Fahrrad-Kindersitze für vorn und hinten

Fahrrad-Kindersitze für vorn und hinten

Mit einem Kinderfahrradsitz kannst du mit dem Nachwuchs auch dann mit dem Rad durch die City fahren oder eine Tour machen, wenn er selbst noch nicht Fahrrad fahren kann. Wir verraten dir, welche Variante zu deinen Bedürfnissen passt und auf was du beim Kauf achten solltest.

Kindersitz oder Fahrradanhänger: Was ist besser?

Eltern können ihre Kinder auf dem Fahrrad in einem Kinderfahrradsitz, einem Fahrradanhänger oder auf dem Lastenrad mitnehmen. Anhänger bieten mehr Platz und damit die Möglichkeit, auch Spielzeug und anderes Gepäck unterzubringen.

In den meisten Anhängern können sogar mehrere Kinder mitfahren. Der ADAC weist außerdem darauf hin, dass Kinder in einem Anhänger sicherer fahren, da das Verletzungsrisiko bei Unfällen aufgrund der geringen Fallhöhe niedriger ist. Allerdings benötigen Anhänger unterwegs mehr Platz, machen sich beim Lenken und Anfahren eher bemerkbar – und auch die Parkplatzsuche gestaltet sich schwieriger.

Eine sportlichere Transportlösung ist der Kindersitz. Die meisten Modelle sind schnell und einfach anzubringen und wieder abzunehmen, du bleibst also flexibel, wenn du statt des Kindersitzes mal einen (Einkaufs)Korb montieren möchtest. Im Vergleich zu breiten Anhängern, die das Lenken und Rangieren erschweren, beeinträchtigen Fahrradsitze das Fahrverhalten kaum, zumindest, wenn es sich um einen Kindersitz für den Gepäckträger handelt.

Auch Eltern, die Babys (ca. ab dem neunten Lebensmonat/wenn das Baby selbstständig sitzen kann) und Kleinkinder mitnehmen wollen, können auf Kinderfahrradsitze zurückgreifen. Darüber hinaus ist ein Kindersitz meist kostengünstiger als ein Anhänger.

Frontsitz: das Kind immer im Blick

Einen Frontsitz montierst du am Lenker. Er ist für kleine Passagiere im Alter von 9 Monaten bis etwa 2,5 Jahren geeignet. Das liegt unter anderem daran, dass sich das zusätzlich Gewicht am Lenker merklich auf das Fahr- und Lenkverhalten auswirkt - und je schwerer und größer das Kind, desto stärker die Auswirkungen.

Aber: Umschlossen von den Armen der Eltern fühlen sich Babys und Kleinkinder häufig wohler als auf einem Rücksitz – und auch Eltern mit kleinen Kindern sind ruhiger unterwegs, weil sie ihren Nachwuchs immer im Blick haben. 

Wie muss ein Frontsitz beschaffen sein? Vom Grundprinzip her sind Kindersitze immer gleich aufgebaut: Sie bestehen aus einer Sitzschale mit Rückenlehne, einem Gurtsystem und einer Basis mit Fußstützen, über die du den Kindersitz an deinem Bike anbringst.

Gurtsystem

Das Gurtsystem bildet das Herzstück des Kindersitzes und spielt eine entscheidende Rolle für dessen Funktionalität und Sicherheit. Das 3-Punkt-Gurtsystem wird über den Schultern und zwischen den Beinen am Sitz montiert. Sogenannte 5-Punkt-Systeme haben darüber hinaus zwei zusätzliche Befestigungspunkte links und rechts vom Becken, und damit neben den Schultergurten einen zusätzlichen Beckengurt.

Da Frontsitze auf jüngere Mitfahrer ausgelegt sind, lohnt es sich, in ein Gurtsystem mit fünf Punkten zu investieren, das dein Kind mehrfach sichert. Gurtpolster sorgen dafür, dass nichts einschneidet oder drückt.

Nachdem dein Sprössling auf seinem Fahrradsitz Platz genommen hat, schließt du die Sicherheitsgurte. Auch hier kommen je nach Modell verschiedene Mechanismen zum Einsatz, die, ähnlich wie beim Auto, mit einem Gurtschloss arbeiten oder magnetisch funktionieren. Prinzipiell sind beide Varianten zu empfehlen. Achte beim Kauf jedoch darauf, dass dein Kind die Sicherheitsgurte während der Fahrt nicht selbst öffnen kann.

