Radfahren in Europa: Fahrradkulturen anderer Länder

Radfahren in Europa: Fahrradkulturen anderer Länder

Andere Länder, andere Fahrradsitten. Während einige europäische Länder und Großstädte mit einzigartigen Konzepten und einer erstklassigen Infrastruktur begeistern, sind andere eher weniger zum Radfahren geeignet.

Wo in Europa gibt es die meisten Radwege, wo die schönsten Strecken? Wir nehmen dich mit auf eine Radreise durch Europa und klären dich über die Fahrradkulturen anderer Länder auf.

Europavergleich: die fahrradfreundlichsten Länder und Städte in Europa

Wenn es um fahrradfreundliche Städte geht, denken viele Menschen sofort an Amsterdam oder Kopenhagen. Tatsächlich ist es schwierig, einen Sieger zu küren, da jeder unter Fahrradfreundlichkeit etwas anderes versteht. Während es für manche nur um die Zahl der Radwege geht, spielen für andere auch das Wetter und die Sicherheit eine wichtige Rolle.

Vertraut man auf den Copenhagenize Index, einem der bekanntesten und verständlichsten Rankings, ist Kopenhagen die fahrradfreundlichste Stadt der Welt – dicht gefolgt von Amsterdam und Utrecht. Dieser Index bewertet das Straßenbild, kulturelle Parameter und die Ambitionen der jeweiligen Städte:

  • Straßenbild: Fahrradinfrastruktur, Einrichtungen und Möglichkeiten für Radfahrer, Verkehrsberuhigung
  • kulturelle Parameter: Geschlechterverteilung (Anzahl der Radfahrer und Radfahrerinnen), Modalanteil der Fahrräder, Sicherheit, Eindruck von Radfahrern, Anzahl der Cargo Bikes (Lastenfahrräder)
  • Ambitionen: allgemeine Fürsprache, Fahrradpolitik, Bike-Sharing, Stadtplanung

Im Coya Fahrradstädte-Index (Bicycle Cities Index) konnte die niederländische Stadt Utrecht 2019 den ersten Platz ergattern, gefolgt von Münster und Antwerpen. Kopenhagen und Amsterdam haben es hier auf Platz vier und fünf geschafft. Dabei wurden folgende Kriterien berücksichtigt:

  • Wetter
  • prozentualer Anteil der Fahrradnutzung
  • Kriminalität und Sicherheit (Anzahl der Todesfälle, Unfälle und Diebstähle)
  • Infrastruktur
  • Bike-Sharing
  • Events (Zahl der Aktionstage, z. B. autofreier Tag)

Doch bevor wir dir etwas über die Fahrradsitten anderer Länder, die Besonderheiten mancher Städte und die schönsten Routen in Europa erzählen, schauen wir uns mal in unserer direkten Umgebung um und zeigen dir, wie Deutschland im internationalen Vergleich abschneidet.

Deutschland: positive Entwicklung der Fahrradinfrastruktur

Wie lässt es sich in Deutschland radeln und welche deutschen Städte sind besonders fahrradfreundlich? Hier die Eigenarten der Deutschen und interessante Fakten über unser Fahrverhalten auf einen Blick:

  • Zu den besten Fahrradstädten Deutschlands zählen gemäß des Index der Fahrradstädte Oldenburg, Münster, Freiburg und Bamberg.
  • Im Europavergleich zeigen sich laut Statista-Infografik Deutschlands Städte nicht besonders fahrradfreundlich und es sind nur vergleichsweise wenige Menschen auf dem Rad unterwegs.
  • Leipzig ist laut PKS Kriminalamt und Check24 die Hauptstadt der Fahrraddiebe.
  • Der Markt für E-Bikes brummt: 2019 wurden in Deutschland insgesamt 1,36 Millionen E-Bikes verkauft, mehr als doppelt so viele wie noch für fünf Jahren.
  • Deutschland ist laut Handelsvereinigung LEVA-EU der EU-Spitzenreiter im E-Bike-Konsum: 2019 wurde mit über einer Million, von insgesamt drei Millionen in der EU verkauften E-Bikes, der Löwenanteil in Deutschland gekauft.
  • Auf Deutschlands Straßen ist viel los: Alle 24 Stunden rollen laut Berechnungen von Statista und Handelsblatt im Schnitt 8767 neue Fahrräder und 2685 neue E-Bikes erstmals über die Straßen.
  • Wie eine Bitcom-Befragung aus dem Jahr 2018 zeigte, saßen 27 Prozent der Deutschen schon mal auf einem E-Bike. 47 Prozent können sich eine Fahrt auf dem E-Bike vorstellen, 20 Prozent schließen eine Fahrt auf dem E-Bike komplett aus.

