Anmelden

10

Den E-Bike-Akku selber bauen: Ist das eine gute Idee?

Den E-Bike-Akku selber bauen: Ist das ei...

28.04.2021 - Update: 29.06.2021

E-Bikes gewinnen in letzter Zeit immer mehr an Bedeutung und werden deutlich beliebter. Neben der höheren Geschwindigkeit und der geringeren körperlichen Belastung schonen sie als Alternative zum Auto auch zusätzlich die Umwelt. Die Anschaffung eines E-Bikes ist meist jedoch mit recht hohen Kosten verbunden. Zwischen 2000 und 3000 Euro musst du für die Neuanschaffung eines E-Bikes bzw. Pedelecs auf den Tisch legen. Wer technisch und handwerklich begabt ist und gleichzeitig über das notwendige Know-how zum Thema Zellen und Elektronik verfügt, kommt dabei schon mal auf die Idee, das eigene Fahrrad zu einem E-Bike umzurüsten. Da dies jedoch einige Gefahren birgt und es beim Hantieren mit Elektronik zu Kurzschlüssen kommen kann, raten wir dir davon ab, einen E-Bike-Akku selbst zu bauen.

Wer sich trotzdem an das Projekt wagen möchte – so funktioniert es:

Die Umrüstung eines Fahrrads zu einem E-Bike besteht aus den drei Komponenten Akku, Motor und elektronische Steuerung.

Der Akku-Bau mit 18650-Zellen

Die entscheidende Kennzahl ist die Angabe der Leistung in Form von Wattstunden, eines Pedelec-Akkus. Diese erhält man durch die Multiplikation von Spannung und Kapazität. Spannung wird dabei in Volt angegeben und beträgt bei den meisten Pedelecs 36 oder 48 Volt. Die Kapazität des Akkus wird dagegen in Amperestunden (Ah) angegeben.

Zum Bau eines eigenen Akkus eignen sich die 18650-Zellen besonders gut. Diese Zellen werden in den meisten Laptops, Powerbanks, E-Autos und anderen Geräten verbaut. Sie haben den Vorteil, dass sie, egal wie oft man die Zellen mit einem Ladegerät verbindet, nicht an Leistung verlieren. Die Kapazität (Ah) des Akkus kann erhöht werden, indem mehrere Zellen parallel geschaltet werden. Beim Kauf der Zellen solltest du darauf achten, Zellen zu nehmen, die von einem seriösen Anbieter stammen. Schließlich sind sie ein wichtiger Bestandteil des Akkus und sollten von höchster Qualität sein. Um den Akku richtig nutzen zu können, muss man die einzelnen Zellen miteinander verbinden. Hierfür eignet sich ein sogenanntes Punktschweißgerät. Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Beim Schweißen der Zellen kann es schnell zu Kurzschlüssen kommen, wodurch der ganze Akku Feuer fangen kann. Nachdem Sie die Zellen miteinander verbunden haben, müssen alle auf ein gleiches Spannungsniveau gebracht werden. Dies gelingt, indem man alle Akkus mit einem Ladegerät auflädt.** Schließlich werden die Zellen in Reihe geschaltet und zu einem Paket in einem Gehäuse angelegt.