Wenn du dein Kind bereits im Alter von neun Monaten mitnehmen willst und es bis zu dem erlaubten Alter von 2,5 Jahren vorn mitfahren soll, sind verstellbare Gurte, die sich an die Körpergröße anpassen lassen, eine gute Wahl. Schließlich wächst dein Kind bis dahin noch gute 20 Zentimeter – und so wächst der Sicherheitsgurt einfach mit.

Basis oder Halterung

Unter dem eigentlichen Sitz ist eine Halterung mit zwei „Beinen“ angebracht, über die du den Fahrradkindersitz mit dem Lenker deines Bikes verbindest.

Außerdem sind Kindersitze mit Fußstützen ausgestattet. Hier empfehlen sich Modelle mit verstellbaren Fußstützen, die du mit dem Alter deines Kindes an seine Beinlänge anpassen kannst. Die Stützen verfügen über verschließbare Riemen, die die Füße des kleinen Passagiers in Position halten und mittels derer sich die Fußstützen anpassen lassen.

Polsterung

Die Sitzschale selbst besteht zwar aus Kunststoff, einige Modelle sind jedoch mit einer Polsterung ausgestattet, die den Komfort erhöht. Nicht unwichtig, vor allem, wenn das Kind sich länger als ein paar Minuten im Sitz wohlfühlen soll. Die Sitzschale muss nicht komplett gepolstert sein – damit es dein Kind bequem hat, solltest der Frontsitz jedoch zumindest über ein Sitzpolster verfügen. 

Rücksitz: Bewegungsfreiheit für Fahrer und Kind

Kinderfahrradsitze, die über dem Gepäckträger angebracht werden, sind für Kinder im Alter von ein bis sieben Jahren geeignet. Aus ein paar guten Gründen hat sich der Rücksitz im Alltag als gängige Variante durchgesetzt:

  • Er ist größer als der Frontsitz.
  • Er bietet grundsätzlich mehr Platz, Funktionen und Spielraum, wobei sich auch größere Kinder während der Fahrt bequem zurücklehnen können.
  • Auch der Fahrer hat mehr Bewegungsfreiheit und der Fahrkomfort ist größer, da sich der Sitz hinten und damit die Bewegungen des kleinen Mitfahrers nicht auf das Lenkverhalten auswirken.
  • Der ADFC empfiehlt die Heckvariante, da Kinder in dieser Position bei einem Unfall besser geschützt sind.

Gurtsystem

Bei hinten angebrachten Kindersitzen gibt es zwei Varianten: Auch hier verfügen Modelle für Kleinkinder über mehrere Gurte, die den gesamten Oberkörper stützen. Bei Fahrradsitzen für ältere Beifahrer gibt es manchmal nur einen Gurt, der das Becken umschließt. Während der Fahrt halten sich die Kinder dann zusätzlich am Fahrer fest.

Da Rücksitze für eine weite Altersspanne konzipiert sind, solltest du die Sicherheitsgurte in ihrer Höhe verstellen und ihre Position an die Größe deines Kindes anpassen können.

Hierzu befinden sich an der Rücklehne der Sitzschale auf verschiedenen Höhen jeweils zwei Aussparungen, durch die du die Gurte durchfädelst. Damit das Kind sicher in der Schale sitzt und bequem auf dem Rad mitfahren kann, sollten sich die Ansätze der Schultergurte in etwa auf Schulterhöhe befinden.

Auch einige Heckvarianten sind von Haus aus mit Gurtpolstern ausgestattet, damit der Gurt drückt oder einschneidet. Alternativ kannst du sie jedoch auch einfach nachkaufen.

Basis oder Halterung

Bei hinten angebrachten Kindersitzen liegt die Sitzschale auf einer Halterung in Form eines umgedrehten U aus Kunststoff auf, die den Gepäckträger umgreift. An dieser Halterung sind verstellbare Fußstützen und Riemen angebracht. 

Außerdem befindet sich an dieser Basis oft eine zusätzliche Halterung, die den Sitz für einen besseren Halt mit dem Fahrradrahmen verbindet. Solche Modelle sind insbesondere für größere und schwerere Kinder zu empfehlen, da sie oft mehr Gewicht (bis zu 35 Kilogramm) tragen können.