Die deutschen Städte haben sich im Europavergleich zwar nicht als überdurchschnittlich fahrradfreundlich erwiesen, aber auch hier machen sich immer mehr Fortschritte bemerkbar.

Fahrradampeln

In Düsseldorf gibt es spezielle Fahrradampeln, die das "indirekte" Linksabbiegen ermöglichen. In der ersten Phase gelangen Radfahrer mit den Fußgängern geradeaus über die Kreuzung, dann fahren sie mit dem Querverkehr nach links weiter. Auch in Berlin und weiteren Großstädten sind Fahrradampeln zu finden.

Grüne Welle

Darüber hinaus führen immer mehr Städte die grüne Welle für Radfahrer ein. Oberhausen hat mit der "Radwelle" im Jahr 2019 den zweiten Platz in der Kategorie Infrastruktur des deutschen Fahrradpreises belegt. Beim Anfahren an die Ampel wird der Radfahrer frühzeitig erkannt und die Grünschaltung schneller ausgelöst.

Auch in München wurde die grüne Welle 2019 ausgebaut. Halten Radfahrer in der Adalbertstraße oder der Kapuzinerstraße ein Tempo von etwa 20 Stundenkilometern ein, können sie ohne Unterbrechungen durchradeln.

Schneller unterwegs dank App

Die kostenlose Smartphone-App Sitraffic SiBike soll Radfahrer schneller durch den Stadtverkehr bringen. Die App wurde von Siemens entwickelt und steht zum Beispiel in Marburg seit 2018 zur Verfügung.

Näherst du dich mit der SiBike App einer Kreuzung, schaltet die Ampel automatisch auf Grün oder verlängert die aktuelle Grünphase. Die Bewertungen lassen vermuten, dass die App ein großes Potenzial mit sich bringt, bisher jedoch nicht bei allen Radfahrern zuverlässig funktioniert.

Radtouren in Deutschland

Auch hierzulande gibt es viele Radwege zu erkunden. Zu den beliebtesten Radwegen in Deutschland zählen:

  • der Weser-Radweg von Cuxhaven nach Hannoversch Münden im Landkreis Göttingen (520 Kilometer)
  • der Ruhrtalradweg von Duisburg nach Winterberg (230 Kilometer)
  • der 1270 Kilometer lange Elberadweg, der dich in Deutschland 840 Kilometer von Cuxhaven einmal quer durchs Land nach Königstein in die sächsische Schweiz führt
  • der 2850 Kilometer lange Donauradweg, von dem sich 560 Kilometer im Süden Deutschlands befinden

Radreise in die Niederlande: führende Fahrradnation und Nummer eins im Fahrradstädte-Index

Die Niederlande gelten als Fahrradnation schlechthin. Hier gibt es mehr Fahrräder als Einwohner und ein unglaubliches Radwegenetz. 32.000 Kilometer Radwege führen dich durch eine idyllische Landschaft, vorbei an Windmühlen durch Blumenfelder und hübsche Ortschaften.

In Amsterdam ist der Radler der König der Straßen

In Amsterdam wird man als Besucher von der Flut an Radfahrern und der Menge an Fahrradeinrichtungen überwältigt. Sucht man in der Innenstadt mit dem Auto einen Parkplatz, dauert das eine Weile, da Parkhäuser („fietsenstalling“) und Parkplätze für Radfahrer – so zumindest der Eindruck für uns deutsche Besucher – in der Überzahl sind. Allgemein kommt man auf den schmalen Wegen um die Grachten auf dem Zweirad einfach am schnellsten voran.

In der niederländischen Hauptstadt ist der Radfahrer der König der Straßen. Amsterdam will das Fahrerlebnis der Radler auch weiterhin verbessern und hat einen ehrgeizigen Fahrradplan für 2020 veröffentlicht. Es sollen neue „königliche Routen“ eingeführt werden, um alle "Könige der Straßen" unterzubringen:

  • Bestehende Radwege werden auf 2,5 Meter erweitert, um die Kapazität zu erhöhen.
  • Es werden Fahrradstraßen mit niedrigerer Geschwindigkeit eingeführt, um auch gemütlichen Radfahrern gerecht zu werden.
  • Wichtige Kreuzungen werden neu gestaltet, um einen geschützten Raum für Radfahrer zu schaffen.