Das Battery-Management-System

Um ein gleichmäßiges Laden und Entladen des Akkus zu ermöglichen, empfiehlt sich der Einsatz eines sogenannten Battery-Management-Systems (BMS). Es handelt sich dabei um eine elektronische Schaltung, die den funktionsgerechten Betrieb des Akkus überwacht und sie somit länger haltbar macht. Dieses BMS wird nun durch die Kabel mit den Polen des Akkus verbunden. Plus- und Minuspole werden dabei durch verschiedene Kabel gekennzeichnet. Am Ende wird alles gut mit einem Schrumpfschlauch oder mit Gewebeband verpackt und in das Gehäuse gelegt. Dann wird das Gehäuse zugeschraubt und geschaut, dass alles wasserdicht ist. Zuletzt wird die Rahmenhalterung mit dem Motor verbunden.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Bei einem eigenständigen Umbau des Fahrrades zu einem E-Bike solltest du auch die rechtlichen Rahmenbedingungen beachten. So lange ein Pedelec nicht schneller als 25 km/hfahren kann, gilt es im Straßenverkehr als Fahrrad. Daher besteht weder eine Helmpflicht, noch braucht man einen Führerschein oder eine Zulassung zum Fahren. Zudem darf der Motor nicht mehr als 250 Watt haben, da das E-Bike sonst als Kleinkraftrad gilt. Auch S-Pedelecs sind offiziell schon Kleinkrafträder, da sie schneller als 25 km/hfahren. Sie benötigen daher auch eine Zulassung, einen Helm zum Fahren sowie einen Führerschein. Solange du diese Vorschriften beim Umbau beachtest, bedarf es keiner weiteren Vorkehrungen. 

Garantie, Haftung und Zulassung

Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen für E-Bikes im Straßenverkehr ist es wichtig, die Garantie- und Haftungsbedingungen des Herstellers zu kennen. Dein ursprüngliches Fahrrad ist im Regelfall für einen Motorantrieb nicht zugelassen. Wenn du dein Fahrrad dennoch umbaust, können Materialfehler gegebenenfalls nicht mehr geltend gemacht werden und die Herstellergarantie erlischt. Außerdem solltest du dir Gedanken über eine gesonderte Haftpflichtversicherung machen. Eine klassische Haftpflichtversicherung genügt bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Willst du dein Bike für schnellere Geschwindigkeiten bis zu 45 km/h umbauen, brauchst du eine spezielle Versicherung. Wenn du außerdem nicht die notwendige Zulassung für das Kleinkraftrad hast, riskierst du Punkte in Flensburg und hohe Strafen.

Vor- und Nachteile

Die Aufrüstung eines alten Fahrrads zu einem E-Bike bringt sowohl einige Vorteile als auch Nachteile mit sich. Zum einen findet dein bisheriges Rad weiter Verwendung, landet daher nicht auf dem Müll und muss auch nicht verkauft werden. Zudem ist der eigenständige Umbau im Vergleich zu einer Neuanschaffung günstiger.

Neben den Vorteilen solltest du jedoch nicht die Nachteile außer acht lassen. Zwar kannst du beim Umbau selbst bestimmen, wie du Motor, Akku und Steuerung integrierst, ganz so elegant, wie bei gekauften E-Bikes wirst du die Montage aber nicht lösen können. Außerdem solltest du beachten, dass es auf dem neuen E-Bike zu einer komplett anderen Verteilung des Gewichts kommen wird und wie sich anders sich die neuen Kräfte beim Fahren anfühlen. Der neue E-Antrieb wird sich auch negativ auf den Verschleiß der Bremsen, der Fahrradkette, des Rahmens und der Gabel auswirken, weshalb du diese Bestandteile noch häufiger überprüfen solltest. Auch birgt der selbstständige Bau des Akkus wie eingangs schon gesagt einige Gefahren.

Welche Gefahren gibt es?

Die größte Gefahr beim Umbau des Fahrrads und insbesondere beim Bau des Akkus besteht in einem Kurzschluss und der damit einhergehenden Brandgefahr. Gerade Lithium-Ionen-Akkus sind nicht ungefährlich. Beim Schweißen und Zusammenbauen der Zellen kann es besonders schnell zu gefährlichen Kurzschlüssen kommen. Daher ist es uns wichtig, an dieser Stelle noch einmal zu betonen, dass wir dir grundsätzlich nicht dazu raten, einen E-Bike-Akku selbst zu bauen.

Fazit

Ein umgerüstetes Fahrrad mit einem selbst gebauten Akku kann eine günstige Alternative zu teuren Pedelecs sein. Nicht jedes Rad eignet sich aber gleichermaßen zum Umbau. Es können immer Gefahren bestehen und die Herstellergarantie erlischt. Daher empfehlen wir dir, dich lieber nach einem guten und günstigen E-Bike beim Fachhändler umzusehen.