Polsterung

Bei Unebenheiten kann es bei einer Fahrt hinten auf dem Gepäckträger schon mal wackelig werden. Ein Sitzpolster ist bequem und dämpft Stöße ab. Wer überwiegend auf annehmbaren Straßen und Radwegen unterwegs ist, kommt mit einem dünnen Sitzpolster bereits gut zurecht. Wenn du öfter auf Feld- oder Waldwegen bist, solltest du jedoch lieber zu einem etwas dickeren Polster greifen, um deinem Kind eine angenehme Fahrt zu bereiten.

Montage vorn und hinten

Die Frontvariante, in der dein Kind vorn zwischen deinen Armen sitzt, verbindest du über eine Montagehalterung mit dem Lenker deines Fahrrads. In der Regel legst du dafür beide Hälften der Halterung an, sodass sie das Lenkrohr umschließen, und schraubst sie zusammen.

An der Unterseite des Kindersitzes befindet sich das kompatible Gegenstück, womit du ihn nur noch von oben an die Halterung stecken musst, bis der Arretierstift zubeißt. Um den Sitz abzunehmen, löst du den Arretierstift, indem du an der Sitzentriegelung ziehst. Schon kannst du den Sitz aus der Montagehalterung heben.

Fahrradsitze, in denen das Kind hinten auf dem Rad mitfährt, befestigst du je nach Modell am Rahmen oder am Gepäckträger deines Bikes. Um den Sitz fest mit dem Sattelrohr zu verbinden, bringst du wie bei der Frontvariante zunächst eine Montagehalterung am Rohr an.

Auch hier verfügt der Sitz über die passende Gegenvorrichtung. Viele Modelle arbeiten mit Trägerstreben, die du ganz einfach in die Montagehalterung hineinstecken kannst. Einige Fahrradsitze kannst du auch direkt an deinem Gepäckträger befestigen, indem du die Klammerarme an der Unterseite des Sitzes über einen Drehknopf oder ähnliche Systeme festzurrst.

Fahrradkindersitz: Reinigung und Pflege

Die meisten Kinderfahrradsitze bestehen komplett aus wasserabweisenden Materialien, wodurch sie leicht zu reinigen sind. Hierzu kannst du Wasser und ggf. etwas Spülmittel verwenden. Bei gepolsterten Modellen lässt sich das Sitzpolster in der Regel aus der Schale herausnehmen, sodass du es bequem säubern kannst, ohne dass du den ganzen Kindersitz demontieren musst.

Mit einer Schutzhülle kannst du den Kindersitz vor Wind und Wetter bewahren. So könnt ihr euch nach einem Regenschauer schnell aufs Rad schwingen, ohne dass du den Kindersitz erst umständlich trocknen musst. 

Beispiele für Kinderfahrradsitze vorne und hinten

Kindersitze für vorne

Willst du dein Kind mit einem Frontsitz immer im Blick haben, bist du zum Beispiel mit dem Thule Yepp Nexxt Mini, den die Stiftung Warentest zum Testsieger gekrönt hat, an der richtigen Adresse. Auch der Hamax Observer könnte etwas für dich sein. Beide Modelle sind für Kinder ab 9 Monaten bis zu einem Gewicht von 15 Kilogramm gemacht.

Der Thule Yepp Nexxt Mini selbst bringt 1,9 Kilogramm auf die Waage und bietet einen verstellbaren und gepolsterten 5-Punkt-Sicherheitsgurt, verstellbare Fußstützen und Fußschlaufen, die eine gute Passform garantieren sollen, und eine Schnellspannhalterung. Der Kinderfahrradsitz von Thule ist für knapp 100 Euro erhältlich.

Der Hamax Observer lässt sich am Lenker von Fahrrädern mit einer Lenkerstange mit einem Durchmesser von 20 bis 28 Millimetern montieren. Hierzu bringst du eine Montagehalterung an, woraufhin du den Observer bequem per Klick-Montage befestigen kannst. Im Vergleich zum etwas teureren Thule-Kindersitz ist der Sicherheitsgurt hier nicht gepolstert, dafür ist der Observer mit 1,6 Kilogramm etwas leichter und mit einem Preis von rund 90 Euro auch etwas günstiger. 