Der Einsatz wird belohnt: Dank der höchsten Investitionen in die Qualität der Fahrradinfrastruktur schafft es Amsterdam im Copenhagenize Index auf Platz zwei, im Fahrradstädte-Index auf Platz fünf.

Utrecht belegt im Fahrradstädte-Index Platz eins 

Utrecht steht Amsterdam in nichts nach und zählt unabhängig vom Index zu den Top 3. Im Copenhagenize Index hat es Utrecht auf Platz drei geschafft, im Fahrradstädte-Index auf den ersten Platz.

Hier passt einfach alles: Die allgemeine Sicherheit für Radfahrer ist hoch, die Zahl der Unfälle ist gering und Fahrräder werden nur selten geklaut. Es gibt viele Radwege und die Infrastruktur wird insgesamt als sehr gut bewertet.

Radtouren in den Niederlanden

Das sind die schönsten Strecken für deine Reise mit dem Zweirad durch die Niederlande: 

Radreise nach Dänemark: Ein Traum für Radfahrer und Nummer eins im Copenhagenize Index

Die Dänen zeigen uns, wie Radfahren funktioniert. Kopenhagen ist eine der vorbildlichsten Fahrradstädte weltweit und auch in vielen ruhigeren Regionen fährst du mit dem Rad am besten.

Kopenhagen: Hier wird Radeln großgeschrieben!

Kopenhagen wurde vom Copenhagenize Index zur fahrradfreundlichsten Stadt der Welt gekürt. Dänemarks Hauptstadt konzentriert sich auf eine klimaneutrale Zukunft und beansprucht den ersten Platz mit nachhaltigen Investitionen und konkurrenzlosen Statistiken für sich.

Kopenhagen ist ein Traum für jeden Radfahrer. In Dänemark haben sie viel Platz und abgetrennte Wege, auch entlang der Hauptverkehrsstraßen. Das erhöht die Radfahrsicherheit deutlich. Hinzu kommen spezielle Fahrradampeln.

Dank genau dieser Infrastruktur sieht man mehr Radler als Autofahrer im Straßenbild. Die Zahlen, die der Copenhagenize Index nennt, sprechen für sich:

  • 62 Prozent der Einwohner fahren mit dem Bike zur Arbeit oder zur Schule.
  • In Kopenhagen werden täglich 1,44 Millionen Kilometer mit dem Rad zurückgelegt.
  • Investitionen in die Fahrradinfrastruktur in Höhe von mehr als 40 Euro pro Kopf
  • Bau von vier neuen Fahrradbrücken
  • 167 Kilometer neue regionale Fahrradautobahnen

Bei eben jenen neuen Fahrradautobahnen handelt es sich um ein beeindruckendes und stetig wachsendes Netz an Bike-Infrastruktur – mit einer verbesserten Wegfindung und Beleuchtung, breiten Fahrradstraßen, Reparaturstationen und getakteten Kreuzungen.

Radtouren in Dänemark

In Kopenhagen kannst du die Stadt, ihre Architektur und ihre Brücken auf eine authentische Art mit dem Rad genießen. Wie wäre es mit einer Brückentour oder einer Hafen- und Kanalrundfahrt durch den farbenfrohen Nyhavn („neuer Hafen“) mit einem Abstecher zur kleinen Meerjungfrau an der Uferpromenade?

Mit einer abwechslungsreichen Landschaft ist Dänemark auch ideal für eine Radreise durch das Königreich oder einen Aktivurlaub geeignet. Wie wäre es mit einer gemütlichen Fahrt entlang der Küste (Nordseeküstenradweg) oder einer Fahrradtour bei Silkeborg?

Radreise nach Skandinavien: die nordischen Länder sind weit vorn mit dabei

Skandinavien besticht mit seiner einzigartigen Natur und idyllischen Landschaften. Doch auch in den skandinavischen Metropolen können sich Radfahrer pudelwohl fühlen.

Oslo: Rising Star

Oslo belegt im Copenhagenize Index den siebten Platz und hat sich mit seinem Bemühen um Radfahrer den indexinternen Titel "Rising Star" verdient. In den letzten Jahren hat die norwegische Hauptstadt einen Sprung gemacht und der Welt gezeigt, was in nur wenigen Jahren für den Radverkehr getan werden kann. Mit Fokus auf die Innenstadt kommen Radfahrer hier immer besser voran.

