigen Fortbewegungsmittel, die man vor der Anschaffung eines E-Bikes dringend beachten sollte. Viele Hersteller von E-Bikes und Pedelecs bemühen sich, auch bei der Produktion von E-Bikes und deren Akkus auf Nachhaltigkeit zu achten. 

Allerdings kommen auch in Europa beim Bau von unterschiedlichen Akkus immer wieder Schwermetalle wie Blei, Nickel und Quecksilber zum Einsatz. In Deutschland werden jedoch immer mehr Lithium-Ionen-Akkus verbaut, um die Belastung durch Schwermetalle möglichst gering zu halten. 

Die größte Umweltbelastung beim Bau eines E-Bikes entsteht im Fertigungsprozess selbst. Die Akku-Herstellung belastet das Klima durch die Gewinnung der Materialien und den hohen Aufwand im Recyclingprozess. Das ist jedoch der einzige Faktor in der Herstellung eines Pedelecs, der sich negativ auf die Ökobilanz auswirkt. 

Qualität ist Trumpf, denn Verschleiss schadet dem Klima

Trotzdem werden bei weitem weniger Ressourcen ausgebeutet als beim seriellen Bau und der Verarbeitung von anderen Fahrzeugteilen. Wichtig ist, dass in die Bilanz auch einfließt, dass Bauteile, wie der Akku, verschleißen und gegebenenfalls ersetzt werden müssen. Deswegen sollte man nicht an der Qualität seines E-Bikes sparen.

Besonders entscheidend für die Einsparungen an Schadstoffen während der Produktion ist die Lebensdauer des Akkus: Ist die Haltbarkeit des E-Bike-Akkus nämlich lang genug, können der Ressourcenverbrauch und die negative Ökobilanz durch die Einsparung an CO2 während seiner Lebensdauer zumindest zu Teil ausgeglichen werden. 

E-Bikes unterwegs: alltagstauglich und trotzdem ökologisch 

Selbstverständlich ist es unrealistisch, von heute auf morgen im großen Stil den Umstieg vom Pkw aufs E-Bike zu schaffen. Um trotzdem zur Klimawende beitragen zu können und einen nachhaltigeren Lebensstil zu führen, machen bereits kleine Schritte einen großen Unterschied

Hierbei können Mischmodelle, wie die Kombination von E-Bike und öffentlichen Verkehrsmitteln, bereits eine gute Lösung sein. Auch verschiedene Sharing-Modelle, wie E-Bike-Sharing, sind ein Schritt in die richtige Richtung. 

Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein eigenes E-Bike anzuschaffen, um auf eine nachhaltige Alternative zu alteingesessenen Fahrzeugen zurückzugreifen, kann sich sogar über staatliche Unterstützung freuen, denn die meisten Bundesländer und Kommunen fördern den Kauf eines E-Bikes mit bis zu 1.500 Euro und erleichtern Interessierten so die Kaufentscheidung. 

Fazit: Der Umstieg auf's E-Bike lohnt sich

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich der Umstieg aufs E-Bike tatsächlich lohnt. Nicht nur, weil durch das tägliche E-Bike-Fahren direkte Emissionen effizient verringern lassen, sondern auch, weil der aktivere Lebensstil auch viele gesundheitliche wie finanzielle Vorteile bringt. Pedelec-Fahrer sorgen für mehr Nachhaltigkeit im Straßenverkehr und fördern gleichzeitig die Nutzung erneuerbarer Energien.

Alltagstauglich und konkurrenzfähig sind die modernen Pedelecs im Vergleich zu Pkws allemal. Trotzdem sollte man Umstände wie kalte Wintermonate oder schwierig zu befahrene Strecken nicht außer Acht lassen, wenn man über die Anschaffung eines E-Bikes nachdenkt. 


Bikes.de Redaktion