Kindersitze für hinten

Wenn die Heckvariante für dich die richtige ist, kannst du einen Blick auf die Modelle bekannter Hersteller wie Thule oder Bobike werfen. Analog zum Frontsitz von Thule gibt es für größere Kinder den Thule Yepp Nexxt Maxi, den du am Gepäckträger montierst. Er kann bis zu 22 Kilogramm tragen, wobei er selbst ein Gewicht von drei Kilogramm auf die Waage bringt.

Auch hier gibt es einen verstellbaren und gepolsterten Gurt und verstellbare Fußrasten, die sich der Größe des Kindes anpassen. Die Montage ist kinderleicht: Nachdem du den Kindersitz auf den Gepäckträger befördert hast, kannst du die Halteklammern über einen Drehknopf schließen.

Willst du den Sitz später abnehmen, drehst du den Knopf einfach in die andere Richtung, um die Klammern zu lösen. Die Diebstahlsicherung ist hier gleich inklusive, da du einen Schlüssel benötigst, um den Drehknopf zu betätigen. Der Preis liegt bei etwas mehr als 135 Euro.

Der robuste Bobike Junior Classic ist sogar auf ein Gewicht von bis zu 35 Kilogramm ausgelegt. Der Kinderfahrradsitz wird über eine Halterung fest am Sitzrohr und den Sitzstreben angebracht. Über ein paar Schrauben kannst du ihn montieren und die passende Position einstellen.

Neben einem verstellbaren Beckengurt und justierbaren Fußstützen verfügt er auch über eine praktische Taschenhalterung. Er ist für einen Preis ab 60 Euro erhältlich. Einziges Manko: Für E-Bikes mit Akku unter dem Hinterradgepäckträger und Fahrräder mit Carbonrahmen ist der Junior Classic nicht geeignet, da bei Letzteren die Klemmen die Faserstruktur quetschen und schädigen könnten.

Fazit

Um dir bei deiner Entscheidung für einen Kinderfahrradsitz zu erleichtern, fassen wir die wichtigsten Punkte noch einmal zusammen und geben dir ein paar abschließende Tipps zum Kauf mit auf den Weg:

  • Wenn du eine sportliche Transportlösung für nur ein Kind suchst, bist du mit einem Kinderfahrradsitz an der richtigen Adresse. Willst du mehrere Beifahrer (und etwas Spielzeug etc.) mitnehmen, ist ein Fahrradanhänger die bessere Wahl.
  • Bei der Entscheidung zwischen Front- und Hecksitz solltest du darauf achten, ob dein Fahrrad für die entsprechende Variante geeignet ist. So sind E-Bikes, bei denen der Akku am Sattelrohr befestigt ist, mit einigen Kindersitzen für den Gepäckträger nicht kompatibel, oder es werden zusätzliche Teile, zum Beispiel eine Verlängerung für den Gepäckträger, benötigt.
  • Auch das Alter des Kindes spielt eine Rolle. Fahrradsitze für vorn sind nur für Mitfahrer im Alter von 9 Monaten bis etwa 2,5 Jahren geeignet. In einem Rücksitz dürfen junge Passagiere bis zu einem Alter von 7 Jahren mitfahren.
  • Beim Kauf sind besonders der Sicherheitsaspekt und der Komfort zu berücksichtigen: Achte darauf, dass sich dein Sprössling während der Fahrt nicht selbst aus dem Sitz befreien bzw. von den Sicherheitsgurten lösen kann. Polsterungen tragen dazu bei, dass sich dein Sprössling wohlfühlt.

Carola Felchner


Carola Felchner ist seit rund 20 Jahren als Fachredakteurin im Sportbereich tätig. Nach einem Volontariat bei SAZsport und SAZbike, arbeitete sie als Redakteurin mit Schwerpunkt "Bekleidung & Accessoires" sowie "Breitensport" beim Rennradmagazin TOUR. Danach war sie einige Jahre als verantwortliche Test-&-Technik-Redakteurin beim triathlon-Magazin angestellt, bevor sie sich 2015 selbstständig machte. Carola Felchner ist aktive Ausdauersportlerin und liebt Rad- ebenso wie Laufmarathons oder Langdistanz-Triathlons, wobei Spaß und Kontinuität ihr wichtiger sind als immer neue Bestzeiten.


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