Zwischen 2017 und 2018 wurden über 1000 Autoparkplätze entfernt, um dem Rad- und Fußgängerverkehr mehr Raum zu geben. Autos wurden aus einem Gebiet von 1,3 Quadratkilometern im Stadtkern verbannt. 

In Helsinki sind Bike-Sharing-Projekte beliebt

Auch Helsinki ist immer wieder auf der Liste des Copenhagenize Index vertreten und konnte 2019 den zehnten Platz ergattern. Mit über 1300 Kilometern Fahrradinfrastruktur und 20 Kilometern Fahrradautobahnen, wobei weitere 140 Kilometer geplant sind, zielt Helsinki auf eine Neugestaltung der wichtigsten Verkehrskorridore im Stadtkern ab.

Darüber hinaus wird Bike-Sharing hier groß geschrieben: Seit 2016 hat sich die Zahl der Räder, die zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung stehen, versiebenfacht. Jetzt gibt es 3500 Räder, die gemeinsam genutzt werden können.

Auch in den Bereichen Umwelt und Nachhaltigkeit gibt es Hoffnung. Neu ist ein lokales Projekt zur gemeinsamen Nutzung von Lastenrädern. So kann das Auto immer häufiger in der Garage stehen bleiben.

Radtouren in Skandinavien

Eine Reise durch ganz Norwegen: Der EuroVelo 1, eine etwa 11.150 Kilometer lange Route an der Atlantikküste, führt Radfahrer vom norwegischen Nordkap nach Portugal und damit an der ganzen norwegischen Westküste entlang. 

Auch Mountainbiker haben in Norwegen viel Spaß. Hier findet jährlich eines der größten MTB-Events der Welt statt: das Mountainbikerennen "Birkebeinerrittet". Die Strecke ist 86 Kilometer lang und führt von Rena, einer idyllischen Siedlung mitten in Norwegen, nach Lillehammer, einem Skiort im Süden.

Radreise nach Frankreich: Straßburg, Bordeaux und Paris schneiden im internationalen Vergleich gut ab

Radfahrer kommen in Frankreich gut voran und die französischen Großstädte schneiden im internationalen Vergleich gut ab, insbesondere Straßburg, Bordeaux und Paris.

Neue Programme in Paris

Im Copenhagenize Index hat es Paris dank verbesserter Fahrradinfrastruktur auf Platz acht geschafft. Der Grund: Nachdem sich Paris jahrelang auf gemeinsame Bus- und Radwege verlassen hat, die einen bedeutenden Teil des Netzwerks ausgemacht haben, legt die Hauptstadt Frankreichs endlich einen Gang zu und führt spezielle Radwege ein – einschließlich geschützter Einrichtungen auf den Champs-Elysées!

Neue Programme haben in den letzten Jahren ebenfalls einige große Erfolge erzielt. So haben finanzielle Anreize für den persönlichen und beruflichen Gebrauch von Lastenfahrrädern zu einer zunehmenden Verbreitung ebenjener Radgattung beigetragen.

Darüber hinaus werden Autos bei Großveranstaltungen wie dem autofreien Tag "Paris Respire" immer häufiger von den Straßen verbannt, um die Bewohner Paris zum Radfahren zu animieren und die Hauptstadt bezüglich Abgase und Verkehrsbelastung aufatmen zu lassen. Einzig und allein das Abstellen der Drahtesel bleibt ein Problem.

Radtouren in Frankreich

Auch fernab der Großstädte empfiehlt sich eine Reise mit dem Rad durch Frankreich. Wir können eine gemütliche Tour entlang des Canal du Midi, einen Besuch der französischen Kleinstadt Digoin mit einer Fahrt über die Kanalbrücke oder eine Umrundung der Île de Ré empfehlen.

Ein großes Spektakel ist auch das "Rennen in den Cevennen", das bei Rennradfahrern bereits Kultstatus erreicht hat. Hier fährst du 140 Kilometer durch die Schluchten des Mont Aigoual. Die Strecke erfreut sich dank einer ehrlichen und amüsanten Beschreibung der Gedanken eines Rennradfahrers im Buch "Das Rennen" von Tim Krabbé größter Beliebtheit.

Radreise nach Österreich

Wenn es um Österreich geht, denken wir meist an Wanderurlaub und Skifahren in den Bergen. Doch unser Nachbarland hat darüber hinaus erstklassige Strecken für Radtouren zu bieten. Auch die Fahrradpolitik in Wien überzeugt.

Einzigartige Fahrradpolitik in Wien

Bereits 2018 wurde Wien mit der Kampagne #warumfährstdunicht auf den Kopf gestellt. Auf Instagram und Twitter haben sich allerlei Menschen, darunter auch bekannte Influencer, bewusst für das Radfahren eingesetzt und es gab verschiedenste Aktionen und Aufklärungskampagnen, zum Beispiel von der Stadt Wien oder dem mobilen Workshop Wien wird Wow.

Ziel war es, mehr Leute zum Radfahren zu bewegen und gängige Ausreden zu entkräften. Die Fahrradinfrastruktur wird weiterhin stetig ausgebaut.

Auch wird das meist vergessene Potenzial von Cargo Bikes in Wien für die städtische Logistik längst genutzt. Seit Jahren können die Bürger hier kostenlose Lastenfahrräder für schwerere Besorgungen mieten. Diese einzigartige Fahrradpolitik verschafft Wien den neunten Platz des Copenhagenize Index.

Radtouren in Österreich

In Österreich kann man wunderbar auf dem Donauradweg durch das Land reisen. In Österreich führt dich der Donauradweg an Linz, Grein, Krems an der Donau und vielen weiteren sehenswerten Ortschaften vorbei, bis du schließlich nach Wien gelangst.

Willst du dich auf eine längere Reise begeben und dich einem unvergesslichen Abenteuer stellen, ist eine Alpenüberquerung mit dem Rad eine Überlegung wert.

Radreise in die Schweiz: hier ist Bike-Sharing beliebt

In der Schweiz lassen sich Berge und Täler, Seen und Städte bestens mit dem Rad erkunden. Die Schweiz überzeugt mit einem gut ausgebauten und ausgeschilderten Radwegenetz, das nationale, regionale und lokale Routen umfasst. Wie Martin Kords, Datenjournalist von Statista berichtet, zählen die Straßen in der Schweiz weltweit zu den hochwertigsten.

Bern

Die Schweizer Hauptstadt Bern hatte im Fahrradstädte-Index 2019 einen der besten Plätze unter den Städten mit der hochwertigsten Radweg-Infrastruktur weltweit erzielen können. Auch weiterhin sind Investitionen in den Neu- und Ausbau von Radwegen geplant. Die Stadt möchte dadurch eine sichere und durchgehende Veloinfrastruktur schaffen.

Darüber hinaus ist die Schweizer Stadt Bern ganz vorn, wenn es um Bike-Sharing geht: Dort gibt es die meisten gemeinsam genutzten Fahrräder pro 100.000 Einwohner. Insgesamt belegt Bern im Fahrradstädte-Index von Coya einen soliden achten Platz. In die Top 20 des Copenhagenize Index hat es Bern hingegen nicht geschafft.

Radtouren in der Schweiz

Auch außerhalb der Hauptstadt hat die Schweiz in sämtlichen Regionen schöne Routen zu bieten. Eine Tour rundum den Bodensee oder eine Teilstrecke auf der schweizerischen Seite, eine Fahrt über den Oberalppass, die drei Burgen von Bellinzona oder eine Runde an der Uferpromenade von Zürich wirst du garantiert nicht so schnell vergessen.

Radreise nach Spanien: Barcelona ist der Urlaubsort für Radfahrer

In Spanien wird Radfahren eher als sportliche Betätigung aufgefasst. Als Verkehrsmittel wird das Rad nur selten genutzt. Das könnte daran liegen, dass Radwege nicht immer vorhanden und nur selten vernetzt sind.

Das Ferienhaus Cho Manuel, gelegen auf Gran Canaria, informiert Besucher über die Infrastruktur in Spanien: „Fahrradwege sind meist nur in touristisch attraktiven Regionen bekannt. Die einzelnen Radwege sind oftmals nicht miteinander verknüpft. Im Großraum Madrid haben allerdings Autobahnen teilweise eine eigene Fahrradspur“. Radfahrer können auf einer eigenen Anliegerfahrbahn (Via de Servicio) an der Autobahn entlang fahren.

Im Index der Fahrradstädte hat es Madrid auf Platz 44 geschafft, dicht gefolgt von Barcelona auf Platz 46. Die Zahl der Radwege kann dafür nicht verantwortlich sein – davon gibt es in beiden Städten nämlich nur mäßig viele, wie die Zahlen des Fahrradstädte-Index zeigen. Stattdessen gibt es in beiden Städten besonders viele Events, die Radfahrer bestärken sollen. Auch die Investitionen und Qualität der Infrastruktur können sich sehen lassen.

Barcelona: Urlaubsort für Radfahrer

Barcelona hat im Copenhagenize Index 2019 sogar Platz 13 belegt. Wie James Thoem, der Leiter der dänischen Copenhagenize Design Company berichtet, die den Index erstellt, bemüht sich die Mittelmeerstadt, der Nachfrage der Radfahrer gerecht zu werden. Das Radwegenetz wächst, es gibt immer bessere Konzepte zur Verkehrsberuhigung und die Zahl der Fahrräder auf den Straßen nimmt zu. Das wachsende Netzwerk, das verbesserte Programm zur gemeinsamen Nutzung von Fahrrädern und die Experimentierfreude der Großstadt katapultieren Barcelona zum achten Mal in Folge unter die Top 20.

Radtouren in Spanien

Nicht nur in Barcelona lässt es sich immer besser radeln, allgemein gibt es in Spanien außerhalb der Großstädte wunderschöne Routen für unvergessliche Radtouren. Möglich wäre eine abenteuerliche Fahrt an der Costa Brava, ein Abstecher zu den Dünen bei Valencia, oder eine Tour durch die Sierra de Guadarrama bei Madrid, eine Bergkette in Zentralspanien.

Radreise nach Italien: besser in die Dolomiten oder die Toskana als in die Großstadt

Italien hat es leider mit keiner Stadt in den Copenhagenize Index geschafft und auch im Coya-Fahrradstädte-Index ist unser Nachbarland mit Mailand erst auf Platz 65 vertreten.

Bike-Sharing in Mailand

Die Zahl der Unfälle ist hoch, die Infrastruktur ist ausbaufähig und Einrichtungen und Geschäfte für Radfahrer gibt es Mailand und Italien kaum. Mailand punktet jedoch mit der Zahl der gemeinsam genutzten Fahrräder und der Zahl der Fahrradverleihe.

Radtouren in Italien

Dennoch gibt es auch in Italien schöne Strecken zum Radfahren. Wie wäre es mit diesen Highlights:

Radreise nach Großbritannien: für Touren nicht ideal

Bristol wurde im Fahrradstädte-Index am höchsten gelistet und hat dort Platz 15 erreicht. Hier werden Fahrräder selten geklaut und auch insgesamt ist die Sicherheit hoch. Auch die Investitionen in die Qualität der Infrastruktur können sich sehen lassen.

Nach Bristol folgt lange nichts. Edinburgh ist auf Platz 54 vertreten, London auf Platz 67. Im Copenhagenize Index ist in den Top 20 gar kein englischer Ort zu finden. Kurz und knapp: In England und insbesondere in den Großstädten sieht man nur selten Radfahrer – und das mit gutem Grund.

Das Radfahren gestaltet sich dort eher schwierig und brauchbare Radwege sind nicht unbedingt weit verbreitet. Wenn du England mit deinem Bike erkunden willst, solltest du dich stattdessen auf geeignete Radregionen spezialisieren.

Radtouren in Großbritannien

Auch in Großbritannien gibt es aber einige radfreundliche Regionen mit entsprechenden Touren:

Fazit

Die Niederlande und Dänemark gehören zu den Top-Ländern in Sachen Radverkehr. Generell lässt es sich in Skandinavien gut radeln, aber auch die Fortschritte und innovativen Ideen in Frankreich, Österreich oder der Schweiz sind vielversprechend.

Prinzipiell lassen sich in fast jedem europäischen Land schöne Strecken für Radurlauber finden. Manche Regionen schöpfen ihr Potenzial allerdings schon mehr aus als andere. Sich vorher über die Radinfrastruktur von Wunschurlaubsstadt oder -land schlau zu machen, lohnt sich.


Luisa Schmid


Nach ihrem Studium der Literaturwissenschaften hängt Luisa aktuell noch ein Lehramtsstudium dran, um Förderschullehrerin zu werden. Ihre Liebe zum Schreiben kann sie als Bikes.de-Redakteurin weiter ausleben und so ihre journalistischen Kenntnisse vertiefen.

Das Fahrrad ist Sportgerät und Fortbewegungsmittel erster Wahl. So legt sie den Weg vom Dorf in die Stadt, zur Uni oder zum Einkaufen mit dem Trekkingrad zurück. Für schnelle Fahrten packt sie aber lieber ihr Mountainbike aus. Ist sie nicht gerade auf dem Fahrrad oder beim Joggen in der Natur unterwegs, liegt Luisa auch gerne mal auf der Couch und spielt Videospiele.


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